U-21-EM: Physios, Ärzte und Co. können Gelb und Rot sehen

Schiri Stieler: Keine Experimente bei der Ouvertüre

Nathaniel Chalobah und Tobias Stieler

Souveräne Vorstellung: Der deutsche Schiedsrichter Tobias Stieler, hier mit Englands Nathaniel Chalobah. imago

Aus Krakau berichten Michael Pfeifer und Carsten Schröter

Als der Himmel über Kielce rund um den Startschuss zur diesjährigen U-21-EM seine Schleusen öffnete, waren auch die deutschen Unparteiischen, die eines von neun Schiedsrichter-Teams stellen, im Nu klitschnass. Ihrer tadellosen Spielleitung konnte der heftige Regen jedoch nichts anhaben. Schiedsrichter Stieler (35/18 Bundesliga-Einsätze in der abgelaufenen Saison/kicker-Notenschnitt 2,86, seit 2014 auf der FIFA-Liste), seine Assistenten Rafael Foltyn und Jan Seidel sowie die beiden Torrichter Daniel Siebert (33/16 BL-Einsätze/3,22) und Benjamin Brand (27/13/3,27) präsentierten sich stets auf der Höhe des Geschehens. So auch beim Foul von Englands Ben Chilwell an Linus Wahlqvist (79. Minute), als Stieler zurecht auf den Elfmeterpunkt zeigte, der Gefoulte mit seinem schwachen Strafstoß aber am starken britischen Torwart Jordan Pickford scheiterte.

Auf zwei Regelexperimente mussten die deutschen Referees, unterstützt vom slowenischen 4. Offiziellen Tomaz Klancnik, bei dieser torlosen Turnier-Ouvertüre nicht zurückgreifen. Am 1. Juni hatte das UEFA-Exekutivkomitee in Cardiff beschlossen, dass es den Trainern bei der U-21-EM erlaubt sein wird, eine vierte Auswechslung in der Verlängerung durchführen zu können. Das war bereits auch ab den Achtelfinale im DFB-Pokal 2016/17 möglich. Während dieses Regelexperiment freilich erst in der K.o.-Runde zum Tragen kommen könnte, kann die zweite, etwas kurios anmutende, vorläufige Regeländerung in allen Partien angewendet werden.

Wann gibt es Gelb und Rot für das "nicht-spielende Personal"?

Demnach können offizielle Mannschaftsbegleiter wie Physiotherapeuten, Ärzte, Co- und Fitnesstrainer, Teammanager usw., die auf der Ersatzbank sitzen, bei entsprechendem Fehlverhalten Gelbe und Rote Karten gezeigt bekommen. Der Schiedsrichter kann dazu jederzeit das Spiel unterbrechen. Während eine mündliche Ermahnung für das Betreten des Spielfelds oder das Ignorieren einer Bitte des 4. Offiziellen noch ausreichen, sind folgende Vergehen gelbwürdig: Respektlose Gesten wie sarkastisches Klatschen, das Werfen oder Treten von Trinkflaschen, das Fordern einer Gelben oder Roten Karten für den Gegner und das vorsätzliche Betreten der gegnerischen Coaching-Zone. Bei aggressivem oder körperlichem Verhalten gegenüber Gegnern oder Schiedsrichtern, beleidigendem Vokabular, einer Konfrontation mit Unparteiischen auf dem Spielfeld und für das vorsätzliche Werfen oder Treten von Gegenständen auf das Spielfeld ist die Rote Karte vorgesehen.

Diese Maßnahmen gegenüber dem "nicht-spielenden Personal" soll dazu dienen, genau zu verdeutlichen, dass ein Akteur offiziell verwarnt oder aus der technischen Zone verbannt wurde und ist Teil der "Fair-Play-Initiative" des International Football Association Board (IFAB). Die Erprobung dieser beiden neuen Regeln soll 2017 auch bei der Frauen-EM in Holland, der U-19-EM in Georgien und der U-19-EM der Frauen in Nordirland zur Anwendung kommen.

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