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"Panzer", Lehmann, Wundertüte: Der FC Arsenal vor dem Start der Premier League im kicker-Check

Premier-League-Check, Teil 6

"Panzer", Lehmann, Wundertüte: Arsenal im Check

Alexandre Lacazette

Erstes Pflichtspiel, erster Titel: Arsenal-Neuzugang Alexandre Lacazette mit der Community-Shield-Trophäe. picture alliance

Gefühlt 222-mal hat Arsene Wenger vor dem Premier-League-Auftaktspiel am heutigen Freitag (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker.de) gegen Leicester betont, dass er für Alexis-Sanchez-Angebote "nicht offen" sei. Doch wirklich glaubhaft wird das wohl erst ab 1. September, wenn das Transferfenster verriegelt ist. Bis dahin bleibt Arsenal eine größere Wundertüte, als man es ohnehin gewohnt ist.

Erstmals in seiner 21-jährigen Ära war Wenger mit den Gunners nicht unter den ersten Vier gelandet, doch das muss für die neue Saison ja kein Nachteil sein: Während die Konkurrenten allesamt in der Champions League starten (Liverpool muss vorher noch die Play-offs überstehen), wird Wenger in der Europa League seinen Stars regelmäßige Pausen gönnen. Wird schon das den traditionellen Einbruch erschweren?

Spielersteckbrief Lacazette

Lacazette Alexandre

Spielersteckbrief Kolasinac

Kolasinac Sead

FC Arsenal - Vereinsdaten

Gründungsdatum

01.05.1886

Vereinsfarben

Rot-Weiß

"Tier" Kolasinac ist auf dem Weg zum Publikumsliebling

Sein Kader, aufgewertet mit 53-Millionen-Euro Stürmer Lacazette, ist qualitativ gut genug für eine schnelle Rückkehr in die Champions League, aber nur, wenn Sanchez, die einzige Konstante in der vermaledeiten Vorsaison, seinen angestrebten Wechsel nicht doch noch erzwingt. Für Özil, der ebenfalls (genau wie auch Oxlade-Chamberlain, Wilshere, Gibbs, Debuchy und Cazorla) in sein letztes Vertragsjahr geht, scheinen indes schlicht die Interessenten zu fehlen. Sein Verbleib ist wahrscheinlich.

Taktisch hat Wenger, der zuvor nie besonders offen für derlei Anpassungen war, erfolgreich auf ein 3-5-2 umgestellt. Dabei könnte auch Schnäppchen Kolasinac (ablösefrei von Schalke) eine Schlüsselrolle zukommen, der im Community Shield gegen Chelsea (4:1 i.E.) traf und weiter auf dem Weg zum Publikumsliebling ist. Mitspieler Walcott, selbst allerdings nur 1,76 groß und 68 Kilogramm schwer, bezeichnete den Neuen für die linke Außenbahn hinterher als "Panzer" und "Tier"; er passe "perfekt in die Premier League, absolut perfekt".

Auch im neuen System bleibt das defensive Mittelfeld ein Problem

Vor allem aber, und das ist vielleicht das größte Plus gegenüber 2016/17, sind die zermürbenden Debatten um Wengers Zukunft verstummt, seit er doch noch mal um zwei Jahre verlängert hat. Die Ungewissheit und die ständigen Fragen hatten den ganzen Klub aus der Bahn geworfen - kombiniert mit den gewohnten Ausrutschern und Aussetzern auf dem Platz. Das 1:5 beim FC Bayern war der Tiefpunkt einer Mannschaft, die keine Mannschaft war .

Lacazette und Kolasinac heben jetzt die Qualität, das neue System sorgt für mehr Balance. Unklar bleibt nur, ob das Abwehrzentrum um Kapitän Mertesacker, Koscielny und Mustafi und vor allem das defensive Mittelfeld letztlich ausreichend genug besetzt sind. Xhaka und Ramsey deuteten gegen Ende der vergangenen Saison zwar an, dass sie dort doch eine fruchtbare Partnerschaft abgeben könnten, müssen das aber erst mal bestätigen. Ein neuer Vieira ist weiterhin nicht in Sicht.

Wenger täte es gut, etwas Macht abzugeben - Lehmann steht für Siegeswillen

Zu nett, zu feingliedrig, zu nervenschwach - das sind die gängigen Vorwürfe an Wenger-Mannschaften. Deswegen akzeptierte der Elsässer einen weiteren Transfer: Jens Lehmann, 2004 Mitglied der legendären "Invincibles", gehört jetzt zu seinem Trainerstab . Doch ob Arsenals Erfolg wirklich davon abhängt, wie viel Einfluss Wenger dem Ex-Keeper gewährt - so mutmaßt es der "Guardian" -, sei mal dahingestellt: Erstens wollte Lehmann zu Wenger, nicht umgekehrt, zweitens fiel Lehmann zumindest bei RTL nicht immer als Experte auf. Und doch täte es Wenger gut, ein wenig Macht abzugeben. Lehmann immerhin steht für den Siegeswillen, der Arsenal regelmäßig abgesprochen wird. Mehr davon wäre ein weiterer kleiner Schritt auf dem Weg zurück nach oben.

Um mal wieder ein echter Titelkandidat zu sein, müsste wohl mehr passieren als Sanchez' Verbleib. Einen großen Umbruch aber muss Wenger nicht moderieren, wenn denn die Leistungsträger bleiben. Ein Anfang wäre, nicht zum dritten Mal in Folge das Auftaktspiel zu vergeigen. Sonst sind die ersten "Wenger out"-Plakate schnell wieder zu sehen. Entsorgt wurden sie sicher noch nicht.

jpe

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