Unterschiedliche Versionen zur Roten Karte des Bosniers

Ibisevics Platzverweis: Missverständnis mit Stieler?

Tobias Stieler (li.), Vedas Ibisevic

Zwei Männer, zwei Versionen: Tobias Stieler (links) und Vedad Ibisevic widersprechen sich. picure alliance

Es lief die 90. Spielminute: Ein Mainzer Verteidiger lag am Boden, die Partie war unterbrochen. Ibisevic, der sich kurz zuvor im Zweikampf eine Schnittwunde im Gesicht zugezogen hatte, redete auf Schiedsrichter Stieler ein. Daraufhin zückte der Unparteiische glatt Rot für den Angreifer - warum, wusste zunächst keiner so recht. Die Hertha musste die Schlussminuten jedenfalls in Unterzahl bestreiten und konnte am 0:1 schließlich nichts mehr ändern.

Doch was war zwischen Ibisevic und Stieler passiert? Der Bosnier erklärte nach Spielende, der Referee habe ihn wegen seiner Wunde aufgefordert, sich außerhalb des Feldes behandeln zu lassen. Der Angreifer wollte jedoch nicht. "Ich wollte weitermachen, weil nur noch ein paar Minuten zu spielen waren", so der Hertha-Kapitän. Der Schiedsrichter beharrte allerdings auf seiner Anweisung. "Daraufhin habe ich gesagt: 'Das ist schlecht, ich will nicht runter'", so Ibesevic. Anschließend musste der Stürmer mit glatt Rot vom Feld. Der Grund dafür: Schiedsrichterbeleidigung.

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Es war eine Schiedsrichter-Beleidigung, die habe ich ganz klar wahrgenommen.

Schiedsrichter Tobias Stieler über Ibisevics Platzverweis

Spielbericht

"Er hat verstanden: 'Du bist scheiße.' Das hat er mir danach auch gesagt, aber das stimmt nicht", beschwerte sich der Angreifer. Eine Darstellung, der Stieler entschieden widersprach: "Es war eine Schiedsrichter-Beleidigung, die habe ich ganz klar wahrgenommen, dementsprechend die Rote Karte - ich weiß, was ich gehört habe." Der Unparteiische gab zu Protokoll, seine Version des Gesprächs im Bericht festzuhalten. "Dann müssen andere darüber urteilen", so der Referee.

Ibisevic: "Jetzt könnt ihr Lippenleser holen und die Wahrheit rauskriegen"

Ibisevic hofft, dass Lippenleser möglicherweise seine Auffassung unterstützen. "Immer wenn man etwas Schlechtes sagt, gibt es Lippenleser - heute habe ich aber nichts Schlechtes gesagt", so der Angreifer. Der 33-Jährige sah sich zu Unrecht in die Rolle des Schuldigen gedrängt. "So wie ich das Geschäft kenne, bin ich wieder das Opfer und die Schiedsrichter haben Recht", so der Stürmer, der auf seine Darstellung der Dinge beharrte. "Es gibt zwei Varianten - jetzt könnt ihr Lippenleser holen und die Wahrheit rauskriegen."

Stieler erklärt Entscheidung zum Strafstoß

Der Platzverweis war nicht der einzige Aufreger der Partie. Das Tor des Tages hatte Pablo De Blasis per Strafstoß erzielt (54.), Stieler hatte die Szene vor dem Foulelfmeter jedoch zunächst weiterlaufen lassen. Wie der 36-Jährige nach Spielende verriet, hatte er im Zweikampf zwischen Berlins Karim Rekik und dem Mainzer Yoshinori Muto "nur auf die Füße geschaut. Der Spieler kam zu Fall, aus meiner Sicht lag jedoch kein Foulspiel vor", so der Referee. Anschließend wurde er vom Video-Schiedsrichter in Köln, Benjamin Cortus, allerdings gefragt, ob er das Stoßen des Herthaner Verteidigers gesehen hätte.

Es war ein gegnerorientiertes Stoßen, deswegen habe ich Strafstoß gegeben.

Schiedsrichter Tobias Stieler zum Zweikampf vor dem Elfmeter

Daraufhin sah sich Stieler die Szene in der sogenannten "Review Area" noch einmal an. "Die Bilder sind klar: Es war ein gegnerorientiertes Stoßen, deswegen habe ich Strafstoß gegeben", erklärte der Unparteiische. Der Schiedsrichter hält die Möglichkeit, dass sich der Hauptschiedsrichter eine knifflige Szene noch einmal selbst auf dem TV-Bildschirm ansehen kann, für "einen guten Weg, um das Ganze ein bisschen transparenter zu machen. Deswegen wird diese 'Review Area' in Zukunft wohl mehr eingebunden."

jly