Bundesliga

Hannovers Klubboss Kind erläutert seinen Übernahmekurs: "Entscheidung bis Ende des Jahres möglich"

Hannover: Kind erläutert seinen Übernahmekurs

"Entscheidung bis Ende des Jahres möglich"

Martin Kind

Erläutert seinen Übernahmekurs in Hannover: Martin Kind. picture alliance

Ein einstimmiger Vorstandsbeschluss des "eingetragenen Vereins" (e.V.) Hannover 96 war vorausgegangen. Nun billigte ihn am Montagabend der Aufsichtsrat mit drei gegen zwei Stimmen: 51 Prozent seiner Gesellschaftsanteile an der von der DFL geforderten Komplementärgesellschaft "Hannover 96 Management GmbH" werden an Klubboss Martin Kind verkauft - damit ist der Weg frei für einen Wegfall der 50+1-Regel in Hannover und eine mehrheitliche Übernahme durch den erfolgreichen Unternehmer, der im kommenden September seit 20 Jahren führend und nachhaltig fördernd für die Niedersachsen tätig ist.

Am Dienstag erläuterte der 73-Jährige gemeinsam mit den Vereinsvorständen Uwe Krause und Jürgen Dierich seinen Übernahmekurs. "Bisher hat in Hannover die Personalunion mögliche Konflikte vermieden", so Kind, der bis auf Weiteres nicht nur als Geschäftsführer der GmbH, sondern auch Vorsitzender des Vorstands fungiert. "Es gilt aber, für die Zeit danach Spielregeln zu finden. Sie müssen für die Zukunft tragfähig sein." Nach und nach will sich Kind mittelfristig aus dem operativen Geschäft zurückziehen.

"Aus 50 plus 1 wird in Hannover 50 minus 1", brachte es Vorstand Krause auf den Punkt und erläuterte zugleich, dass für den Mutterverein ein umfangreiches Paket an Zugeständnissen und einer weiteren Beteiligung an den Prozessen des Profifußballs festgelegt wurde. Wichtiger Punkt hier: Der e.V. bleibt weiterhin mit zuständig für die Bestellung der künftigen Geschäftsführung. Lediglich falls hier einmal kein Konsens mit der GmbH gefunden werde, entscheide er persönlich als letzte Instanz, so Kind. "Denn die Kapitalseite will nun einmal bestimmen, wer über ihr Geld verfügt. Wenn Sie etwa fünf Millionen Euro geben, kann nicht ein Dritter über Ihr Geld entscheiden."

Kapital nötig, "um Hannover 96 wieder international zu platzieren"

Als designierter Geschäftsführer der GmbH hob auch 96-Manager Horst Heldt die Notwendigkeit der Umbildungen hervor: "Das Hannover-Modell ist ein ganz besonderes. Wir schaffen die Rahmenbedingungen, um künftig erfolgreich zu sein. Und: Es bleibt für den Fan weiter möglich, unsere Zukunft mitzugestalten. Es muss das Ziel sein, ein offenes Ohr für mögliche Sorgen und Nöte zu bewahren." Aber, so Heldt: "Um Hannover 96 in drei bis vier Jahren einmal wieder international zu platzieren, brauchen wir Kapital." Dies sei nunmehr besser sichergestellt.

Allen Skeptikern halten die Vereinsvertreter entgegen, dass Kind seine Anteile ohne Zustimmung des Vereins künftig ausschließlich an die "Sales & Service GmbH", die Hauptgesellschaft der Profi-GmbH, veräußern darf. Auch von dort wiederum könnten in Zukunft Anteile nur nach Übereinkunft mit dem Verein an Fremde weitergegeben werden. So soll geklärt sein, dass der Profifußball wie gewünscht in den Händen der regionalen Gesellschafter in Hannover bleibt.

Einem nun formal zu stellenden Antrag muss die DFL noch zustimmen. Dies gilt als Formsache. "Wir werden den Antrag in den nächsten drei bis vier Wochen stellen", so Kind, "die DFL wird auf ihrer nächsten Vorstandssitzung darüber befinden. Eine Entscheidung halte ich bis zum Jahresende für möglich."

Proteste der vereinsinternen Opposition

Begleitet wird die "richtungweisende Entscheidung" (Krause) von Protesten der vereinsinternen Opposition, deren zwei Vertreter im Aufsichtsrat am Montag mit "Nein" gestimmt hatten. Nach Auffassung der Interessengemeinschaft "Pro Verein 1896" sei unter anderem die Einbindung der Mitglieder zu dem Beschluss nicht ausreichend gegeben gewesen, heißt es in einem Sieben-Punkte-Papier der Übernahmegegner. Bei der Jahreshauptversammlung hatte allerdings ein Antrag auf Änderung der Satzung mit dem Ziel, vor einer Veräußerung die Zustimmung der Mitgliederversammlung einzuholen, nicht die erforderliche Mehrheit gefunden.

Michael Richter