Bundesliga

Streich über Neymar: "Der Gott des Geldes verschlingt alles"

Freiburgs Trainer zum Transferwahnsinn

Streich über Neymar: "Der Gott des Geldes verschlingt alles"

Christian Streich und Neymar

"Es ist nicht böse, wenn man mehr Geld will. Es ist irreal": Christian Streich über Neymar. imago (2)

"Nichts, da denke ich nichts mehr", sagte Christian Streich zunächst, als er zum Abschluss der Pressekonferenz vor Freiburgs Europa-League-Rückspiel bei Domzale zum bevorstehenden Rekordwechsel von Neymar befragt wurde. Nach einer kurzen Pause holte er dann doch aus - und gab fast zehn Minuten lang Einblick in seine Gedanken.

"Ich habe gelesen", begann er, "Chiellinis Schwester hätte gesagt, sie hätte es so gern gehabt, dass Bonucci bei Juventus und 'ihr' Kapitän bleibe, aber der 'Gott des Geldes' habe gesiegt." Und genau den sieht er auch bei Neymars Entscheidung in der Verantwortung. "Der Gott des Geldes wird immer größer und irgendwann verschlingt er alles. Aber die meisten werden es erst merken, wenn alles verschlungen wird."

Spielersteckbrief Neymar
Neymar

da Silva Santos Junior Neymar

Es ist kein böser Gedanke, wenn man noch mal mehr Geld will. Es ist die Sehnsucht nach Sicherheit und Anerkennung.

Christian Streich

Er habe es schon oft zitiert: "Der Mammon - es steht nicht umsonst in den alten Büchern - ist eine der größten Gefahren für die Menschen: dass er über sie Besitz ergreift. Und das muss jeder immer wieder reflektieren, das geht mir genauso. Das ist eine enorme Gefahr."

Die "Macht des Geldes" sei grenzenlos. "Aber die Einsicht kommt nicht, die Verführung ist zu groß. Man will Sicherheit. Es ist normal. Auch Menschen, die sehr viel Geld haben, wollen noch mal ein bisschen mehr Geld, weil sie sagen: 'Aber wenn das und das passiert, habe ich noch mal mehr Geld.' Es ist kein böser Gedanke, wenn man noch mal mehr Geld will. Es ist die Sehnsucht nach Sicherheit und Anerkennung."

"Ob du 4.500 oder 50.000 netto hast, ist egal, du bist nicht glücklicher!"

Deshalb, so Streich weiter, "verdient einer zehn Millionen und will dann einen etwas größeren Vertrag - elf Millionen. Warum will er das? Nicht weil er böse ist. Er will die Anerkennung und er will noch mehr Sicherheit, man findet immer Argumente. Es ist nicht böse, wenn man das will. Es ist irreal."

Es gebe ja ausreichend Erhebungen dazu: "Es ist niemand glücklicher, wenn er 100.000 statt 50.000 Euro im Monat verdient, das macht keinen Unterschied. Es ist ein Unterschied, wenn du 800 Euro im Monat verdienst und eine Familie ernähren musst, was du nicht kannst. Aber ob du 3.500, 4.500 oder 50.000 netto hast, ist egal, du bist nicht glücklicher!" Neymar verdoppelt in Paris sein exorbitantes Gehalt. "Dazu", schloss Streich, "gibt es gar nicht mehr zu sagen, wenn du weißt, wie der Mensch ist."

Mir ist wirklich völlig egal, ob der 220 Millionen kostet oder 440 Millionen. Wirklich!

Christian Streich

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Und die horrende Ablösesumme selbst? "Mir ist wirklich völlig egal, ob der 220 Millionen kostet oder 440 Millionen. Wirklich! Das können Sie mir glauben", so Streich. "Ganz ehrlich: Es löst bei mir nichts mehr aus. Ich kann keine Unterscheidung mehr finden zwischen 220 und 440 Millionen. Es übersteigt meine Fähigkeit, das einzuordnen."

Dennoch: Die Entwicklung sei "schade", mehr noch: "Ich weiß nicht, wie es Leuten geht, die nichts haben, wenn sie das lesen, ob da eine Frustration eintritt. Ich weiß nicht, ob es gut ist für unsere demokratische Ordnung. Ich glaube, es ist nicht gut. Aber ich werde es nicht verhindern. Wir sind im irrealen Bereich, aber es ist gerade Realität."

jpe

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