Bundesliga

Hertha-Coach Pal Dardai lobt Keeper Jonathan Klinsmann: "Note eins"

Hertha: Die Söhne prominenter Väter setzen Duftmarken

Dardai lobt Klinsmann: "Note eins"

Mittelstädt, Dardai und Klinsmann

Gut gemacht: Hertha-Coach Pal Dardai beglückwünscht Maximilian Mittelstädt und Keeper Jonathan Klinsmann. imago

Stammkeeper Rune Jarstein geschont, Ersatzmann Thomas Kraft mit Grippe im Bett: Jonathan Klinsmann (20) bekam die Chance zu seinem Profidebüt und nutzte sie. Er lenkte einen harten Schuss von Sotirios Papagiannopoulos mit den Fingerspitzen über die Latte (31.), entschärfte eine Chance von Dennis Widgren (58.), war beim Gegentor - einem abgefälschten Schuss von Papagiannopoulos - machtlos (58.) und sicherte den Gastgebern schließlich einen Punkt, als er in der Schlussphase einen von Östersund-Kapitän Brwa Nouri getretenen Elfmeter parierte (87.). Der vorausgegangene Pfiff des portugiesischen Schiedsrichters Tiago Martins nach einem Zweikampf zwischen Herthas Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt und Ken Sema war unangebracht. "Aus meiner Sicht war es kein Elfmeter", befand Mittelstädt zu Recht. "Ich habe einfach meinen Körper reingestellt, und er ist unglücklich gefallen." Eher niedergesunken sogar, aber Klinsmann junior war im Anschluss zur Stelle.

Lob von Mittelstädt - und von Dardai

"Er hat toll gehalten", erklärte Mittelstädt erleichtert, Trainer Dardai sagte: "Heute war es Note eins, aber er muss das bestätigen über fünf oder sechs Spiele. Was er im Training anbietet, sieht gut aus. Da hat er sich gesteigert. Und er hat Erfahrung gesammelt in der U23. Aber wir sollten alles so lassen, wie es ist. Wenn die Zeit kommt, können wir über ihn sehr viel reden."

Spielersteckbrief Klinsmann

Klinsmann Jonathan

Trainersteckbrief Dardai

Dardai Pal

Klinsmann: Großer Schritt

An der Rangordnung im Tor wird sich vorläufig nichts ändern, aber Klinsmann setzte ebenso wie der ebenfalls erstmals in einem Pflichtspiel der Profis in der Startelf aufgebotene Rechtsaußen Palko Dardai am Donnerstagabend eine Duftmarke. Jonathan Klinsmann, Sohn des früheren Nationalspielers und Bundestrainers Jürgen Klinsmann, ist angekommen in Berlin und im deutschen Fußball. Im Sommer holte ihn Hertha ablösefrei von der California University of Berkeley, kurze Zeit später reagierte der Körper Klinsmanns auf die ungewohnte Belastung. Blessuren an der Patellasehne und am Sprunggelenk setzten ihn wochenlang außer Gefecht. "Für mich war der Wechsel vom College in die Bundesliga ein großer Schritt", sagte der 20-Jährige nach seiner Profi-Premiere. "Das war physisch und mental eine riesige Umstellung, hier ist ein ganz anderes Niveau." Nicht nur fußballerisch, auch in puncto körperlicher Stabilität und Kraft mussten Torwarttrainer Zsolt Petry und die Fitnesstrainer mit Klinsmann intensiv arbeiten. Gegen Östersund zeigte Klinsmann, der mit seinen Leistungen als Keeper des US-Teams bei der U-20-WM im Mai und Juni in Südkorea Hertha auf sich aufmerksam gemacht hatte, dass sich die Arbeit lohnt.

Spielbericht

Vor dem Spiel machte der Schlussman ein Nickerchen, nach dem Anpfiff war er hellwach und beherzigte den Rat seines prominenten Vaters: "Er hat gesagt, dass ich einfach mein Spiel spielen soll." Jürgen Klinsmann, zuletzt regelmäßig Gast im Berliner Olympiastadion, verfolgte die Feuertaufe seines Sohnes via TV zu Hause in Kalifornien. "Jonathan ist ein junger Spieler und soll weiter arbeiten", beschied Dardai, der gegen den schwedischen Liga-Fünften das jüngste Team seiner Amtszeit (Durchschnittsalter der Startelf: 23 Jahre und 233 Tage) aufs Feld schickte. Neben Klinsmann zählten mit Maximilian Mittelstädt (20), Jordan Torunarigha (20) und Palko Dardai (18) weitere Youngster zur Startformation, in der Schlussphase feierte Mittelfeldspieler Julius Kade (18) sein Europa-League-Debüt. "Die Mannschaft hat in dieser Zusammensetzung noch nie gespielt, trotzdem hatten wir viel Ballbesitz, Automatismen und gute Torchancen", lobte Dardai. "Wir haben sehr gut gespielt. Die jungen Spieler haben es gut gemacht, aber das funktioniert nur, weil sie Musterprofis wie Peter Pekarik, Per Skjelbred oder Vladimir Darida (aktuell verletzt, d. Red.) an ihrer Seite haben und von ihnen lernen können."

