Hertha: Erster 90-Minuten-Auftritt des Slowaken

Duda: Mit Verspätung angekommen

Durchgebissen: Herthas Ondrej Duda.

Durchgebissen: Herthas Ondrej Duda. imago

"Ondrej hat gezeigt, dass er ein feiner Fußballer ist", befand Manager Michael Preetz. "Er hat sich gut zwischen den Linien bewegt und kann die besonderen Pässe in die Schnittstellen spielen. Für ihn war es nicht leicht, nach einem langen Anlauf aus dem Stand 90 Minuten zu spielen. Das war eine sehr, sehr positive Leistung." Der slowakische Nationalspieler war vor Jahresfrist Herthas Königstransfer, vier Millionen Euro Ablöse - gestückelt in drei Raten - überwies Hertha an Legia Warschau, wo der Offensivallrounder vier Titel (zweimal polnischer Meister, zweimal Pokalsieger) gesammelt hatte und zwischenzeitlich beinahe bei Inter Mailand gelandet wäre.

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Doch das erste Jahr in der Bundesliga geriet zum Albtraum für den EM-Teilnehmer von 2016: Wegen eines Knochenmarködems im Knie und eines Muskelfaserrisses im Frühjahr kam der als Zehner eingeplante Duda 2016/17 auf kümmerliche zwei Einwechslungen in der Bundesliga. Im Sommer sagte Preetz: "Ondrej ist praktisch ein Neuzugang für uns." Die Vorbereitung auf diese Saison bestritt er komplett, jetzt wird Duda - 14 Monate nach seinem Wechsel - endlich ein Faktor. "Körperlich fühle ich mich fit", sagte der Slowake nach dem anfangs schleppenden, aber später verheißungsvollen Europa-League-Auftakt gegen den spanischen Vorjahres-Siebten Athletic Bilbao am Donnerstagabend. "Ich brauche diese Spiele in der Europa League und in der Bundesliga." Auf seine Topform hofft er, "wenn ich mehr Spiele gemacht habe". Trainer Pal Dardai wird das Pensum für den 22-Jährigen dosieren: "Wir müssen aufpassen, dass keine Muskelverletzungen passieren. Ich hoffe, dass Ondrej gesund bleibt. Mit ihm sind wir variabler."

Der letzte Pass muss kommen, damit wir knipsen können - das ist bei uns seit zweieinhalb Jahren das Schlüsselwort.

Trainer Pal Dardai

Erstmals in seiner Berliner Zeit gab Duda (Vertrag bis 2021) am Donnerstag eine wirkliche Kostprobe seines Repertoires. Er verbindet eine feine Technik mit viel Übersicht und einem Gespür für Räume, auch wenn er noch immer in manchen Momenten den Ball zu lange führt. "Die ersten Minuten waren etwas schwierig", erklärte der Mann, der bei Legia zeitweise auf dem Flügel gespielt hat und für die slowakische Nationalmannschaft während der EM 2016 auch im Sturmzentrum agierte. "Danach war es okay."

Das galt für ihn persönlich, das galt fürs ganze Team, das nach 20 Minuten gegen die bis dahin überlegenen, spielstarken Basken die Hemmungen abstreifte. "Anfangs hatten wir zu viel Respekt", bilanzierte Coach Dardai. "Ende der ersten Halbzeit haben wir das Spiel dann kontrolliert und in der zweiten Halbzeit dominiert. Aber der letzte Pass muss kommen, damit wir knipsen können - das ist bei uns seit zweieinhalb Jahren das Schlüsselwort." Der Ungar, mit 42 Europacup-Einsätzen als Profi auch international Herthas Rekordspieler, klang in seinem Fazit dennoch überwiegend zufrieden: "Ich bin einen Tick enttäuscht, weil die zweite Halbzeit so war, dass wir das Spiel gewinnen konnten - aber vor allem bin ich stolz auf die Mannschaft." Auch Manager Preetz nahm "ein gutes Gefühl mit nach Hause", trotz der Nullnummer war das Comeback in der Gruppenphase der Europa League nach acht Jahren Abstinenz geglückt: "Der Trainer hat fünf neue Spieler gebracht und gesehen, dass er auf den gesamten Kader zurückgreifen kann."

Kraft bringt sich in Stellung

In der Tat: Trotz der Rotation lief Herthas Spiel nach 20-minütiger Eingewöhnung rund. Die zweite Halbzeit war Herthas bisher beste in dieser Saison. Die im Vergleich zum Bremen-Spiel (1:1) vier Tage zuvor neu aufgebotenen Thomas Kraft, der sich schon in der 2. Minute gegen Aritz Aduriz hellwach zeigte, Peter Pekarik, Fabian Lustenberger, Salomon Kalou und eben Duda lieferten wie gewünscht ab. Torwarttrainer Zsolt Petry, der wegen der Mehrfachbelastung fürs Tor das Job-Sharing-Modell entworfen hatte, lobte Rune Jarsteins Vertreter Kraft nach dem Abpfiff: "Thomas hat seine Chance genutzt und gezeigt, dass er eine Alternative ist, wenn mit Rune mal etwas ist."

Duda macht's Dardai schwer

Gegen Hoffenheim am Sonntag wird Dardai einige Profis, die gegen Bilbao pausierten, wieder in die Startelf zurückrotieren. "Das ist ein Auswärtsspiel und ein anderer Gegner", kündigte Dardai an. "Da werden wir taktisch anders auftreten und auch personell etwas verändern. Aber die, die gegen Bilbao gespielt haben, haben das sehr gut gemacht. Das wird schwierig für den Trainer." Nach Lage der Dinge dürften neben Keeper Jarstein Per Skjelbred, Niklas Stark und Mathew Leckie in Sinsheim wieder erste Wahl sein. Duda, den Dardai physisch nicht auslaugen will, könnte zunächst auf der Bank sitzen. Mit der Leistung vom Donnerstag hat er sich freilich für mehr empfohlen - und ist mit Verspätung angekommen in Berlin. Dardai ist froh darüber: "Man sieht, dass wir Ondrej nicht umsonst geholt, sondern gut hingeschaut haben bei ihm. Genau diese Pässe, genau diese Spielweise - das hat uns hier bisher gefehlt."

Steffen Rohr

kicker.tv Hintergrund

"Angekommen" - Hertha startet mit einer Nullnummer

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