Juventus Turin: Higuain befreit sich in der Champions League

Allegri: "Fußball ist ein einfaches Spiel"

Gonzalo Higuain

Zurück auf der Erfolgsspur? Gonzalo Higuain jubelte ausgelassen nach seinem Tor in der Königsklasse - und das vor allem mit den Fans. imago

Der Jubel fiel extrem ausgelassen aus - die vom Herzen abfallenden Steine waren förmlich zu hören: Als Gonzalo Higuain am Mittwochabend beim 2:0 gegen Olympiakos Piräus in der 69. Minute das 1:0 markierte, sprintete "El Pipita" in Richtung der heimischen Fans, schrie seine Freude raus und klopfte sich beherzt auf die Brust sowie aufs Juve-Vereinslogo.

Geht man ein paar Tage zurück, lässt sich schnell erklären, warum Higuain so ausgelassen jubelte: Der Argentinier saß beim 4:0 im Derby della Mole gegen Torino erstmals in dieser Saison in der Liga auf der Bank - weil er eine Ladehemmung hat. Nur zwei Tore stehen bislang zu Buche.

Spielersteckbrief Buffon

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Spielersteckbrief Barzagli

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Spielersteckbrief Higuain

Higuain Gonzalo

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Die nächste Konsequenz: Higuain saß auch in der Königsklasse zunächst auf der Bank - das zweite Mal in Folge und das erste Mal seit 2013 (Real Madrid vs. Galatasary), dass er von dort erst in ein CL-Spiel eingriff. "Es gibt Momente, da läuft es besser als in anderen Momenten", hatte im Vorfeld bereits Coach Allegri gegenüber "Mediaset Premium" kundgetan. "Jeder bekommt mal seine Auszeit, sonst können wir unser Niveau nicht konstant halten." Er verwies damit auf die 57 Pflichtspiele, die die Alte Dame in der vergangenen Saison hatte absolvieren müssen - und erklärte die Nicht-Berücksichtigung Higuains für die Startelf als Teil einer normalen Rotation: "Higuain ist aktuell nicht in bester Form, deshalb ist es nur richtig, dass er sich ausruhen und erholen darf, während andere Spieler ihre Chance bekommen."

Buffon: "Ich danke ihm sehr, wir brauchen ihn"

Gesagt, getan, eingewechselt und getroffen hieß es schließlich am späten Mittwochabend kurz nach dem Treffer des 29-jährigen Torjägers (vom Dienst). "Die Fans haben mir einen unglaublichen Schub verliehen", bedankte sich Higuain (26 Ligatore in 44 Spielen für Juve) hinterher bei den Anhängern. Er habe sich zwei "immer befreit gefühlt und ohne Last auf den Schulter", dennoch sei das Tor und die anschließenden Feierlichkeiten mit den Fans "einer der besten Momente meiner Karriere" gewesen. "Die Anhänger haben mich richtig motiviert, dafür möchte ich ihnen allen danken."

Den Treffer "widme ich allen, die immer an meiner Seite gestanden haben - meiner Familie und meinen Freunden. Fußball ist so ein schnelllebiges Geschäft, Dinge wandeln sich so schnell von gut in schlecht und wieder zurück."

Seine Kollegen feierten den Angreifer ebenfalls ausgiebig. "Die Leute werden sagen, dass es der Erfolg der Mannschaft und von Allegri war, aber für mich war Gonzalo der entscheidende Mann", sagte Buffon. "Ich danke ihm sehr, wir brauchen ihn." Abwehr-Ass Andrea Barzagli ergänzte: "Ich hoffe, dass das die Blockade bei Gonzalo löst. Er war sauer, weil er nicht getroffen hatte, wie er das von sich erwartet, aber er war heute sehr engagiert und entscheidend für uns."

Naturtalent Allegri

Massimiliano Allegri

Hält nichts von überzogener Fußball-Philosophie: Juve-Coach Massimiliano Allegri. imago

Derweil hat sich Allegri gegenüber "GQ Italia" zu seiner Einstellung zum Fußball im Allgemeinen geäußert und unter anderem gesagt: "Ich bin niemand, der 24 Stunden damit zubringt, mir Gedanken über diesen Sport zu machen. Ich brauche auch nicht stundenlang Videos über Videos gucken, ich sehe mir nur das an, was ich brauche - und nach einer Viertelstunde weiß ich das, was ich wissen will."

Allegri, ein Naturtalent auf der Trainerbank? So scheint es - und so sieht es der 50-Jährige auch selbst. Vier italienische Meisterschaften (eine mit Milan), drei Pokalsiege und zwei Champions-League-Finalteilnahmen bekräftigen ihn dabei: "Ich habe schon immer gesagt, dass es zwei Sorten von Trainern gibt, trainierte und naturtalentierte. Ich bin eines dieser Naturtalente." Sein Schlusswort: "Fußball ist einfach, so einfach ist das. Du musst auf dem Feld lediglich das Gegenteil deines Gegners tun. Wenn er nach vorne marschiert, ziehst du dich zurück. Viele Leute da draußen wollen den Fußball komplizierter machen, als er ist." Am Ende komme es sowieso hauptsächlich auf den Kopf an, "80 Prozent" der Leistung eines Spielers werde von dort gesteuert und beeinflusst.

mag

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