Dortmund nach dem Test gegen die Urawa Reds

BVB: Götze-Comeback und drei Erkenntnisse

Antreiber in der Defensive: Dortmunds Marc Bartra (2.v.re.).

Antreiber in der Defensive: Dortmunds Marc Bartra (2.v.re.). imago

Die erste sportliche Weiterentwicklung: Der neue Trainer Peter Bosz arbeitet zwar erst seit neun Tage mit seinen Spielern zusammen. Gegen den japanischen Erstligisten waren allerdings schon erste Grundzüge seiner Spielidee zu erkennen. So überzeugte der BVB in der ersten Hälfte durch aggressives und im Vergleich zur 2:3-Niederlage beim Viertligisten RW Essen am vergangenen Dienstag stark verbessertes Gegenpressing, das immer wieder zu Ballgewinnen tief in der gegnerischen Hälfte führte. Allerdings wurde auch deutlich, woran Bosz mit seinem Team noch arbeiten muss: Das hohe Verteidigen seiner Elf bot dem Gegner immer wieder Räume in der Hälfte der Schwarz-Gelben. Auch das Defensivverhalten nach gegnerischen Standards ist verbesserungsbedürftig. Nur aufgrund der schwachen Chancenverwertung der Japaner blieb es zur Pause bei einem Gegentor. Bosz' nachvollziehbares Urteil: "Der Sieg war gut für unser Gefühl. Es war ein bisschen besser als in Essen. Das war allerdings auch nicht so schwer."

Das "Hallo, ich bin auch noch da!"-Zeichen von Emre Mor: Der junge Türke galt vielen Beobachtern als logischer Verkaufskandidat. In seinem ersten Jahr beim BVB hatte er zwar sein großes Talent am Ball aufblitzen lassen, seinen Trainer Thomas Tuchel aber auch durch eigensinnige Dribblings immer wieder an den Rand des Wahnsinns geführt. Die Folge: Irgendwann stellte Tuchel den 9,5-Millionen-Einkauf einfach nicht mehr auf. Auch gegen Urawa offenbarte Mor viele - bekannte - Schwächen, doch er zeigte eben auch, welch großes Potenzial in ihm steckt. Zwei Tore erzielte er nach seiner Einwechslung im zweiten Durchgang - und erklärte hinterher ungewohnt zurückhaltend, er wisse, woran er noch arbeiten müsse. In Bosz ("Er hat große Qualitäten, muss aber auch verstehen, wann er dribbeln darf und wann er den Ball abspielen muss") sowie seinen Co-Trainern Hendrie Krüzen und Albert Capellas könnte Mor dafür die richtigen Helfer haben. Das Trio liebt es, mit jungen Spielern zu arbeiten und sie zu vollwertigen Profis zu formen, ohne sie ihrer individuellen Stärken zu berauben. Sollte ihnen das bei Mor gelingen, könnte der BVB noch viel Freude an dem Offensivdribbler haben.

Spielersteckbrief M. Götze

Götze Mario

Spielersteckbrief Bartra

Bartra Marc

Spielersteckbrief Mor

Mor Emre

Die gestiegene Wichtigkeit Marc Bartras: In der Vorsaison galt Sokratis als unantastbarer Abwehrchef der Borussia. In Bartra allerdings hat er unter Trainer Bosz einen ernstzunehmenden Konkurrenten bekommen. Der Spanier ist in seinem zweiten Jahr beim BVB voll integriert und wird sportlich wie menschlich immer wertvoller für sein Team. Gegen Urawa übernahm der technisch versierte Innenverteidiger aus der Barca-Schule immer wieder auch offensive Aufgaben und interpretierte seine Rolle dadurch so, wie es Bosz gerne von einem seiner beiden zentralen Verteidiger sieht. In die Spielfeldmitte vorstoßende Innenverteidiger gehören seit jeher zu den beliebten taktischen Kniffen des Niederländers, um die gegnerische Verteidigungslinien zu knacken. Bestätigen sich die Eindrücke aus dem Urawa-Test, könnte Bartra zum Pflichtspielauftakt gesetzt sein - und sich Sokratis mit Neuzugang Ömer Toprak um den zweiten Platz im Zentrum streiten.

Matthias Dersch

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