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WM-Experiment Krstajic: Serbiens Wagnis nach der Posse

Nachfolger von Muslin gefunden

WM-Experiment Krstajic: Serbiens Wagnis nach der Posse

Mladen Krstajic

Wird die Serben bei der WM betreuen: Mladen Krstajic. imago

"Krstajic hat unser Vertrauen und wird die Nationalmannschaft auf jeden Fall bis zum Ende der Weltmeisterschaft führen", sagte FSS-Sportdirektor Goran Bunjevcevic der Nachrichtenagentur "Tanjug". Zu Details wolle man sich erst im neuen Jahr nach den Feiertagen äußern. Es ist das Ende einer Posse, die vor Wochen mit der überraschenden Entlassung von Muslin begonnen hatte.

Wie inzwischen von Verbandspräsident Slavisa Kokeza gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Nedeljnik" bestätigt wurde, waren Muslins Weigerung, talentierte Spieler wie Sergej Milinkovic-Savic (Lazio Rom), Milos Veljkovic (Werder Bremen) oder Nemanja Radonjic (Roter Stern) zumindest festzuspielen. Die Forderung war also, dass die betroffenen Spieler zumindest einen Einsatz in einem Pflichtspiel erhalten sollten, damit sie nicht mehr für einen andere Nationalmannschaft auflaufen können. Muslin ließ sich darauf offenbar nicht ein. "Seine Weigerung war für uns unverständlich und wir konnten das nicht akzeptieren", so Kokeza. Muslin selbst sieht sich hingegen als Opfer von Manager-Intrigen, die ihre Spieler forcieren möchten, um so deren Marktwert in die Höhe zu treiben. Aus diesem Grund habe er der Vertragsauflösung "in beiderseitigem Einverständnis" zugestimmt.

Spielersteckbrief Veljkovic
Veljkovic

Veljkovic Milos

Spielersteckbrief Milinkovic-Savic
Milinkovic-Savic

Milinkovic-Savic Sergej

Spielersteckbrief Radonjic
Radonjic

Radonjic Nemanja

Trainersteckbrief Muslin
Muslin

Muslin Slavoljub

Trainersteckbrief Krstajic
Krstajic

Krstajic Mladen

Weltmeisterschaft - Tabelle - Gruppe E
Pl. Verein Punkte
1
Serbien
3
2
Brasilien
1
Schweiz
1
Weltmeisterschaft - Vorrunde, 1. Spieltag
Serbien - Die letzten Spiele
Ukraine (H)
2
:
2
Luxemburg (H)
3
:
2

Was genau zu Muslins Ende geführt hat, dürfte wohl nie ganz geklärt werden, da jede Seite sich im Recht sieht. Sicher ist aber, dass man in Serbien keinen zweiten Fall Marko Arnautovic wollte. Dieser wollte laut Kokeza einst für Serbien spielen, war allerdings nie nominiert worden und habe sich deshalb gen Österreich umorientiert. Damit dies nicht bei den aktuellen Talenten geschieht, sah sich der Verband zum Handeln gezwungen, zumal Gerüchten zufolge Montenegro bei Milinkovic-Savic bereits angeklopft hatte.

Aus der Interimslösung wird eine Dauerlösung

Über seine Nicht-Berücksichtigung stolperte Slavoljub Muslin: Sergej Milinkovic-Savic.

Über seine Nicht-Berücksichtigung stolperte Slavoljub Muslin: Sergej Milinkovic-Savic. imago

Nach der Entlassung von Muslin war Krstajic, der seit Mai 2016 als Co-Trainer unter Muslin tätig war, als Interimstrainer installiert worden. Der ehemalige Bundesliga-Profi betreute die Serben dann auch im November auf einer Asien-Reise, siegte dabei gegen China (2:0) und spielte gegen Südkorea remis (1:1) - sowohl Milinkovic-Savic als auch Veljkovic und Radonjic kamen dabei zum Einsatz. Krstajic, dem es an Erfahrung im Trainergeschäft mangelt, sollte aber keine Dauerlösung werden. Dragan Stojkovic galt als Wunschkandidat für die Nachfolge, doch er erhielt von seinem aktuellen Klub Guangzhou R&F (China) keine Freigabe.

Die Serben mussten sich nach Alternativen umsehen, trafen aber rasch auf große Probleme. Ein ausländischer Coach sollte nach den schlechten Erfahrungen mit Dick Advocaat nicht verpflichtet werden, während kein einheimischer Trainer von Format verfügbar war. So entschloss man sich beim FSS, das Experiment mit Krstajic einzugehen.

Als Trainer hat Krstajic keinerlei Erfahrung, dafür aber als Profi. Den Großteil seiner Karriere verbrachte der ehemalige Abwehrspieler in der Bundesliga beim SV Werder Bremen, mit dem er 2004 das Double holte, und Schalke 04. Insgesamt bestritt er zwischen 2000 und 2009 243 Bundesligaspiele und erzielte dabei 18 Tore. Für die Nationalmannschaft bestritt er 59 Länderspiele.

In Russland trifft Serbien in Gruppe E auf Brasilien, die Schweiz und Costa Rica.

drm