Die spanische Anfangsformation im Portrait

11 Gründe, warum Deutschland einen Sahnetag braucht

Überbordende Freude: Spaniens Anführer Saul Niguez (u.re.) wird für seinen Dreierpack gegen Italien gefeiert.

Überbordende Freude: Spaniens Anführer Saul Niguez (u.re.) wird für seinen Dreierpack gegen Italien gefeiert. Getty Images

Wo die spanischen Stärken und Schwächen liegen? Das lässt sich zumindest mit Blick auf die Statistik kaum sagen. Die U-21-Nationalmannschaft der Iberer hat im Turnierverlauf erst zwei Gegentore kassiert - und selbst bereits zwölf Treffer geschossen. Die Balance zwischen Defensive und Offensive hat Coach Albert Celades López offensichtlich gefunden.

Doch welche Spieler sind für das wieder einmal beeindruckende Auftreten einer spanischen U-Nationalmannschaft verantwortlich? Da wäre einmal Keeper Kepa Arrizabalaga (22) von Athletic Bilbao, der als starker Rückhalt erst zwei Gegentreffer kassierte. Er gehört zu einem Gerüst von Spielern, die in drei Partien bei der EM die gesamten 270 Minuten auf dem Rasen standen (beim 1:0 gegen Serbien zum Gruppenabschluss rotierten die Spanier elfmal).

Spielersteckbrief Deulofeu

Deulofeu Gerard

Spielersteckbrief Kepa

Arrizabalaga Kepa

Spielersteckbrief Saul Niguez

Niguez Esclapez Saul

Spielersteckbrief Bellerin

Bellerin Hector

Spielersteckbrief Llorente

Llorente Marcos

Spielersteckbrief Asensio

Asensio Marco

Spielersteckbrief Vallejo

Vallejo Jesus

U-21-Europameisterschaft - Finale
Spanien - Die letzten Spiele
Israel (A)
1
:
1
Nordmazedonien (H)
3
:
0

Fast noch entscheidender ist aber die Viererkette, die sich vor ihm postiert: Arsenals Hector Bellerin (22 Jahre, 270 Einsatzminuten) bringt reichlich internationale Erfahrung mit, kennt auch die große Bühne Champions League. Dazu hat der zehnmalige A-Nationalspieler ein großes Herz: Vor der EM in Polen kündigte Bellerin an, dass er für jede Minute, die er auf dem Platz steht, Geld für die Opfer des Hochhausbrands in seiner Wahlheimat London spenden will.

Zurück zu Real: Vallejo und Llorente werden gebraucht

Nicht ganz so glanzvoll liest sich die Innenverteidigung, die aber auch eine große Karriere vor sich haben könnte: Da wäre einerseits Frankfurts Leihgabe Jesus Vallejo (20, 270), den Stammverein Real Madrid nach seiner tollen Entwicklung in der Bundesliga zurück in die spanische Hauptstadt lotste. Daneben verteidigt Jorge Meré (20, 270), immerhin 31-mal für Sporting Gijon in der Primera Division im vergangenen Jahr am Ball. Er ist der einzige der Stamm-Viererkette, der sich bislang eine Gelbe Karte abholte. Auch Linksverteidiger Jonny Castro (23, 180) von Celta Vigo kam bislang ohne Verwarnung aus.

Auch im Sprint immer am Mann: Innenverteidiger Jesus Vallejo (r., gegen Portugals Goncalo Guedes).

Auch im Sprint immer am Mann: Innenverteidiger Jesus Vallejo (r., gegen Portugals Goncalo Guedes). Getty Images

Je weiter es nach vorne geht, desto geläufiger werden die Namen. Eine hochspannende Personalie ist dabei Sechser Marcos Llorente (22, 270), genau wie Vallejo verdiente er sich seine Sporen woanders (32 Ligaspiele für Alaves) - und kehrt im Sommer auf Wunsch der Verantwortlichen zu Real Madrid zurück. Mit seinen Leistungen ließ er aufhorchen, kommt aber freilich nicht an das wichtigste Puzzlestück der "Rojita" ran: Saul Niguez (22, 270) von Atletico Madrid ist das Herzstück der Spanier. Die Offensivkraft mit dem linken Zauberfuß bereitete in der Königsklasse schon dem FC Bayern Kopfzerbrechen, netzte in Polen bereits fünfmal ein. Gegen Mazedonien (5:0) und Portugal (3:1) erzielte Saul Niguez jeweils das wichtige 1:0, im Halbfinale gegen Italien besorgte er sogar alle drei Treffer.

