Augsburg: "Ich habe nicht vor zu wechseln"

Kacar: "Beim HSV war es viel schwieriger"

Gojko Kacar

Will sich beim FCA durchbeißen: Gojko Kacar. imago

Am Samstag startet der FC Augsburg gegen Ihren Ex-Klub HSV in die Rückrunde. Wie zuversichtlich sind Sie, dass Sie im Kader stehen werden, Herr Kacar?

Das weiß ich nicht, aber ich bin bereit. Ich gebe immer 100 Prozent und will es dem Trainer schwer machen, auf mich zu verzichten. Ich freue mich auf das Spiel, es ist sehr wichtig für beide Teams.

In der Hinrunde spielten Sie nur gegen Stuttgart über 90 Minuten, sechsmal saßen Sie auf der Bank, zehnmal auf der Tribüne. Wie schwierig ist die Situation für Sie?

Klar habe ich mir mehr Spielzeit erwartet. Aber wir haben eine sehr gute Hinrunde gespielt, das sehe ich auch als meinen Erfolg, obwohl ich meist nicht gespielt habe. Ich bin ein Teil des FCA. Und ich bin sicher, dass ich bald wieder eine Chance bekommen werde. Dann muss ich fit und bereit sein. In der Hinrunde war ich zwischenzeitlich auch verletzt, ein Band im Sprunggelenk war angerissen.

Sie können sowohl als Innenverteidiger wie auch als Sechser spielen. Aber auf beiden Positionen gibt es für Sie gleich fünf oder sechs Konkurrenten.

Wir haben einen breiten Kader, das muss man akzeptieren, auch wenn es nicht leichtfällt. Die Situation ist schwierig, aber man muss dranbleiben. Ich werde immer wieder Gas geben und zeigen, dass ich der Mannschaft helfen kann. 17 Spiele sind noch lange, wir werden jeden im Kader brauchen.

Ich wusste damals gar nicht, ob ich weiter auf so hohem Niveau spielen kann.

Kacar über seine schwierigste Phase beim HSV

Manuel Baum muss Woche für Woche Spieler enttäuschen. Wie gelingt es ihm, das zu moderieren?

Ich gehe nicht jede Woche zu ihm und frage nach, warum ich nicht im Kader bin. Ich bin schon lange dabei und weiß, dass solche Entscheidungen für einen Trainer nicht einfach sind. Aber für mich sind sie es auch nicht.

In Hamburg erlebten Sie auch schwierige Phasen, zeitweise wurden sie in die U 23 abgeschoben oder nach Japan ausgeliehen. War diese Zeit noch härter als jetzt in Augsburg?

Beim HSV war es für mich viel schwieriger. Ich war ein Jahr verletzt, kam zurück - und wurde aussortiert. Ich wusste damals gar nicht, ob ich weiter auf so hohem Niveau spielen kann. Jetzt bin ich erfahrener und sehe die Situation ganz anders. Ich bin dankbar, dass ich gesund bin und trainieren kann. Harte Arbeit wird irgendwann belohnt.

Es heißt, Dirk Schuster war die treibende Kraft bei Ihrer Verpflichtung im Sommer 2016. War es für Sie ein Nachteil, dass er nach weniger als einem halben Jahr gehen musste?

Ich hatte auch 2015 schon Kontakt mit dem FCA, bevor Dirk Schuster gekommen ist. Damals habe ich noch mal in Hamburg verlängert. Unter Schuster habe ich letzte Saison 13 Spiele gemacht, unter Baum auch neun. Ich weiß nicht, ob der Trainerwechsel für mich ein Vor- oder ein Nachteil war.

Nun kamen Meldungen auf, dass Schuster Sie nach Darmstadt holen will. Machen Sie sich Gedanken über einen Wechsel im Januar?

Zurzeit nicht wirklich. Ich bekomme zwar viele Anfragen, aber die schiebe ich zu meinem Berater und Onkel Milan. Ich konzentriere mich nur auf meinen Job beim FCA. Natürlich wünsche ich mir mehr Spiele. Aber ich habe nicht vor zu wechseln, Stand jetzt bleibe ich hier.

Deshalb würde ich mir wünschen, dass ich in Deutschland bleiben kann.

Kacar zu seiner Zukunft

Am Saisonende läuft Ihr Vertrag aus. Machen Sie sich schon Gedanken, wie es im Sommer weitergeht?

Nein, ich denke nur an die nächsten sechs Monate. Was danach passieren wird, kann ich nicht planen. Ich will so viele Spiele wie möglich machen und mich zeigen. Dann werden wir sehen.

Möchten Sie auf jeden Fall in Deutschland bleiben oder kommt auch das Ausland infrage?

Ich bin grundsätzlich offen. Aber ich lebe seit zehn Jahren in Deutschland und fühle mich hier zu Hause. Deshalb würde ich mir wünschen, dass ich in Deutschland bleiben kann.

Sie spielten sechs Jahre beim HSV. Wie eng ist Ihre Verbindung nach Hamburg noch?

Ich habe Kontakt mit einigen Betreuern und Ex-Spielern des HSV, zum Beispiel mit Jaroslav Drobny, Ivica Olic und Emir Spahic. Der HSV war sechs Jahre lang ein Kapitel meines Lebens. Ich habe dort Höhen und Tiefen erlebt, denke aber nur an die schönen Sachen zurück. Ich freue mich, am Samstag ein paar alte Gesichter wiederzusehen.

In Hamburg ist es traditionell sehr unruhig, Augsburg ist dazu ein Gegenentwurf. Welches Extrem ist Ihnen lieber?

Für Spieler ist es in Augsburg angenehmer, der Verein ist familiär, alle halten zusammen. Beim HSV gibt es viele Wechsel, nicht nur in der Mannschaft, sondern im gesamten Verein. In Hamburg steht man sehr schnell stark in der Kritik. Auf der anderen Seite fiebert die ganze Stadt mit, wenn du Erfolg hast.

Wünschen Sie dem HSV den Klassenerhalt?

Ich hoffe, dass sich der HSV schnell aus dem Keller befreit und wieder in eine ruhigere Phase kommt. Hamburg gehört in der Tabelle weiter nach oben. Aber am Samstag wollen wir natürlich gewinnen.

Interview: David Bernreuther