Bundesliga

Der VfL Wolfsburg kann Gänsehaut: "20 - Der Stress lohnt sich" feiert Premiere

Großes Gefühlskino von Fans für Fans - Der Film "20 - Der Stress lohnt sich" feiert Premiere

Wolfsburg kann Gänsehaut

"Ein ganz toller Film": Wolfsburgs Mario Gomez war begeistert von "20 - Der Stress lohnt sich".

"Ein ganz toller Film": Wolfsburgs Mario Gomez war begeistert von "20 - Der Stress lohnt sich". imago

Beata Nowak hatte Unmengen an Taschentüchern in ihre Handtasche gestopft. Die Ehefrau des 2005 verstorbenen Krzysztof Nowak, dem ehemaligen Spielmacher des VfL Wolfsburg, waren immer wieder die Tränen gekommen. Tränen der Rührung, der Erinnerung, auch der Freude. Die drei Initiatoren und VfL-Fans David Bebnowski, Chris Krüger und Lars M. Vollmering hatten sich vor einem Jahr darangemacht, zur 20-jährigen Bundesligazugehörigkeit ihres Klubs einen Film zu drehen. Das Ergebnis nach rund 40 Drehtagen kann sich ganz wunderbar ansehen lassen. Ein Film von Fans für Fans, der rund 120.000 Euro kostete, für den über eine Crowdfunding-Plattform rund 53.000 Euro eingesammelt wurden. Ein bewegender Streifen über den Klub am Mittellandkanal, der außerhalb der Stadtgrenzen nicht selten belächelt wird, der nach innen aber der Mittelpunkt einer Wagenburg ist. Wolfsburg, wie es viele Außenstehende nicht kennen. Mit selbstironischem Witz, fanliebender Wucht, familiärer Wärme.

Filmausschnitt: "20 - Der Stress lohnt sich"

Was der VfL Wolfsburg seinen Fans bedeutet

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"Euer Hass ist unser Stolz." Wolfsburg wehrt sich. Emotionslos, Volkswagen-gesteuert, nach Plastik riechend? Ein Film gegen Vorurteile, ein einmaliges Projekt, das die Anhängerschaft des Vereins, der seit 20 Jahren in der Bundesliga spielt und sich trotzdem ständig der Diskussion um Tradition stellen muss, in einem anderen Licht erscheinen lässt. Vereinsikonen wie Aufstiegsheld Roy Präger sowie die Meistermacher Diego Benaglio und Marcel Schäfer kommen zu Wort, noch mehr aber die Fans. Jung und alt, Mann und Frau, positiv verrückt und verliebt in ihren Verein, den sie begleiten. In guten wie in schlechten Zeiten.

Der VfL hätte das Drehbuch kaum besser schreiben können

123 Minuten Kinounterhaltung in der Achterbahn. Vom umjubelten Aufstieg 1997 gegen Mainz bis zum nicht minder emotionalen Klassenerhalt im vergangenen Mai beim Nachbarn in Braunschweig. Wolfsburg kann Gänsehaut. Das Drehbuch hätte die Mannschaft in der letztjährigen Zittersaison kaum besser schreiben können. Theater-Intendant Rainer Steinkamp sagte zu den rund 1000 Premierengästen und speziell an VfL-Trainer Andries Jonker gerichtet: "Ich bin Fan von Krimis - aber bitte nicht noch einmal."

Großes Gefühlskino zwischen historischen Toren und dem schmerzenden Tod

"20" bietet alles. Krimi wie Komödie. Leider auch Tragödie. Die Erinnerungen an den Unfalltod Junior Malandas berühren ebenso wie der Verlust von Nowak, der bis heute "Die Nummer 10 der Herzen" ist. Unzählige Lacher über die Stadt in der Provinz und seine mitunter drollig-fanatischen Fans treffen auf herzzerreißende Worte von Maria Nowak. Die Tochter des Fußballers, die bei dessen Tod vier Jahre alt war, lässt den immer wieder aufbrandenden Applaus, die herzhaften Lacher verstummen. Großes Gefühlskino zwischen historischen Toren und dem schmerzenden Tod.

Mario Gomez, der es in Wolfsburg in Windeseile zu einer Identifikationsfigur gebracht hat, ist begeistert: "Ein ganz toller Film." Maximilian Arnold und Robin Knoche, Eigengewächse und ehrlich verbunden mit dem Klub, pendelten zwischen "Gänsehaut und Stolz, Teil dieser Geschichte zu sein". Eine Geschichte, die mit dem Film nach dem Aufstieg vor 20 Jahren, der Meisterschaft 2009 und dem Pokalsieg 2015 einen weiteren Höhepunkt erhalten hat.

Thomas Hiete