Bundesliga

Reschkes Vorstoß: Zweitspielrecht für Talente

VfB-Vorstand legt DFL Arbeitspapier vor

Reschkes Vorstoß: Zweitspielrecht für Talente

Michael Reschke

Fordert ein Zweitspielrecht für Talente: Stuttgarts Vorstand Michael Reschke. imago

Der Übergangsbereich in den Profifußball beschäftigt Reschke seit Jahrzehnten. Schließlich war er es, der maßgeblich dafür sorgte, dass Bayer Leverkusen 2014 die zweite Mannschaft abmeldete. Ähnliche Pläne wurden nun in Stuttgart bekannt, wobei der Sportvorstand einschränkt: "Wir haben das definitiv noch nicht final entschieden." Reschke aber plädiert dafür: "Aktuell haben wir in unserer U 23 kaum Spieler mit einer Perspektive für die Bundesliga oder 2. Liga." Diese kicken in der Regionalliga Südwest. "Für die größten Talente im Übergang in den Seniorenbereich, also ab der U 20, sind die zweiten Mannschaften in der Regel einfach keine sinnvolle Entwicklungsstufe mehr." Sportlich zu weit weg ist die vierte Liga von der Beletage, findet der 60-Jährige: "Und jetzt mal ganz ehrlich: Es herrscht doch kaum Ergebnisdruck in diesen Mannschaften. Eines ist zudem gewiss: Die größten Talente, die in den kommenden Jahren aus der U 17 oder U 19 kommen, streben direkt den Sprung zu den Profis an und wollen oftmals, anders als vor 15 Jahren, gar nicht mehr in der zweiten Mannschaft spielen."

Weitere Klubs des Ligaverbands sollen sich äußern

Eine Abmeldung der U 23 kann freilich zu Problemen führen. Spielpraxis im Übergang ist das Stichwort. Woher erfährt der 19- oder 20-Jährige neben den täglichen Trainingseinheiten mit den Profis die Wettkampfhärte, wenn er nicht den direkten Sprung zum Stammspieler schafft? Reschkes Lösung: "Ein zeitlich befristetes Doppelspielrecht kann eine interessante Alternative sein. Wichtig sind dabei klare, verständliche Regularien und eine Beschränkung auf maximal zwei bis drei Spieler pro Klub. Wir haben der DFL-Kommission Fußball ein entsprechendes Arbeitspapier zur Prüfung und zum Gedankenaustausch zukommen lassen." Demnach könnten Talente bis zu einem gewissen Alter relativ kurzfristig bei Zweit- oder Drittligisten ein Zweitspielrecht erhalten und innerhalb bestimmter Fristen zurückbeordert werden, wenn sich etwa ein Engpass auf einer Position ergibt. Das Arbeitspapier erhält konkrete Vorschläge zur Umsetzung sowie einen Fragebogen, um die Präferenzen der anderen 35 Klubs des Ligaverbandes zu erfahren. "In Deutschland wird dieses System im Handball und im Basketball mit Erfolg praktiziert", sagt Reschke.

Bundesliga - 10. Spieltag
Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Bayern München
23
2
Borussia Dortmund
20
3
RB Leipzig
19
VfB Stuttgart - Vereinsdaten

Gründungsdatum

09.09.1893

Vereinsfarben

Weiß-Rot

VfB Stuttgart II - Vereinsdaten

Gründungsdatum

09.09.1893

Vereinsfarben

Weiß-Rot

Der VfB Stuttgart wird sich auch weiterhin mit jedem Perspektivtalent aus dem eigenen Nachwuchs sehr gewissenhaft auseinandersetzen.

Michael Reschke

"In der Vergangenheit wurden solche Themen von DFB-Seite oft mit dem Hinweis, dass sie FIFA-Regularien nicht entsprächen, verworfen", erklärt der Rheinländer und verweist auf Österreich: "Dort ist das im Fußball üblich und erfolgreich. Meines Wissens zählt Österreich zur FIFA. Man hat dort einfach Binnenmarktregularien eingeführt, die speziell der Entwicklung von Nachwuchsspielern dienen." Auch der spanische Verband erlaubt in Ausnahmefällen vergleichbare Maßnahmen. So wechselte erst am Montag Enes Ünal leihweise vom FC Villarreal zu UD Levante, um dort die verletzungsbedingt dezimierte Offensive zu verstärken.