Unauffällig: Duda, Haraguchi, Lazaro

Allerdings fiel Dardais Fazit nach dem abschließenden Gruppenspiel im gähnend leeren Olympiastadion zwiespältig aus. Das Lob für die Youngster verband der Coach mit einer Kritik an die Adresse einiger Profis, die zuletzt wenig Spielpraxis bekamen und gegen Östersund ihre Chance nicht nutzten. "Mit allen war ich nicht zufrieden", resümierte der Berliner Trainer. "Es gibt ein paar Spieler, denen ich am Freitag einiges mitteilen muss. Einige Spieler waren nicht ganz fit und haben müde ausgesehen. Deren Körpersprache war nicht gut. Darüber müssen wir reden, das kann nicht sein. Wir brauchen jeden mit richtiger Fitness, nur dann können wir uns in der Bundesliga steigern." Namen nannte der Ungar nicht. Angesprochen fühlen durfte sich in erster Linie Ondrej Duda, der auf der Zehn weitgehend unsichtbar blieb und dem Berliner Offensivspiel kaum Impulse geben konnte. Die Debatte um die Fitness des Slowaken dürfte nach dem Donnerstagabend weiter schwelen. Dardai hatte zuletzt mehrfach angemerkt, Duda habe nur Kraft für eine Stunde. Im kicker (Donnerstag-Ausgabe) hatte Duda gekontert und erklärt: "Ich fühle mich fit genug, um 120 Minuten zu spielen." Doch im 90-minütigen Praxistest fiel er durch. Auch Linksaußen Genki Haraguchi, in der Bundesliga seit seinem Platzverweis gegen Schalke Mitte Oktober ohne Berücksichtigung, war keine Bereicherung und hatte im letzten Drittel kaum klare Aktionen. Ebenfalls eher unauffällig: der auf der Doppel-Sechs aufgebotene Valentino Lazaro.

Ich bin schon lange hier, aber so ein Tor habe ich noch nicht gesehen. Da kriegt man Gänsehaut.

Pal Dardai zum Tor von Peter Pekarik

Dass mit Palko Dardai und Maximilian Mittelstädt zwei junge Spieler das Tor von Peter Pekarik perfekt vorbereiteten, war kein Zufall. "Das Tor war Schach und Matt", sagte Pal Dardai. "Ich bin schon lange hier, aber so ein Tor habe ich noch nicht gesehen. Da kriegt man Gänsehaut." Wie Klinsmann will Coach Dardai auch seinen eigenen Sohn nicht mit zu großen Erwartungen überfrachten: "Palko soll dieses Jahr sein Abitur machen und sich weiterentwickeln." Die langfristige Perspektive passt aus Sicht des Trainers: "Wir haben ein schwieriges Jahr, wie es aussieht. Das müssen wir überleben. Und wenn ich es selbst überlebe, wird es irgendwann ein richtiger Spaß sein mit den Jungs." Dann wird Hertha womöglich eines Tages gereift auf die europäische Bühne zurückkehren. "Trotz der Rotation hat die Mannschaft auch heute wieder funktioniert", sagte Fabian Lustenberger nach Abpfiff des letzten Gruppenspiels. "Das kann man ruhig mal herausstellen. Das war zum Abschluss ein ordentlicher Auftritt, ein gelungener Abend." Dass sich Hertha ab sofort auf die Bundesliga konzentrieren kann, schätzt man in Berlin als Vorteil ein. Dennoch schmerzt der frühe Abtritt von der internationalen Bühne, wie Lustenberger einräumte: "Für uns war in dieser Gruppe definitiv mehr drin, das muss man ganz klar sagen. Aber international läuft es eben noch ein bisschen anders als national. Wir müssen die Effizienz zurückkriegen, die wir die letzten zwei Jahre hatten."

Steffen Rohr/Jan Reinold

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