Bundesliga

Stuttgarts Neuzugang Holger Badstuber zeigt sich bei einer Presserunde am Montag erwachsener, reifer: "Ich brauche Training, Training, Training.

"Ich brauche Training, Training, Training"

Badstuber, der Erwachsene

Holger Badstuber

Stuttgarts Neuzugang Holger Badstuber will beim VfB den Ton angeben und seine jungen Nebenleute führen. picture alliance

"Ich hätte bei den Bayern bleiben können", erklärt der Innenverteidiger, der am Freitag einen Einjahresvertrag beim Aufsteiger unterschrieb. Doch Badstuber ist Realist genug, zu wissen, dass er wohl nur in Ausnahmefällen auf dem Platz gestanden hätte: "Ich sah unter diesem Trainer nicht das Vertrauen für mich. Ich spiele Fußball, weil ich Spaß dran habe. Wenn mir der ein bisschen genommen wird, dann schlage ich andere Wege ein."

Nun führt den WM-Dritten von 2010 der Weg also nach Bad Cannstatt, wo er schon 2000 bis 2002 bei den Junioren kickte. "Hallo zusammen erstmal", sind die ersten Worte an die Medienvertreter nach einigen individuellen Einheiten und den ersten Minuten mit der Mannschaft am Montagmittag. Die Übungen sind natürlich gleich das Thema: "Mein Stand ist: Ich brauche Training, Training, Training. Es benötigt Zeit, sich wirklich fit und bereit zu fühlen." Hannes Wolf sieht ihn erst nach der Länderspielpause einsatzbereit. "Man kann Woche für Woche schauen, natürlich nach Rücksprache mit dem Trainer", denkt Badstuber selbst.

Ich sah unter diesem Trainer nicht das Vertrauen für mich. Ich spiele Fußball, weil ich Spaß dran habe. Wenn mir der ein bisschen genommen wird, dann schlage ich andere Wege ein.

Holger Badstuber mit einem kleinen Seitenhieb gegen Carlo Ancelotti

Auch ins Ausland hätte er gehen können, sagt er. Doch sein Gefühl habe ihm zum VfB geraten. Überzeugend seien die Gespräche mit den Verantwortlichen gewesen. "Gerade mit dem Trainer, klar auch mit Jan Schindelmeiser. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass mich der ganze Verein möchte." Dass ausgerechnet der Sportvorstand kurz vor seinem Wechsel geschasst wurde, dazu mag Badstuber sich nicht wirklich äußern: "In diese Ebenen hinter den Kulissen haben Spieler keine Einblicke. Wir müssen fokussiert sein auf das Sportliche."

Er wirkt nicht verkrampft, aber schon ernst. Reflektiert. Erwachsen. Irgendwie erwachsener, als man ihn in Erinnerung hat. Was kein Wunder ist, schließlich ist der sechsfache Deutsche Meister bereits 28 Jahre alt. Nur war er - sieht man von seinem letzten Halbjahr auf Schalke ab - letztmals über einen längeren Zeitraum unverletzt und spielfit in der zweiten Jahreshälfte 2012, also 23-jährig. Fast fünf Jahre mit wenig öffentlicher Präsenz, zwischen Krankenstand, Trainingsplatz, Tribüne und Rasen.

Wie sein Mentor van Bommel: Badstuber soll den Ton angeben

Wobei er betont: "Ich bin seit einem Jahr gesund. Das sehen die meisten nicht, sondern nur die Verletzungen. Man fragt dann: 'Wird das wieder der, der er früher war?' Der bin ich nicht mehr. Ich bin reifer geworden, erwachsener." In Stuttgart haben sie ihn als einen geholt, der den Ton angibt, die jungen Kollegen in der Innenverteidigung wie Timo Baumgartl (21) führt. "Das sehe ich als meine Aufgabe. Aber ich muss auch meine Leistung bringen", weiß Badstuber.

Als er über seine Zeit in München spricht, bekommt man einen Eindruck davon, wie Badstuber vorangehen will. Mehr alte als neue Schule. "Bei Bayern war für mich Mark van Bommel der Mentor."“ Der Niederländer ist einer gewesen, der auch mal dazwischengehauen hat. "Mit Bastian Schweinsteiger hatte ich einen Verbündeten, mit dem ich auch freundschaftlich sehr viel erlebt habe. Und auch Arjen Robben. Das sind die drei Spieler, die mir sehr viel gegeben haben. Die haben nicht nur auf die Schulter geklopft, da sind auch kritische Worte gefallen." Man darf davon ausgehen, dass auch Badstuber seine Rolle aktiv, als Sprecher interpretiert. "Die jungen Spieler müssen sich selbst vertrauen, aber sie müssen auch immer wieder durch die Älteren wissen, was sie zu tun haben."

Benni Hofmann

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