Ehemaliger Bundesligaprofi läuft in der Regionalliga auf

Sanogo: Endstation Altglienicke?

Boubacar Sanogo

Trifft auch viertklassig: Sanogo (l.) veredelte sein Debüt für Altglienicke mit einem Tor. imago

Boubacar Sanogo wurde sofort von seinen Mitspielern umringt. Der prominente Neuzugang des Regionalligisten VSG Altglienicke traf am Samstag gleich in seinem ersten Spiel bei Chemie Leipzig zum 1:1-Endstand. "Es war gut, ich bin zufrieden. Nach dem Spiel waren meine Beine ganz schön schwer. Ich habe ja über zwei Monate nicht gespielt", sagte Sanogo. Zuletzt erlebte er im Frühjahr 2017 bei Madura United in Indonesien ein Pflichtspiel. Seit Juli war er vereinslos. Erst zwei Tage vor seinem Auftritt im Alfred-Kunze-Sportpark war die Spielgenehmigung für den Ivorer eingetroffen. Wochenlang hatten er und sein neuer Verein sich um die Aufenthaltsgenehmigung kümmern müssen. Nebenbei hielt er sich fit im Training der VSG, die ihn ein bisschen versteckte. Sanogo, den es in den letzten Jahren auch nach Indien und in die Vereinigten Arabischen Emirate verschlagen hatte, wurde zudem ein Personal Trainer an die Seite gestellt.

14 Einsätze in der Champions League

Der 34-Jährige wirkt immer noch sportlich und kräftig. Dabei liegen die großen Jahre hinter ihm. Zwischen 2005 und 2009 bestritt er insgesamt 100 Bundesligaspiele (26 Tore) für den 1. FC Kaiserslautern, den Hamburger SV, Werder Bremen und die TSG Hoffenheim. Der 21-fache Nationalspieler der Elfenbeinküste lief für den HSV und Bremen auch 14-mal in der Champions League auf. Wehmütig ist er deshalb aber nicht. "Es war eine schöne Zeit. Ab und zu schaue ich auf meine Ex-Vereine", erklärt Sanogo und ergänzt: "Ich bin nicht traurig, dass ich nicht mehr in der Bundesliga spiele. Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe."

"Der Rasen war nicht so grün wie hier"

Seine letzte Station in Deutschland war zwischen 2012 und 2014 Energie Cottbus. Für die Lausitzer traf Sanogo in 61 Zweitliga-Partien 25-mal. Am 25. November wird Sanogo mit der VSG auf Cottbus treffen. "Es wird ein spezielles Spiel für mich. Ich habe mich bei Energie wohlgefühlt", sagt er. Die Partie gegen Spitzenreiter Cottbus könnte im Jahn-Sportpark vor einer vierstelligen Zuschauerzahl über die Bühne gehen. Sanogo ist aber darauf gefasst, dass das Ausweichstadion der VSG bei anderen Begegnungen nur mit wenigen hundert Zuschauern gefüllt sein wird. "Ich habe trotzdem Lust. Als ich angefangen habe, kamen auch nicht viel mehr Fans", sagt Sanogo und versichert: "Mir reichen ein Rasen und ein Ball. In der Elfenbeinküste war der Rasen nicht so grün wie hier."

Wieder einmal ein Debüt-Treffer

Sowohl für Altglienicke als auch für Sanogo könnte die Zusammenarbeit eine Win-win-Situation ergeben. Der Klub suchte einen Torjäger, Sanogo die Chance, nach Deutschland zurückzukehren, da er hier wieder Fußball spielen wollte. Er bringt zudem Ideen für die Zeit nach seiner Karriere mit, möchte er doch in Deutschland Trainerscheine machen. Davon erfuhren die Macher in Altglienicke. Daniel Böhm findet das Risiko mit Sanogo überschaubar. Der Vertrag gilt vorerst nur bis zum Saisonende. "Die Trainingseinheiten haben gezeigt, dass er eine Riesenqualität hat. Im Sommer wird man sich zusammensetzen. Bislang haben uns unsere älteren Spieler stets weitergeholfen", sagt der Sportchef und verweist auf Kapitän Torsten Mattuschka und Björn Brunnemann (beide 37), die großen Anteil am Aufstieg hatten und immer noch zu den Leistungsträger zählen. Mattuschka lenkte außerdem mediale Aufmerksamkeit auf die VSG.

Mit Sanogos Verpflichtung könnte dem Viertligisten ein weiterer Coup gelungen sein. Als die Nachricht von dem Zugang des Stürmers durchsickerte, stand das Handy von Böhm nicht mehr still. "Das Interesse war fast noch größer als bei Torsten Mattuschka", erzählt Böhm, der neben Hauptsponsor Wetten.TV zu den größten Geldgebern des Vereins gehört. Im VSG-Fanshop ist man auf den Ansturm vorbereitet. Das mit dem Namen von Sanogo beflockte Trikot kann seit dem Wochenende online bestellt werden. Seinem Ruf, in der Regel im ersten Pflichtspiel zu treffen, ist Sanogo auf Anhieb gerecht geworden. Das kann für den Verkauf seiner Trikots nur förderlich sein.

Matthias Koch

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