Kritik an UEFA-Youth-League

Flick: "Abschaffen kann man das nicht mehr"

Nagelsmann und Flick

Gute Laune: Die Chemie zwischen Julian Nagelsmann und Hansi Flick stimmt. imago

Aus Windischgarsten berichtet Benni Hofmann

"Der Fokus liegt bei uns zu sehr darauf, einen Fußballspieler auszubilden. Ich glaube aber, dass es wichtig ist, Persönlichkeiten auszubilden", sagte Flick während des TSG-Trainingslagers in Oberösterreich. Der Stress, mit dem die Nachwuchskräfte in den Akademien klarkommen müssen, nimmt zu. Auch durch Wettbewerbe wie die UEFA-Youth-League. "Es ist absolut grenzwertig", findet Flick. Er kennt die Tagespläne der Juniorennationalspieler aus seiner Zeit beim DFB: "Ihr Tag fängt morgens um 7 Uhr an und hört abends um 21 Uhr auf." Schule, zweimal Training. "Das ist durchgetaktet und schon hart. Wenn diese Jungs in den Klubs noch Youth-League spielen, dann ist die Belastung grenzwertig." Für Alltagserfahrung bleibt da keine Zeit. Klausuren am Tag eines Youth-League-Spiels, selbst im Ausland, sind keine Seltenheit.

Trainersteckbrief Nagelsmann

Nagelsmann Julian

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Trainersteckbrief

Der Mensch muss in den Vordergrund. Das müssen wir kapieren.

Hansi Flick zur Belastung der Spieler der U-19-Teams

In der Tat stand Deutschland dem 2013/14 eingeführten Elitewettbewerb, in dem die jeweiligen U-19-Teams der Teilnehmer der Champions-League-Gruppenphase und die Jugendmeister der nach Koeffizient 32 stärksten UEFA-Nationen teilnehmen, kritisch gegenüber. "Abschaffen kann man das nicht mehr. Man hat das versucht, aber dann wird von der UEFA gesagt: Wenn ihr die Youth-League nicht mitspielt, wird die Profi-Mannschaft ausgeschlossen", berichtet Flick und ergänzt: "Man kriegt ja auch ein bisschen Geld dafür." Die klare Botschaft des 52-Jährigen lautet: "Der Mensch muss in den Vordergrund. Das müssen wir kapieren."

Was die TSG angeht, so ist der einstige Coach der Kraichgauer noch in der Überblicksphase. Aufmerksam verfolgt er die Einheiten in Windischgarsten. "Es geht mir um eine Vernetzung zwischen Profis und Akademie, um einen roten Faden zu haben", erzählt der Weltmeister-Co-Trainer von 2014. Er sieht Hoffenheim dahingehend gut aufgestellt und sich in der Verantwortung dafür, dass das so bleibt. Zudem will er "Wenn-Dann-Strategien entwickeln, weil im Fußball immer gewisse Dinge passieren können" - die will er nicht näher substantiieren, doch da Trainer Julian Nagelsmann längst bei Top-Klubs auf dem Schirm ist, wird ihm genau wie TSG-Direktor Profifußball Alexander Rosen in der Zukunft eine zentrale Rolle beim Scouting eines eventuellen Nachfolgers zukommen.

Nagelsmann: Das Menschliche passt

Nagelsmann jedenfalls freut sich auf die Zusammenarbeit mit Flick. "Wir sprechen über jede Trainingseinheit, er ist auch bei der Video-Analyse dabei", erklärt der 29-Jährige. Dabei spiele vor allem die persönliche Basis eine Rolle. "Er ist ein sympathischer, herzlicher Mensch, mit dem ich mich gerne zusammensetze." Dass die menschliche Komponente eine wichtige ist, hat Nagelsmann ganz augenscheinlich also längst verinnerlicht.

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