La-Liga-Vorschau: Schafft der Klub einen neuen Mythos?

Atletico im kicker-Check: Ein Sommer voller Einschnitte

Wanda Metropolitano

Aufnahme vom 12. August: das Wanda Metropolitano im Osten Madrids. twitter/metropolitano

55.000 Dauerkarten verkauft: Fans nehmen das Metropolitano an

Der größte Einschnitt für Atletico ist der Wechsel ins neue Stadion (auch das Trikot mit zusätzlich diagonalen Streifen aka "Bärenkratzer" sowie das Logo wurden verändert - beides kritisch registriert vom Anhang). Raus aus dem traditionsreichen und stimmungsvollen Vicente Calderón , weg vom Manzañares-Fluss und der Stadtautobahn, die unter der Haupttribüne hindurchführte. Vom Süden geht es Luftlinie gut zehn Kilometer nach Osten in den Stadtteil San Blas an die Plaza de Grecia. Näher an den Flughafen Barajas ran, vielleicht auch ein Symbol für die internationalen Ambitionen der Colchoneros.

Die Kapazität der von einer Leichtathletik-Sportstätte in ein Fußballstadion umgebauten Arena wächst um rund 15.000 Plätze und verbessert mit Sicherheit die wirtschaftliche Lage Atleticos deutlich. Und die Fans nehmen das "Wanda Metropolitano" getaufte neue Stadion auch sehr gut an. Bei 55.000 veräußerten Dauerkarten wurde der Verkauf gestoppt. Bedeutet: Nur 14.000 Tickets gehen darüber hinaus an die Fans raus.

Jetzt wollen wir einen neuen Mythos schaffen. Das wird dauern, aber wir bekommen es hin.

Koke über den Umzug Atleticos

Noch liegt kein Rasen in der Arena, und die Dauer der Baumaßnahmen sorgt auch dafür, dass Atleti zunächst dreimal in Folge auswärts spielen wird (Girona, Las Palmas, Valencia), ehe das Metropolitano plangemäß Mitte September seine Pforten öffnen wird. Entweder zum ersten Gruppenspiel der Champions League am 12./13.9. oder am Wochenende darauf in der Liga gegen Malaga. Egal, wann oder gegen wen - die neue Arena wird bei aller Wehmut über den Abschied vom Calderón bald brodeln. "Natürlich geht Liebgewonnenes verloren", sagte Klub-Eigengewächs Koke (25) im kicker-Interview. "Aber die Erinnerung bleibt. Jetzt wollen wir einen neuen Mythos schaffen. Das wird dauern, aber wir bekommen es hin."

Simeone geht ins sechste Jahr

Saul Niguez, Diego Simeone, Antoine Griezmann, Jan Oblak (v.l.)

Protagonisten der Rojiblancos: Saul Niguez, Diego Simeone, Antoine Griezmann und Jan Oblak (v.l.). Getty Images

Um den Trainer ranken sich immer mal wieder Wechselgerüchte. Doch Diego Simeone bleibt Atletico treu und führt die Mannschaft in seine schon sechste Saison. Der Argentinier personifiziert die Philosophie des Vereins, der nach Rückschlägen immer wieder aufsteht. "El Cholo" hat die Mentalität der Mannschaft verändert, die seit seiner Ankunft daran glaubt, jeden Gegner schlagen zu können. Abnutzungserscheinungen? "Überhaupt nicht", findet Koke. "Der Mister ist ein intelligenter Trainer, der sehr gut weiß, wie er uns führen muss." Sein manchmal grenzwertiges Verhalten an der Seitenlinie stört die Mannschaft nicht. Koke: "Er treibt das Publikum an und diese Zuneigung wiederum tausendfach uns."

(Noch) keine Veränderungen im Gerüst

Der Transferbann hat Atletico getroffen, das auch in diesem Sommer noch keinen Spieler verpflichten darf. Im Winter ist es dann soweit (mit dem für ein halbes Jahr an Las Palmas ausgeliehenen Vitolo vom FC Sevilla steht auch schon ein Neuer fest). Kommt dann auch Diego Costa? Der Brasilianer mit dem spanischen Pass, der Atletico 2013/14 zum Pokalsieg und in die Champions League geführt hatte, hat den Wunsch zur Rückkehr geäußert, nachdem er bei Chelsea-Coach Antonio Conte keine Rolle mehr spielt .

Bislang verließ noch keiner der Leistungsträger die Madrilenen in diesem Sommer - der zu Deportivo Alaves ausgeliehene Linksverteidiger Theo entschied sich für Real. Mit Koke (bis 2024), Saul Niguez (2026) und Fernando Torres (2018) verlängerten drei Publikumslieblinge. Doch was, wenn die großen Fische auf dem Markt ihre Geldbörsen weit aufmachen? Diego Simeone: "Nach dem PSG-Deal mit Neymar ist kein Spieler mehr sicher." Vor allem Torwart Jan Oblak und Offensivstar Antoine Griezmann stehen im Fokus der Topklubs. Und PSG-Besitzer Nasser Al-Khelaifi wurde schon in Madrid gesichtet ...

"Ich habe meinen Spielern gesagt, dass es einige Klubs gibt, die mehr Geld haben, aber nicht viele Klubs, die besser sind als wir", erinnert Simeone seine Schützlinge an die Besonderheit Atleticos. Platz 3 sowie Stadtrivale Real und den FC Barcelona ärgern, das sind die Ziele der Rot-Weißen auch in diesem Jahr. Die Champions League muss es also wieder sein, um den eigenen Ansprüchen weiter gerecht werden zu können. Real und Barça spielen wirtschaftlich mit Etats von 631 bzw. fast 700 Millionen Euro weiterhin in einer anderen Liga, wenngleich Atleti bei der Verteilung der TV-Gelder mit einem Sprung um 45 Millionen auf etwa 100 Millionen Euro den größten Satz gemacht hat und an das Duo (je rund 145 Millionen Euro) herangerückt ist. Die Gelder für die aktuelle Saison werden wie immer erst kurzfristig verhandelt. Der Rückstand in Sachen globaler Vermarktung bleibt weiterhin riesengroß.

Lesen Sie in der aktuellen Montag-Ausgabe des kicker das komplette Interview mit Mittelfeldspieler Koke: "Wir wollen einen neuen Mythos schaffen"

Andi Holzmann