Bundesliga

Gomez: "Ich bin doch nicht komplett wahnsinnig"

Der verlorene Sohn ist zum VfB Stuttgart zurückgekehrt

Gomez: "Ich bin doch nicht komplett wahnsinnig"

Mario Gomez

"Das Paket ist da, um nicht abzusteigen": Mario Gomez. imago

Aus Stuttgarts Trainingslager in La Manga berichtet George Moissidis

Achteinhalb Jahre lang ging er bis 2009 für den VfB Stuttgart in der Bundesliga auf Torejagd, traf in 121 Ligaspielen 63-mal, legte 22-mal für andere auf, wurde u.a. Deutscher Meister und Publikumsliebling. Jetzt ist Mario Gomez zu seinem Jugend- und Herzensklub zurückgekehrt. "Wir haben mit ihm einen absoluten Mentalitätsspieler dazugewonnen", erklärt Michael Reschke. Für den Stuttgarter Sportvorstand haben die Schwaben damit die größte Schwachstelle ihrer Mannschaft behoben. "Wir wissen, wir müssen vorne stärker und torgefährlicher werden, wir müssen unsere Offensivleistung optimieren." Mit der Verpflichtung des verlorenen Sohnes, der 2009 auszog, um über den FC Bayern, AC Florenz, Besiktas Istanbul und den VfL Wolfsburg zurückzukehren, sei der richtige Schritt gelungen. "Mit Mario wird unsere Mannschaft entscheidend besser. Er ist ein Topstürmer, der auch von seinen Willenseigenschaften ein besonderer Spieler ist, und für uns eine ungeheure Bereicherung bedeutet. Er wird dazu beitragen, dass wir die Liga halten. Davon sind wir überzeugt. Wir blicken mit sehr viel Zuversicht und Optimismus den kommenden Monaten entgegen."

"In dieser Mannschaft steckt unheimlich viel drin"

Ein ganzer Lorbeerbaum auf den Schultern des 32-Jährigen, der damit gelassen umgeht. "Ich weiß, dass viel Druck da sein wird. Aber den habe ich seit ich 18 bin", erklärt der Neuzugang, der eigentlich keiner ist. "Ich weiß, dass viele Leute natürlich an früher denken." An seine vielen und teilweise spektakulären Tore. "Aber man kann mich jetzt nicht einfach reinsetzen und es läuft sofort wieder. Da sind neue Mitspieler, da ist eine neue Mannschaft, die gegen den Abstieg spielt." Will heißen: Das braucht Zeit. An der grundsätzlichen Qualität seines neuen Teams hat und lässt er keine Zweifel. "Ich bin ja nicht komplett wahnsinnig", meint Gomez schmunzelnd. "Wenn ich gesehen hätte, die Mannschaft macht keinen Stich in der Liga, hätte ich es nicht gemacht. In dieser Mannschaft steckt unheimlich viel drin. Das Paket ist da, um nicht abzusteigen."

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Mehr ist (bis auf weiteres) auch nicht gefragt. Dem Klassenerhalt für den VfB soll aber noch ein weiteres Highlight folgen. Ein persönliches. Gomez will im Sommer nach Russland. "Schon als ich vor eineinhalb Jahren zum VfL bin, hatte ich das Ziel, mit der Nationalmannschaft zur WM zu fahren." Das Weltturnier, das er 2014 noch verletzt verpasst hatte. Was einen wichtigen Effekt auf den Profi hinterließ. "Gerade 2014, als ich verletzt war und die Jungs bei der WM spielen sah, habe ich gespürt, was mir dieser Sport gibt, was er mir bedeutet. Seit damals weiß ich die Nationalmannschaft wieder zu schätzen. Bis dahin war es eher eine Selbstverständlichkeit. Du fährst da hin und merkst gar nicht, dass da Millionen Menschen sind, die von deiner Rolle träumen. Wenn man nicht dabei ist und das nicht erlebt, dann bekommt man eine ganz andere Beziehung zu seinem Job, zum Spiel."

Auch Löw war nicht in den Wechsel eingeweiht

Seine Entscheidung pro VfB, eröffnete er dem Bundestrainer erst nach der Entscheidung. Er habe von den Gesprächen "nur ganz wenigen Leuten erzählt". Zu denen der Bundestrainer nicht gehörte. "Er war genau so überrascht wie alle", sagt Gomez, der bei Ende seines bis 2020 laufenden Vertrags nicht automatisch die Schuhe an den Nagel hängt. Ein wie auch immer anders gearteter Job im Klub sei bei der aktuellen Konstellation kein Thema gewesen. Es sei also durchaus denkbar noch länger zu spielen. "Ich will noch ein bisschen, ich kann auch noch ein bisschen. Ich sprühe vor Freude und Elan."

Gomez warnt Ginczek - wegen der Rückennummer

Das will er auf dem Rasen beweisen. Mit der ungewohnten 27 statt der 33 auf dem Rücken. Daniel Ginczek behält die 33, auch weil in den Statuten kein Tausch möglich wäre. "Ich habe Ginni schon gesagt dass ich vielleicht ab und zu seine Hose anziehen werde, weil ich seit 12 Jahren immer automatisch nach der 33 greife", erzählt der Nationalspieler schmunzelnd, für den es durchaus ruhmreiche freie Rückennummer gab - die er alle ablehnte. "Die 9 wollte ich nicht, die hatte ich in der Jugend." Und die für Fußballer legendäre 10 kam nicht in Frage. "Ich habe kurz überlegt, musste lachen und habe sie nicht genommen - ich kann mich ganz gut einschätzen." Der kantige Stürmer weiß, was er kann und was nicht. Außerdem "sehe ich mich nicht als Marke", so Gomez. "Ich sehe mich nicht als CR7 oder MG 33. Die Nummer ist nicht entscheidend. Ich habe auch mit der 33 viele schlechte Spiele gemacht." Dann freuen sich die VfB-Fans, wenn er mit der 27 möglichst viele gute absolviert.

Mario Gomez - Die Karriere des Unvollendeten