Videobeweis-Unterbrechung? Das passiert auf dem Platz

Augenzeuge Aogo: "Da ist nur wirres Gerede"

Dennis Aogo (l.) und andere Spieler diskutieren beim VfB-Heimspiel gegen Köln mit Referee Cortus

Lange Diskussionen im Spiel gegen Köln - Dennis Aogo (l.) fordert Verbesserungen beim Videobeweis. imago

So einfach ist das. "Das sind die Spiele, die dafür sorgen, dass man den Fußball liebt", sagt Dennis Aogo, der den Tanz zwischen den Extremen so beschreibt: "Mal ist alles gut, dann ist alles schlecht, dann wieder gut. Diese emotionale Achterbahnfahrt ist geil - wenn man hinten raus gewinnt." Wie der VfB Stuttgart beim 2:1 gegen den 1. FC Köln : dank der Anwendung des Videobeweises, den der Verteidiger trotzdem als zu lange Unterbrechung beklagt.

Die Spannung war bis unters Stadiondach zu spüren. Egal, ob die Anhänger dem VfB oder Köln die Daumen drückten. Die Schlussminuten in der Mercedes-Benz-Arena waren nichts für schwache Nerven. Benjamin Cortus hatte erst auf Elfmeter entschieden und anschließend den Videobeweis zu Hilfe gerufen. Knappe vier Minuten lang standen die Fans auf den Rängen und die Mannschaften unter Strom. Es wurde diskutiert und gestikuliert: Kölner mit Kölnern, Kölner mit Stuttgartern, umgekehrt und gefühlt alle mit dem Unparteiischen, der Mühe hatte, die Drängler um sich herum auf Distanz zu halten. Dennis Aogo war mittendrin, auch weil er ein Hauptdarsteller der Szene war: Sehrou Guirassy will den Ball abdecken, der Stuttgarter diesen erobern, beide rasseln ineinander, gehen zu Boden und das Theater los.

Bundesliga - 8. Spieltag
8. Spieltag
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Das ist fernab jeder Fachlichkeit. Da geht es nur darum, den Schiri irgendwie zu beeinflussen.

Dennis Aogo

"Die Abwicklung des Videobeweises ist nicht zufriedenstellend", meint Aogo. "Das dauert zu lange." Was vor allem zu Ungunsten des Unparteiischen geht. "Man bringt alle gegen sich auf, die Spieler sind am Diskutieren, die Fans werden unruhig. Hier muss man langfristig eine andere Lösung finden."

Was in diesen Momenten des Durcheinanders den Beteiligten über die Lippen geht, sei zweitrangig. "Da ist nur wirres Gerede. Man versucht, den Schiri dazu zu bewegen, dass er keinen Quatsch macht." Nämlich gegen die eigene Mannschaft zu entscheiden. "Das ist fernab jeder Fachlichkeit. Da geht es nur darum, ihn irgendwie zu beeinflussen", gibt der 30-Jährige zu, der mit Cortus und Co. mitfühlt. "Das ist auch für den Schiri keine angenehme Situation." Trotzdem habe er für diese Problematik "keine Lösung parat. Aber man muss insgesamt etwas machen".

"Wir müssen uns nicht entschuldigen"

Diesmal entschied der Schiedsrichter gegen seinen ersten Pfiff, gegen die Kölner und für die Gastgeber. "Natürlich ist es bitter für Köln, am Ende noch so zu verlieren", sagt Aogo. "Wir müssen uns aber nicht entschuldigen. Wir mussten in Frankfurt am eigenen Leib erfahren, wie es ist, kurz vor Schluss so zu verlieren. Diesmal waren wir der glückliche Sieger." Der mit dem dritten Sieg im vierten Heimspiel als Motivationshilfe und mit gestärktem Selbstvertrauen in die nächste Partie geht - wo der Aufsteiger endlich auswärts punkten will.

"Vor dem schweren Auswärtsspiel in Leipzig war es unglaublich wichtig zu gewinnen", meint Aogo, der sich und den Seinen Mut zuspricht. "Es ist möglich, dort zu punkten." Das würde auch ohne entsprechende Aufregung Aogos Liebe zum Spiel sicher nicht schaden.

George Moissidis