Bundesliga

Stark lehnte Startelf-Einsatz ab

Dardais schwieriges Personal-Puzzle im letzten Spiel

Stark lehnte Startelf-Einsatz ab

Herthas Niklas Stark

Fühlte sich nicht fit und gab seinem Coach einen Hinweis: Herthas Niklas Stark. imago

Linksverteidiger Marvin Plattenhardt wollte die 90 ernüchternden Minuten gegen Bayer Leverkusen "am liebsten streichen", es war Berlins höchste Saisonniederlage. Stürmer Sami Allagui, der ablösefrei zum FC St. Pauli wechselt und bei seiner Abschiedsvorstellung per Elfmeter zum zwischenzeitlichen 2:5 traf, brachte es auf den Punkt: "Wir haben Leverkusen spielen lassen."

Zehn Gegentore in zwei Heimspielen hintereinander kassierte Hertha zuletzt im März 2012 (0:6 gegen Bayern, 1:4 gegen Wolfsburg), damals stieg Hertha am Saisonende ab. Diesmal hieß es 1:4 gegen RB Leipzig und 2:6 gegen Leverkusen. Der Hauptstadtklub ist trotz der Ergebnisdelle zum Schluss (sieben Niederlagen in den letzten zehn Spielen) in Europa dabei – bei einem Dortmunder DFB-Pokalfinalsieg direkt in der Gruppenphase der Europa League, bei einem Frankfurter Finaltriumph in der 3. Qualifikationsrunde. "Grundsätzlich wollen wir es direkt in die Gruppenphase schaffen", bekannte Kapitän Vedad Ibisevic. "Sollte es am Ende die Qualifikation werden, würde ich das auch nicht negativ sehen. Wir haben Erfahrung vom letzten Jahr, dann sollten wir es diesmal besser machen."

Vor Jahresfrist waren die seinerzeit auf Platz sieben gelandeten Berliner in der 3. Qualifikationsrunde an Bröndby IF gescheitert (1:0, 1:3). "Wir haben uns den Saisonabschluss anders vorgestellt", erklärte Ibisevic. "Aber es gibt solche Tage im Fußball, da gelingt einer Mannschaft alles und einer wenig. Trotzdem haben wir unser Ziel erreicht - so oder so."

Die geringere Laufleistung nervt Trainer Dardai

Trainer Pal Dardai wollte mit seiner Mannschaft nicht zu hart ins Gericht gehen, sagte aber auch: "Wir wollten aggressiv sein und unsere Laufbereitschaft zeigen. Es kann nicht sein, dass wir um den fünften Platz spielen und weniger laufen als der Gegner. Aber insgesamt muss ich meiner Mannschaft ein Kompliment für diese Saison machen."

Hertha war Leverkusen vom fußballerischen Vermögen und der Teamlaufleistung (Berlin: 107,1km; Leverkusen: 111,0km) am Samstag deutlich unterlegen. Mit seiner Aufstellung, die er mit gleich zwei Wechseln zur Pause korrigierte, hatte Dardai bei Beobachtern und auch in Teilen der Mannschaft für Verwunderung gesorgt. Der zuverlässige Sebastian Langkamp, in Darmstadt Gelb-gesperrt, und Herthas bester Balleroberer Per Skjelbred, zuletzt wegen einer Oberschenkelzerrung außer Dienst, blieben anfangs auf der Bank und kamen erst zur zweiten Halbzeit - beim Stand von 0:3. Die mit den beiden Linksfüßern John Anthony Brooks, der auf der ungewohnten halbrechten Position ranmusste, und Jordan Torunarigha bestückte Innenverteidigung stand nie sicher.

Vor der Abwehr war der Brasilianer Allan wie so oft ohne Kompass unterwegs und steckte Nebenmann Vladimir Darida mit seiner hektischen Betriebsamkeit an. Brooks und Allan blieben zur Pause in der Kabine. Dass Niklas Stark 90 Minuten auf der Bank blieb, sorgte allenthalben für Erstaunen. In Darmstadt (2:0) hatte sich der deutsche U-21-Nationalspieler trotz Beschwerden im rechten Fuß (Überlastungsreaktion) 81 Minuten zur Verfügung gestellt, gegen Leverkusen hatte Dardai Stark fest im defensiven Mittelfeld eingeplant.

Wenn der Fuß nicht stimmt, läuft man ein bisschen anders, dann kommen andere muskuläre Sachen auch dazu.

Niklas Stark

Nach kicker-Informationen bat Stark, der sich nicht bei 100 Prozent wähnte, den Trainer kurzfristig darum, ihn nicht in die Startelf zu berufen. Deshalb spielte Allan. Stark ist wie Weiser für die U-21-Europameisterschaft in Polen (16.-30. Juni) nominiert. Bevor sich das DFB-Team trifft, werden die Spieler einige Tage Urlaub haben. Für Stark kommen sie wegen der Blessur ("Wenn der Fuß nicht stimmt, läuft man ein bisschen anders, dann kommen andere muskuläre Sachen auch dazu.") wie gerufen, das hatte er schon vorm Leverkusen-Spiel betont: "Ich bin froh, wenn ich mich mal ein paar Tage hinlegen kann. Es tut gut, mal ein paar Tage Abstand vom Fußball zu bekommen. Ich werde die Tage nutzen, um runterzukommen."

In die U-21-EM geht er voller Vorfreude: "Wir haben einen guten Kader. Wenn wir im Trainingslager noch zusammenwachsen, haben wir gute Chancen." Bis es in Polen mit dem ersten Gruppenspiel gegen Tschechien am 18. Juni ernst wird, dürfte auch Starks Fuß wieder mitspielen.

Steffen Rohr