Bundesliga

Skjelbred: "Das ging Bumm-Bumm-Bumm"

Hertha: Berlins Norweger im Interview

Skjelbred: "Das ging Bumm-Bumm-Bumm"

Per Skjelbred (re.) mit Rune Jarstein

"Rune ist ein cooler Typ mit sehr viel Erfahrung": Per Skjelbred (re.) über Rune Jarstein. picture alliance

kicker: Herr Skjelbred, Sie waren bis Februar Kapitän der Mannschaft, die am Montagabend beim 0:6 von Deutschland in der WM-Qualifikation regelrecht vorgeführt wurde. Ab wann tat das Zuschauen zu Hause auf der Couch weh?

Skjelbred: Die Jungs wollten, ich habe vor dem Spiel mit ein paar von ihnen noch telefoniert. Aber auf dem Platz ging nichts zusammen. Wenn du nach 20 Minuten 0:3 hinten liegst, dann ist es gegen Deutschland vorbei. Das ist die beste Mannschaft der Welt. Und wir sind nur Norwegen. Trotzdem darfst du nicht mit so viel Respekt rangehen.

Spielersteckbrief Skjelbred

Skjelbred Per Ciljan

kicker: Norwegen wirkte von Anfang an gehemmt, fast ängstlich. Das ist sonst gar nicht die Mentalität des Teams.

Skjelbred: Wir waren zu ängstlich. Das ging Bumm-Bumm-Bumm – und du kriegst keine Luft und keinen Ball. Nach dem zweiten, spätestens nach dem dritten Gegentor war kein Selbstvertrauen mehr da. Dann gehst du lieber zehn Meter zurück als zehn Meter vor. Wir standen viel zu tief, aber das wissen die Jungs selbst. Vor dem Spiel hat uns niemand in Stuttgart etwas zugetraut. So lief das Spiel dann leider auch. Aber es waren nur drei Punkte, es war nur ein Spiel. Und es war der Weltmeister gegen Norwegen. Wir sind ein kleines Land mit fünf Millionen Einwohnern, aber ich bleibe dabei, dass wir ein Team mit Perspektive haben. Auch die U 21 macht es gut im Moment. Es entsteht langsam etwas, aber es geht nicht ohne Rückschläge. Einer wie Joshua King (vom AFC Bournemouth, d. Red.) kann auf Top-Level mithalten, das zeigt er jede Woche in England. Andere bei uns können es auch, aber das war natürlich ein Spiel zum Vergessen. Das Ticket für die WM in Russland haben wir nicht in Stuttgart, sondern vorher verspielt.

Spielbericht

kicker: Unter dem neuen Trainer Lars Lagerbäck machte sich anfangs etwas Aufbruchstimmung breit. Ist die jetzt kaputt?

Skjelbred: Nein. Er bleibt ein sehr, sehr guter Trainer – mit einer Mannschaft, die noch ein bisschen was lernen muss.

Lagerbäck klopfte an und Skjelbred lehnte (vorerst) ab

kicker: Hat Lagerbäck versucht, Sie zu einem Comeback zu überreden?

Skjelbred: Ja, das hat er. Und ich muss zugeben: Ich habe wirklich überlegt – aber mich dann doch dagegen entschieden. Klar, ich vermisse die Jungs. Aber im Moment steht Hertha im Mittelpunkt und die Familie.

kicker: Kann es später ein Comeback geben?

Skjelbred: Vielleicht, ja. Das hängt von vielem ab. Wie bin ich körperlich drauf? Wie ist die Situation in der Nationalmannschaft? Wie ist meine im Verein? Ich wollte im Februar wie auch Alexander Tettey Platz machen für die jungen Spieler. Im Moment fühle ich mich gut mit dieser Entscheidung, aber wer weiß, was kommt.

kicker: Tat Ihnen Ihr Klubkollege Rune Jarstein am Montag leid?

Skjelbred: Wenn solche Top-Spieler zentral so frei abschließen können wie die Deutschen, bist du als Torwart machtlos. Er hat ein paar Bälle noch gut gehalten, die Deutschen hätte auch noch drei, vier Tore mehr schießen können. Für einen Torwart ist so ein Spiel immer besonders bitter.

kicker: Bekommt er das 0:6 bis zum Hertha-Spiel gegen Bremen am Sonntag aus dem Kopf?

Skjelbred: Ich gehe fest davon aus, dass ihm das keinen Knacks gibt. Rune ist ein cooler Typ mit sehr viel Erfahrung. Und er war bester Norweger. Wir wissen, dass wir als Team auch gegen Bremen das Maximum erreichen müssen, um zu gewinnen. Wir spielen zu Hause, das gibt uns immer ein gutes Gefühl. Dazu wissen wir, dass wir im Tor jemanden haben, auf den wir uns zu 100 Prozent verlassen können. Und ich gehe davon aus, dass der Tag mit der meisten Arbeit in dieser Woche schon hinter Rune liegt (schmunzelt).

Interview: Steffen Rohr