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Serie A: Das absurde Spiel von Gianluigi Donnarumma und Berater Mino Raiola beim AC Mailand - Trainer Gennaro Gattuso wütet wegen der eigenen Fans

Wirbel bei Milan um 18-jährigen Keeper

Das absurde Spiel von Donnarumma - Gattuso wütet

Zumindest seine Mannschaftskameraden stehen noch hinter ihm: Milan-Keeper Gianluigi Donnarumma (r., mit Kapitän Bonucci).

Zumindest seine Mannschaftskameraden stehen noch hinter ihm: Milan-Keeper Gianluigi Donnarumma (r., mit Kapitän Bonucci). imago

Am vergangenen Wochenende feierte Milan beim 2:1 gegen Bologna den ersten Liga-Heimsieg seit dem 20. September. Jubelstürme kamen ohnehin nicht auf, doch es kam noch dicker für die Rossoneri: Denn die sommerliche Seifenoper rund um Torwart-Juwel Donnarumma fand tatsächlich ihre Fortsetzung.

Per Mail ereilte Milan die Mitteilung, dass der ausgehandelte Kontrakt bis 2021 annulliert werden soll. Absender: Donnarumma und Familie samt Berater Mino Raiola und dessen Anwalt. Der aktuelle Tabellensiebte der Serie A habe nämlich den vereinbarten Zusatz der Ablöseklausel (70 Millionen Euro) nicht bei der Liga deponiert. Und ohnehin: Donnarumma unterzeichnete seinen Vertrag ja unter "psychologischem und moralischem Druck". Sechs Millionen Euro verdient der 18-Jährige übrigens durch das neue Arbeitspapier. Die Frage, warum der Kontrakt nicht ordnungsgemäß bei der Liga hinterlegt wurde, muss sich der Verein aber freilich gefallen lassen.

Fans beschimpfen auch "parasitären Bruder"

Der Unmut der Fans schlug sich dann in der Coppa Italia nieder: Vor dem 3:0 gegen Serie-A-Aufsteiger Hellas Verona am Mittwoch wurde Donnarumma beim Aufwärmen von den eigenen Fans ausgepfiffen. Dazu hielten sie ein Plakat hoch: "Es ist also psychologische Gewalt, sechs Millionen Euro im Jahr zu kassieren und das Gehalt für einen parasitären Bruder zu zahlen? Hau ab, die Geduld ist am Ende!" Zur Erinnerung: Bei der Vertragsunterschrift im Sommer bekam Bruder Antonio (27), ein mittelmäßiger zweiter Ersatzmann, einen Vertrag über eine ordentliche Million "geschenkt".

Ich fühle mich schrecklich wegen dem, was passiert ist.

Milan-Coach Gennaro Gattuso

Im Internet tauchte hernach ein Video auf, auf dem Donnarumma unmittelbar vor dem Hellas-Spiel (und damit nach dem Aufwärmen) in der Kabine mit den Tränen kämpfte - Kapitän Leonardo Bonucci spendete Trost. Nach dem Spiel wütete Coach Gattuso: "Er ist ein Junge von gerade mal 18 Jahren. Ich kann ihn nur bewundern für das, was er tut. Er hat meinen vollen Schutz. Ich fühle mich schrecklich wegen dem, was passiert ist. Die Leute behandeln ihn wie ein Monster. Zum Glück waren nur 9.000 Zuschauer im Stadion, stellt euch vor, es hätten ihn 50.000 beschimpft."

Donnarumma spielt keine herausragende Saison

Eines steht aber auch fest: Seine internationale Klasse muss Donnarumma noch nachweisen, in dieser Saison sind auch seine Leistungen in der Liga bislang keine Offenbarung (21 Gegentore in 16 Spielen). Berater Raiola verfolgt wohl aber eine klare Strategie mit einem seiner jüngeren Schützlinge. Da die Rossoneri ziemlich sicher nicht in der Königsklasse spielen werden, greift Raiola nach einem frei auszuhandelnden Vertrag samt nettem Handgeld. Sollte Milan die Vereinbarung auflösen, wäre der Keeper ablösefrei - ein Berater-Paradies für Bonus-Zahlungen im Falle eines Wechsels.

In Mailand scheint Donnarumma seinen letzten Kredit verspielt zu haben. Auf das Wochenende wird er sich vielleicht schon wieder ein bisschen mehr freuen: Es steht ein Auswärtsspiel bei Hellas an - und viele eigene Fans werden nicht mitkommen.

msc/oli