Bundesliga

Big Points zuhause: Der Weg des SC Freiburg nach Europa

Punkte gegen den Abstieg reichen dank Dortmund für Höheres

Big Points zuhause: Freiburgs Weg nach Europa

Ab nach Europa: Dank des Dortmunder Pokalsiegs steht der SC Freiburg in der Europa League 2017/2018.

Ab nach Europa: Dank des Dortmunder Pokalsiegs steht der SC Freiburg in der Europa League 2017/2018. imago

Nach dem fünften Aufstieg der Vereinsgeschichte war für Zweitligameister Freiburg im Sommer 2016 klar: Mit dem drittkleinsten Profietat (etwa 26 Millionen Euro) kann es nur um den Klassenverbleib gehen. Gerade nach dem bitteren Last-Minute-Knockout bei Hertha BSC (1:2) am ersten Spieltag denken nicht mal die kühnsten Optimisten im Breisgau an Europaränge, auch wenn der SC nach dem 3:1 gegen Gladbach am zweiten Spieltag zum ersten und einzigen Mal im Jahr 2016 als Sechster in den internationalen Tabellengefilden rangiert.

Weil die Streich-Elf stabil bleibt, auf oft auch derbe Niederlagen fast ausnahmslos eine erfolgreiche Antwort findet, rutscht sie in der Tabelle nie tiefer als Rang zwölf, beißt sich eher in der Nähe des achten Platzes fest. Dort überwintert der Sportclub nach einem 2:1 in Ingolstadt. Auf den damals sechstplatzierten BVB sind es vier Punkte Rückstand, viel wichtiger jedoch aus Sicht der Freiburger: die zehn Zähler Vorsprung auf den HSV, der zu dieser Zeit den Relegationsplatz belegt.

SC Freiburg - Die letzten Spiele
Düsseldorf (H)
0
:
2
Augsburg (A)
1
:
1
Trainersteckbrief Streich

Streich Christian

SC Freiburg - Vereinsdaten

Gründungsdatum

30.05.1904

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Der prüfende Blick richtet sich stets nach unten. Doch es geht nicht mehr tiefer als Rang neun. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz schmilzt nach dem überraschenden 2:5 gegen Bremen zwar kurzeitig auf sechs Zähler, in echte Abstiegsgefahr gerät der Sportclub jedoch nie. Im Gegenteil. Die folgenden 1:0-Siege in Wolfsburg und gegen Mainz lassen Freiburg zwar in erster Linie die magische 40-Punkte-Marke überspringen, sind aber gleichzeitig Meilensteine im Kampf um Europa. Platz sechs und 41 Punkte nach 29 Spieltagen ist der Lohn, die fünfplatzierte Hertha hat nur zwei Zähler mehr auf dem Konto, die Verfolger Köln, Gladbach, Frankfurt und Schalke sind allerdings auch noch dicht dran.

Starke Reaktion nach Rückschlägen

Die 0:4-Abreibung in Leipzig bleibt wegen Patzern der Konkurrenz ohne Folgen, anders als der starke 2:1-Heimsieg gegen Leverkusen, nach dem sich die Werkself von eigenen Europaträumen verabschieden muss und der SC weiter Sechster bleibt. Die Höhenluft bekommt dem Streich-Team zunächst nicht, beim abgeschlagenen Schlusslicht Darmstadt leistet sie sich ihre schlechteste Saisonleistung (0:3).

Christian Streich (SC Freiburg)

Erfolgsgarant: Christian Streich führte den SC Freiburg bereits zum zweiten Mal in den Europapokal. imago

Beeindruckend hingegen die erneute Reaktion auf einen solchen Tiefschlag. Das 2:0 gegen chancenlose Schalker ist eine erstaunliche Demonstration der Stärke, die den finanziell weitaus potenteren Gegner ins Tal der Tränen stürzt. Der zweite Big Point gegen einen früheren Europacup-Abonnenten. Die Breisgauern brillieren spielerisch, überzeugen kämpferisch und stehen erstmals auf Platz fünf. Wie am Ende der herausragenden Saison 2012/13 mit Max Kruse, Daniel Caligiuri, Matthias Ginter und Kollegen. Im Breisgau ist nun endgültig der Europarausch ausgebrochen.

Der erhält in den letzten beiden Spielen noch einen kleinen Dämpfer. Gegen Ingolstadt kommen die Streich-Schützlinge nicht über ein 1:1 hinaus, ein Sieg hätte Platz fünf oder sechs gesichert. Durch die erwartbare Niederlagen bei Münchens Meisterfeier (1:4) ist als Siebter noch eine Woche Zittern angesagt. Doch dank Dortmund heißt es 2017/18: Freiburg international oder wie es die Marketing-Abteilung des Klubs auf T-Shirts drucken ließ: Freuropa.

Qualifikation beginnt bereits im Juli

Damit die Freude anhält, muss das Streich-Team zwei strapaziöse Qualifikationsrunden der Europa League überstehen. In der dritten Runde sind die Hin- und Rückspiele auf den 27. Juli und 3. August terminiert, wodurch das traditionelle Trainingslager im österreichischen Schruns (ab 20. Juli) wohl ein paar Tage früher endet als geplant. Im Falle eines Weiterkommens steigen am 17. und 24. August die Play-offs, die Gruppenphase würde den Sportclub von 14. September bis 7. Dezember in Atem halten.

Ich habe das für unmöglich gehalten. Aber es ist irgendwie möglich geworden.

Christian Streich

Der organisatorische Mehraufwand sowie die zusätzlichen Strapazen sind für den kleinen Bundesligisten aus Südbaden zwar kein Pappenstiel, aber über allem steht die Freude auf die internationalen Herausforderungen. "Dass wir in fünf Jahren Bundesliga zum zweiten Mal im Europapokal spielen, ist Wahnsinn. Ich habe das eigentlich für unmöglich gehalten. Aber es ist irgendwie möglich geworden", sagt Christian Streich.

Carsten Schröter

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