Tottenhams Mittelfeld-Regisseur vor BVB-Spiel im Fokus

Christian Eriksen: Die Eltern müssen heulen vor Stolz

Strahlemann mit Krone: Christian Eriksen hat sich zum König von Dänemark befördert. imago

"Vielleicht lag es auch daran, dass all die Jungs spanisch sprachen", antwortete Christian Eriksen mal auf die Frage, warum sein Probetraining inklusive Testspiel beim FC Barcelona als 15-Jähriger nicht von Erfolg gekrönt war. Nur dreimal habe er in dem Kick gegen eine katalanische Auswahlmannschaft den Ball berührt und so die Chance verpasst, sich dauerhaft für ein Engagement bei Barça zu empfehlen.

Vorher schon hatte es der junge Däne beim FC Chelsea und dem AC Mailand versucht, doch der Sprung zu Europas Elite-Klubs - das war Milan damals noch - schien ihm zu groß.

Jetzt, 25-jährig, hat sich Eriksens Zurückhaltung als Teenager ausgezeichnet. Über die Ajax-Akademie in Amsterdam war der Mittelfeldmann 2010 zum Profi geworden und drei Jahre später zu Tottenham gewechselt, als auch der BVB auf Spielmacher-Suche war und sich statt Eriksen für Mkhitaryan entschied. Die Spurs hatten zu dem Zeitpunkt gerade Gareth Bale für akzeptables Geld an Real Madrid verkauft und waren unter Trainer André Villas-Boas irgendwie auf Identitätssuche.

Pochettinos neue Spurs - Eriksen als explosiver Gestalter

Das hat bekanntlich nicht geklappt, auch wenn Eriksen mit 28 Scorerpunkten in Saison eins eine ordentliche Duftmarke hinterließ. Mit Mauricio Pochettino hat sich seit 2014 vieles - oder alles? - zum Guten gewendet für Tottenham.

Am Wochenende waren die Spurs beim Lokalrivalen Arsenal zwar unterlegen , doch eine Partie spiegelt ja nicht alles wider. Tottenham treibt den Machtwechsel im Norden Londons stetig voran. Weil Pochettino einen eleganten wie aggressiven Spielstil praktizieren lässt, für den er mit Harry Kane, Dele Alli & Co. genau die richtigen Spieler hat. Und eben Christian Eriksen.

Seine Eltern müssen heute heulen vor Stolz.

Dänermarks Presse über Eriksen nach dem Play-off-Triumph in Irland

Wie sich der Däne zu einem der weltbesten Zehner, oder - wie sein Nationaltrainer Age Hareide befindet - zu einem "der zehn besten Spieler der Welt" entwickelt hat, ist schnell erzählt. Mit dem ohnehin vorhandenen Geschick am Ball gepaart mit Übersicht, einer herausragenden Schusstechnik und einer oft unterschätzten Explosivität beförderte sich Eriksen zuletzt vorbei an Margrethe II. auf Dänemarks Thron - zumindest wenn es nach den ansässigen Gazetten geht, in denen der "König von Dänemark"-Teil der noch am wenigsten ausufernde war.

"Die 12er-Skala ist zu klein für Christian Eriksen", kommentierte das Boulevardblatt "BT", nachdem der Regisseur seine Farben beim Play-off-Rückspiel in Irland (5:1) mit drei Treffern zur WM nach Russland geschossen hatte. Er sei jetzt - nach 15 Toren in den vergangenen 15 Länderspielen - das Oberhaupt des Landes, das seit dem sensationellen EM-Triumph 1992 nicht mehr so euphorisch war. Das war ja sowieso so ein prächtiges Jahr, denn "in Middelfart wurde ein Junge namens Christian geboren. Seine Eltern müssen heute heulen vor Stolz."

Der Junge aus Middelfart und seine Genugtuung

Vor dem Gruppen-Rückspiel bei Borussia Dortmund (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker.de) liegt der Druck keineswegs bei seiner Mannschaft, schließlich haben sich die Spurs durch das 3:1 gegen Real schon für die K.o.-Phase qualifiziert.

"Die Leute sagten, wir würden in der Europa League landen", blickt Eriksen wohltuend zurück. "Wir haben gezeigt, dass wir besser sind und in der Champions League mithalten können." Dieses Zeichen war eigentlich gar nicht nötig, wenn es nach Eriksen geht: "Wir haben schon seit langem ein Signal herausgesendet, dass mit den Spurs zu rechnen ist."

Und Eriksen, ob er jetzt König von Dänemark oder einer der besten Spieler der Welt ist, braucht sowieso niemandem mehr etwas zu beweisen. "Ich bin immer noch Christian aus Middelfart."

mkr