Freiburgs Winterzugang über seinen Karriereweg, seine Erwartungen und Petersen

Höler: "Ich hatte eine schöne Jugend mit viel Freizeit"

Lucas Höler

Erlebt gerade seine ersten Tage mit dem SC Freiburg: Lucas Höler. imago

Aus Freiburgs Trainingslager in Sotogrande berichtet Carsten Schröter

Auf die Taktikschule am Mittwoch folgte die Zweikampfschule am Donnerstag. In kleinen Vierecken mussten die SC-Profis erst im Eins-gegen-zwei und dann im Zwei-gegen-vier aggressive Balleroberung trainieren. Begleitet von lautstarker Kritik, Lob und Motivation von Christian Streich. Die über zweistündige Einheit gipfelte in einem intensiven Kleinfeld-Turnier auf große Tore mit sechs Vierer-Teams. Es ging ordentlich zur Sache. Mittendrin: Höler, der aber weitgehend unauffällig blieb. Zwischendrin nahm Streich den neuen Angreifer für einige Ratschläge zur Seite. Bei der abschließenden Auswertung schaute der neue Stürmer gleich in die Röhre. Zusammen mit den beiden Innenverteidigern Marc-Oliver Kempf und Manuel Gulde sowie Janik Haberer belegte er den letzten Turnierplatz und muss den anderen Kollegen einen ausgeben.

Spielersteckbrief Höler

Höler Lucas

Davor sprach Lucas Höler über...

...die ersten Stunden in einer Bundesliga-Mannschaft: Es ging alles Schlag auf Schlag. Am 29. Dezember habe ich unterschrieben, am 2. Januar stand die Abreise ins Trainingslager an. Schon um 5 Uhr haben wir uns ja am Stadion getroffen, bevor es zum Flughafen ging. Ich habe mich vorgestellt und jeder Einzelne ist inzwischen schon auf mich zugekommen und hat das Gespräch gesucht, da fällt die Eingewöhnung leicht. Ich freue mich hier zu sein, Freiburg ist genau der richtige Klub für mich. Im Training habe ich schon gemerkt, dass das Niveau nochmal höher ist. Das freut mich, da man sich mit besseren Mitspielern automatisch selbst verbessert. Ich versuche in dieser kurzen Vorbereitung so viel aufzunehmen, wie es geht. Dann müssen wir erfolgreich in der Saison sein.

...die Freigabe von Sandhausen: Vom Freiburger Interesse wusste ich schon länger, aber es war klar, dass ich erstmal das Jahr mit voller Konzentration für Sandhausen zu Ende spiele. Dass wir die letzten beiden Spiele gewonnen haben, war ein sehr wichtiger Faktor, dass der Wechsel geklappt hat. So steht Sandhasen auf dem fünften Platz, aber es hätte auch nach unten gehen können. Danach habe ich gesagt: "Ich habe mich hier voll reingehauen und ein Bundesligist hat angeklopft. Das ist mein Kindheitstraum und ihr habt immer gesagt, ihr wollt mir in so einem Fall keine Steine in den Weg legen und ich hoffe, das bleibt dabei, weil Freiburg eine einmalige Chance ist." Es war sehr gut, dass mir Sandhausen den Wechsel schon im Winter ermöglicht hat.

...die Anziehungskraft des SC Freiburg: Es geht sehr familiär zu, das habe ich direkt gemerkt und auch schon vorher gehört. Hier kann man in Ruhe arbeiten, der SC steht dafür, dass er junge Spieler sehr gut weiterentwickeln kann, auch wenn ich nicht mehr ganz so jung bin (grinst). Ich finde den Trainer super, man kann unter ihm viel lernen. Daher war es keine Überlegung wert, den Schritt nicht zu machen.

...seinen ungewöhnlichen Karriereweg von der Regionalliga (Oldenburg) über die 3. Liga (Mainz 05 II) und 2. Liga (Sandhausen) bis ins Oberhaus: Ich bin nicht der klassische Profi, der im NLZ groß und früh mit dem Profidasein konfrontiert worden ist. Ich hatte eine schöne Jugend in meinem Heimatverein (VSK Osterholz-Scharmbeck, d. Red.) mit viel Freizeit und nicht so viel Fußball. Dann habe ich mich Schritt für Schritt immer weiterentwickelt durch sehr gute Trainer, die mich gefördert haben. Dass ich jede Liga im oberen Bereich erlebt und es jetzt für die Bundesliga gereicht hat, macht mich stolz. Ich weiß genau, wie das Niveau überall ist und zu meiner Karriere hat es super gepasst, dass ich in der Regionalliga angefangen habe, weil ich damals noch nicht so weit war.

...seine ersten Bundesliga-Berührungspunkte während seiner Mainzer Zeit, als der aktuelle Wolfsburg-Coach Martin Schmidt erst sein Trainer in der U 23 und dann auch bei den Profis war: Nach meiner ersten Mainzer U-23-Saison 2014/15 durfte ich im Sommer mit ins Trainingslager der Profis. Zum Drittligastart war ich bei der U 23, durfte danach wieder oben mittrainieren, aber in den Kader habe ich es nie geschafft. Ich war noch nicht so weit, es in der 1. Liga direkt zu packen. Also war auch damals der Schritt, bei Sandhausen in der 2. Liga regelmäßig zu spielen statt in der 3. Liga zu spielen und auf Erstligalevel nur zu trainieren, genau der richtige.

SC Freiburg

Kleinfeldturnier im Trainingslager des SC Freiburg. Carsten Schröter

...seine Erwartungen für die Rückrunde: Ich möchte so viel wie möglich lernen. Da gebe ich mir Zeit, ich muss mich an das neue Niveau auch erst gewöhnen. Das wichtigste Ziel ist, dass wir den Klassenerhalt schaffen. Ich versuche, der Mannschaft dabei zu helfen. Wenn der Trainer mich braucht, bin ich da. Ich will natürlich so viel spielen, wie es geht. Wenn das aber am Anfang nicht der Fall ist, bricht für mich auch keine Welt zusammen. Aber als Offensivspieler wird man mal schneller reingeworfen, wenn man zum Beispiel in Rückstand liegt.

...seinen Spielertypus: Trotz meiner Lieblingsnummer 9 sehe ich mich nicht als den klassischen Stürmertypen. Ich fühle mich am wohlsten, wenn wir mit zwei Stürmern spielen und ich die Freiheiten habe, mich auch ins Mittelfeld fallen zu lassen und mir dort die Bälle zu holen. Ich mag es, auf die Abwehr zuzudribbeln. Ich denke, dass ich läuferisch sehr stark bin und der Mannschaft daher gegen den Ball sehr helfen kann. Mein Abschluss ist nicht der schlechteste und mit meiner Schnelligkeit bin ich auch zufrieden, wenngleich ich nicht der Allerschnellste bin. Was mir noch am meisten fehlt, ist die Erfahrung auf diesem Niveau. Auch in Sachen Zweikampfstärke und Abgebrühtheit gegen gute Innenverteidiger kann ich sicher noch dazulernen.

...ein Vorbild in den eigenen Reihen: Von Nils Petersen kann ich richtig viel lernen und mir einiges abschauen. Er ist ein klassischer Mittelstürmer, der schon bei Werder und Bayern gespielt hat und eine gewisse Erfahrung mitbringt. Ich bin froh, so einen Mitspieler in der Mannschaft zu haben.

Die Winterfahrpläne der Bundesligisten