U 21

Boothroyd: "Habe keinen Hut, der Stefan den Kopf abschlägt"

Englands Trainer setzt auf Flexibilität und Elfmeter-Training

Boothroyd: "Habe keinen Hut, der Stefan den Kopf abschlägt"

Kein Bond-Bösewicht, sondern Englands U-21-Coach: Aidy Boothroyd.

Kein Bond-Bösewicht, sondern Englands U-21-Coach: Aidy Boothroyd. imago

Aus Krakau berichten Michael Pfeifer und Carsten Schröter

Bangen muss Boothroyd noch um den Einsatz zweier Leistungsträger im Mittelfeld: Chelseas Nathaniel Chalobah und Southamptons Nathan Redmond sind angeschlagen und setzten zuletzt mit dem Training aus. "Sie werden beide am Dienstagmorgen einen Fitnesstest absolvieren. Nathaniel konnte heute Teile des Abschlusstrainings mitmachen, ich bin guter Hoffnung, dass sie spielen können", erklärte der FA-Coach.

Er und sein Team gehen mit breiter Brust ins Duell mit Deutschland. Nach schwacher Leistung und einer gehörigen Portion Glück beim EM-Eröffnungsspiel gegen Schweden (0:0) steigerten sich die Young Lions zusehends, drehten ein 0:1 gegen die Slowakei in ein 2:1 und besiegten Gastgeber Polen klar mit 3:0. "Wir geben uns nicht damit zufrieden und sagen, klasse, dass wir im Halbfinale stehen. Im englischen Fußball hat eine neue Periode begonnen. Wir haben von unseren europäischen Nachbarn und anderen Teams auf der ganzen Welt gelernt, wir sind flexibler geworden in unserem Spiel."

Auch aus der 0:1-Testspielniederlage gegen die DFB-Junioren Ende März in Wiesbaden hat Boothroyd wertvolle Erkenntnisse gezogen. "Es war eine großartige Erfahrung, eines meiner ersten Spiele als U-21-Trainer. Wir hätten zurück in die Partie finden können, am Ende war es aber ein gerechtes Ergebnis. Wir haben damals einige Lektionen gelernt, über uns, aber auch, wie stark Deutschland sein kann."

Boothroyd über die deutsch-englische Rivalität

Natürlich kam auch Boothroyd nicht an Fragen zur deutsch-englischen Rivalität vorbei. Für ihn war das Halbfinale bei der EM 1996 in England das "größte Spiele" in dieser Konstellation. "Damals hat das Turnier alle bei uns zusammengebracht, die ganze Nation stand hinter dem Team. Natürlich hatte es nicht den Ausgang, den wir wollten. Aber die Leute dieser Generation haben eine große Affinität zu deutsch-englischen Aufeinandertreffen. Es sind immer große und aufregende Partien. Auch jetzt haben beide Mannschaften gute Spieler. Ich hoffe, dass dieses Spiel dem tollen Rahmen gerecht wird", erklärte der 46-Jährige, der 96 in Wembley, anders als sein Gegenüber Stefan Kuntz, nicht aktiv am Geschehen teilgenommen hatte.

Die Geschichte suggeriert, dass die Deutschen keine Elfmeter üben müssen, wir aber auf jeden Fall.

Aidy Boothroyd

"Ich habe keinen Elfmeter geschossen, sondern das Spiel in einem Männer-Arbeiterklub irgendwo in Yorkshire geschaut. Wir hatten eine leicht andere Karriere", sagte Boothroyd mit einem Schmunzeln. Seine Trainerkarriere hatte nach gutem Beginn in Watford (2005 bis 2008) auf den Stationen Colchester, Coventry einen durchwachsenen Verlauf genommen, ehe er gar bei Viertliga-Schlusslicht Northampton im Dezember 2013 entlassen wurde.

Boothroyd setzt auf ein fluides System

Im englischen Verband FA zeigt nun auch sein persönlicher Trend wieder nach oben. Seine Umstellungen im Turnier fruchteten, taktisch zeigt er sich variabel, begann in einem fluiden 4-2-3-1, ließ dann erfolgreich in einem 4-4-2 mit Raute agieren. Auch auf ein mögliches Elfmeterschießen will Boothroyd natürlich vorbereitet sein: "Die Geschichte suggeriert, dass die Deutschen keine Elfmeter üben müssen, wir aber auf jeden Fall. Man kann zwar die Müdigkeit, die Emotionen, die Stimmung und den Druck nur schwer nachstellen, aber wir haben seit Mai Strafstöße geübt. Ich hoffe, das hilft, aber noch mehr hoffe ich, dass es nicht so weit kommt und wir vorher weiterkommen." Man treffe zwar auf einen "harten Gegner", vor dem man großen Respekt habe, "aber ich hoffe, wir können unseren Matchplan umsetzen", so Boothroyd, "dann haben wir gute Chancen".

Boothroyd kann mit Bond-Gimmicks nicht dienen

Mit ausgefallenen Überraschungen ist in diesem Matchplan nicht zu rechnen - obwohl der als "Q" bekannte Quartiermeister des britischen Geheimagenten James Bond in den ersten Filmen der 1960er Jahre noch "Major Boothroyd" hieß. Auf seinen berühmten, Geheimwaffen entwerfenden Namensvetter angesprochen, entgegnete der FA-Trainer überrascht: "Wow, das habe ich gar nicht gewusst. Das ist sehr interessant. Ich bin einigermaßen kreativ, würde aber nicht behaupten, dass ich einen Hut habe, der Stefan den Kopf abschlägt oder so etwas. Sorry, aber damit kann ich nicht dienen." Immerhin zeigte er sein Wissen über die weltberühmte Filmreihe, indem er auf die tödliche, jedoch nicht von "Q" entwickelte Kopfbedeckung von Oddjob anspielte, dem Handlanger des Bösewichtes Auric Goldfinger aus dem gleichnamigen Streifen des Jahres 1964. Goldfinger wurde seinerzeit vom deutschen Schauspieler Gert Fröbe gespielt...

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