Nationalelf

"Wer den DFB angreift, greift die Nationalelf an"

Bierhoff äußert sich zur aktuellen Diskussion

"Wer den DFB angreift, greift die Nationalelf an"

Oliver Bierhoff

Führt Italien als warnendes Beispiel an: Oliver Bierhoff. picture alliace

Die aktuellen Diskussionen rund um den Fußball verfolgt Bierhoff nach eigenem Bekenntnis "mit Sorgen". Vor allem jüngsten Protestaktionen der Ultraszene, die sich unter anderem gegen Kollektivstrafen und die zunehmende Vermarktung des Fußballs richtete, sieht er kritisch. Plakate mit "Scheiß DFB" gehörten dabei noch zur freundlicheren Variante.

"Wenn jemand den DFB angreift, greift er die Nationalelf an, denn die Nationalmannschaft ist auch DFB", sagte Bierhoff auf der Pressekonferenz am Mittwoch. "Dieser Verband macht unglaublich viel Tolles. Er hat aber natürlich auch Aufgaben, die nicht immer so angenehm sind. Beispielsweise die Sportgerichtsbarkeit, dafür muss man auch sorgen, dass Ordnung herrscht."

Eine Ordnung, die vielen Anhängern nicht gefällt. "Man muss natürlich auch aufpassen, wer diese Fans sind", erklärt Bierhoff und fragt: "Wie viele sind diese kleine Gruppe im Stadion letztlich?" Er hoffe, dass man zueinander findet und "die Schönheit des Spiels nach vorne bringt und alle Menschen auch gerne ins Stadion kommen".

Bierhoff warnt und nennt Italien als Beispiel

Aus eigener Erfahrung weiß er zu berichten, dass eine falsche Entwicklung auch schnell leere Stadien nach sich ziehen könnte und berichtet aus Italien, wo er in den 90er Jahren mehr als ein Jahrzehnt gekickt hat. "Ich hatte in Italien ja auch mit sehr starken Fangruppierungen zu tun. Das hat am Ende dazu geführt, dass die Stadien halb leer werden, weil viele Menschen auch mit ihren Familien nicht mehr ins Stadion gehen, wenn zu viel Gewalt da ist." Bis heute sind die Stadien oftmals leer, allerdings sind etliche Arenen veraltet und können mit den modernen Stadien in Deutschland nicht mithalten.

Dem jüngsten Angebot auf einen Dialog mit den Ultras von DFB-Präsident Reinhard Grindel sieht Bierhoff positiv. "Wir stehen als Nationalmannschaft voll hinter den Aktivitäten des Präsidenten, dort für Ruhe zu sorgen." Generell müsse man natürlich all diese Entwicklungen ernst nehmen und beobachten.

Neymar-Transfer bringt frisches Geld nach Deutschland

Dem Megatransfer mit Neymar sieht er als studierter Betriebswirt nicht nur negativ. "Da kommen gerade 150 Millionen Euro in den deutschen Markt. Eigentlich wird uns aus anderen Ländern Geld gebracht, das wir wieder hier ins System einspielen können." Kritischer sieht er das Verhalten der Spieler, die zuletzt zahlreich in den Streik getreten waren, um ihren Willen durchzusetzen. "Mir persönlich macht das Verhalten vieler Akteure Sorgen. Da müssen wir als Fußballverantwortliche versuchen, Lösungen zu finden, dass man das in Zukunft besser regelt. Hohe Summen und spektakuläre Transfers wird es aber immer geben."

tru