Reschke sieht eine "interessante Situation" im württembergischen Raum

Die Entwicklung der Talente, gerade im Übergang, sei für den VfB von größter Bedeutung, betont Reschke: "Der VfB Stuttgart - und da kann sich jeder sicher sein - wird sich auch weiterhin mit jedem Perspektivtalent aus dem eigenen Nachwuchs sehr gewissenhaft auseinandersetzen und diese Jungs optimal begleiten. Die größten Talente sind Juwelen für den VfB." Die künftig temporär anderswo reifen könnten: "Wir haben im württembergischen Raum eine sehr interessante Situation mit vielen gut geführten Klubs. Wenn ich beispielsweise den 1. FC Heidenheim und Sonnenhof Großaspach sehe, dann sind dies zwei Vereine, die strategisch, sportlich und von der Führung her hervorragend arbeiten."

Proteste der Stuttgarter Fans

Stuttgarter Fans protestieren: "VfB II als Bindeglied zwischen Jugend und Profis bewahren!" imago

Das System U 23 jedenfalls sieht der Neu-Stuttgarter als nicht mehr zeitgemäß an. Exemplarisch führt er die Entwicklungen des Sommers an. Da holte die deutsche Nationalmannschaft mit zahlreichen Kräften, die noch hätten U 21 spielen dürfen, den Confed Cup (Werner, Kimmich, Brandt, Süle, Goretzka, Henrichs) - parallel wurde die U 21 Europameister. "All diese Jungs sind Bundesligastammspieler. Und es gibt noch weitere U-21-Bundesliga-Stammspieler, die für beide Turniere nicht nominiert worden sind oder verletzungsbedingt ausfielen. Daran sieht man doch deutlich, wie die Zeiten sich geändert haben und dass die Toptalente viel früher reif sind für ganz oben", findet Reschke und sieht sich im Konsens mit dem Bundestrainer: "Jogi Löw nahm kürzlich in einem Interview Bezug auf seine Anfangszeit beim DFB. Er erinnerte daran, dass in der damaligen U 21 kein Spieler aktiv war, der in der Bundesliga Stammspieler war." Das habe sich nun ins Gegenteil verkehrt. Aus Reschkes Sicht muss man daher offen sein für neue Entwicklungen: "Aber selbstverständlich hat jeder Klub da seine eigene Denkweise."

Reschke denkt an duale Ausbildung von Spielern

In Reschkes Augen erhalten zweite Mannschaften von Bundes- oder Zweitligisten zudem den Traum auf Profifußball häufig künstlich am Leben: "Viele Spieler aus zweiten Mannschaften haben keine echte Chance auf eine Karriere in der Bundesliga oder 2. Liga. Sie träumen zwar davon und werden recht gut bezahlt, aber leben doch irgendwie in einer Pseudo-Profiwelt. Die meisten wären gut beraten, sich einem Dritt- oder Viertligisten anzuschließen und sich neben dem Fußball zumindest dual ausbilden zu lassen oder sogar die berufliche Ausbildung in den Vordergrund zu stellen." Zahlreiche frühere Zweitmannschaftsspieler hätten sich in den vergangenen Jahren bei ihm gemeldet. Mit Ende 20 oder Anfang 30 wurde der Vertrag nicht mehr verlängert. Zack. Aus der Traum. "Die haben jahrelang nur auf Fußball gesetzt, aber logischerweise bei weitem nicht ausgesorgt. Dann stehen sie vor einer beruflich extrem schwierigen Ausgangslage", schildert Reschke. Auch diese Problematik müsse berücksichtigt werden.

Benni Hofmann

Die Verträge der Trainer