Fast ein wenig unter geht neben ihm Dani Ceballos (20, 205), der in Polen allerdings ebenfalls zu gefallen weiß und in spanischen Medien zuletzt stärker mit Real Madrid in Verbindung gebracht wurde. Für Real Betis machte Ceballos in der vergangenen Saison 30 Ligaspiele (zwei Tore, zwei Vorlagen).

Auch die offensive Dreierreihe der "Rojita" hat es in sich: Kapitän Gerard Deulofeu (23, 225) kommt bevorzugt über die rechte Seite und kennt den großen europäischen Fußball. Aktuell steht er beim FC Everton unter Vertrag, war zuletzt aber an Milan (17 Ligaspiele, vier Tore, drei Assists) ausgeliehen. Der FC Barcelona, wo Deulofeu ausgebildet wurde, soll sich in diesem Sommer ernsthaft mit einer Rückholaktion beschäftigen.

Explodiert Asensio im Finale?

Hat die Bühne in Polen bislang genutzt: Sturmtank Sandro Ramirez ist in Europa gefragt.

Hat die Bühne in Polen bislang genutzt: Sturmtank Sandro Ramirez ist in Europa gefragt. Getty Images

Wie Deulofeu hat auch Sandro Ramirez (21) vom FC Malaga ein Turniertor auf dem Konto stehen. Nach dem spanischen Mittelstürmer sollen der FC Everton und sogar Real Madrid ihre Fühler ausgestreckt haben. Ein echtes Juwel kommt bei den Spaniern bevorzugt über links: Marco Asensio (21). In der Frühphase seiner Karriere hat sich der gebürtige Mallorquiner bei Real Madrid in den Vordergrund gespielt, gehörte in der Königsklasse stets zu den ersten Wechseloptionen von Coach Zinedine Zidane. Das Resultat: ein Tor im Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Bayern (4:2 n.V.) und sogar ein Treffer im Finale von Cardiff (4:1 gegen Juventus).

Auch in Polen trumpfte der pfeilschnelle, trickreiche Linksfuß zum Auftakt groß auf: Seine drei sehenswerten Tore gegen Mazedonien beim 5:0-Erfolg machten Lust auf mehr. Seitdem blieb Asensio aber torlos. Hat er sich das fürs Endspiel aufgehoben? Die aus deutscher Sicht vielleicht wichtigere Frage: Bei all den Stärken und Vorzügen der "Rojita", gibt es eigentlich auch Schwächen? Solche lassen sich schwer ausmachen. Klappt es mit der Anfangself nicht, sitzen mit Denis Suarez (vier Einsätze, ein Tor), Inaki Williams (vier Spiele, ein Treffer) oder Borja Mayoral (ein Einsatz) noch brandgefährliche Spieler draußen. Was man aber festhalten kann: die ersten 45 Minuten von Portugal in der Vorrunde.

Die deutsche Chance

Begegnet die deutsche U 21 dem scheinbar übermächtigen Gegner mit Dominanz und frechen Aktionen nach vorne, können die Spanier ins Stolpern kommen. Die Portugiesen hatten im ersten Abschnitt phasenweise 70 Prozent Ballbesitz, zwängten dem Gegner ihr Spiel auf. Einige solcher Momente kreierten auch die Italiener in der Vorschlussrunde. Ängstlich darf die Mannschaft von Trainer Stefan Kuntz jedenfalls nicht auftreten - sonst rollt die "Rojita" los.

msc

Die Europameister von 2009: Was wurde aus den U-21-Helden?