Bundesliga

Hecking verärgert über Pfiffe gegen Dahoud

"Wie der Abschied von der Familie"

Hecking verärgert über Pfiffe gegen Dahoud

Gladbachs Antreiber Mo Dahoud

Verlässt quasi seine Familie: Gladbachs Antreiber Mo Dahoud. imago

Als Mo Dahoud in der 73. Minute vom Platz ging, endete ein enorm wichtiges Kapitel in seiner Karriere. Umarmungen von Trainer Dieter Hecking und Sportdirektor Max Eberl, Abklatschen mit den Mitspielern, die ab sofort die Ex-Kollegen sind: Nach sieben Jahren am Niederrhein wechselt Borussias Top-Talent für zwölf Millionen Euro zu Borussia Dortmund, wo er einen Vertrag bis 2022 unterschrieb.

Dass ein Teil der Anhängerschaft den Abschied mit Pfiffen begleitete, registrierte Dieter Hecking freilich angesäuert. "Ein außergewöhnlicher Fußballer, der einen anderen Abschied verdient gehabt hätte, auch wenn nur ein Teil der Fans gepfiffen hat. Aber das ist die Fanseele", meinte der Borussen-Trainer, "das wird in Dortmund auch nicht anders sein, Das muss Mo lernen."

Ein außergewöhnlicher Fußballer, der einen anderen Abschied verdient gehabt hätte, auch wenn nur ein Teil der Fans gepfiffen hat. Aber das ist die Fanseele.

Dieter Hecking

Dortmund ist ein logischer Schritt für den unermüdlichen Mittelfeld-Antreiber, der auf dem Spielfeld durch ein enormes Laufpensum und kluge Pässe auffällt. Ständig bietet er sich an und fordert den Ball, hat meist gute Ideen, um mit wohltemperierten Pässen eine gegnerische Abwehr auszuhebeln. In Dortmund wird er weiter in der Champions League spielen und international in den Fokus rücken. Und bleibt dabei doch in der Nähe der Familie und Freunde, was dem in Langenfeld (zwischen Düsseldorf und Köln) geborenen Dahoud enorm wichtig ist.

So auffällig der Mittelfeldmann auf dem Rasen auch agiert, so "unsichtbar" ist er abseits des Platzes. Interviews gibt es nur ungern, der Verein schirmte ihn weitgehend ab. Über seine Befindlichkeiten beim Abschied sprach Dahoud denn auch vor allem mit Vereinsmitarbeitern. "Für mich fühlt es sich ein wenig so an, als würde ich jetzt zu Hause von der Familie ausziehen. Doch irgendwann steht dieser Schritt für jeden im Leben an", wird der 21-Jährige auf der Gladbacher Homepage zitiert. "Ich bin Borussia Mönchengladbach sehr dankbar, dass ich hier groß werden durfte. Das bedeutet mir sehr viel, der Klub wird deshalb auch immer in meinem Herzen bleiben."

Zwischen Borussia und Borussia liegt die U-21-EM

Bevor er sich in Dortmund in die Vorbereitung auf die neue Saison stürzt, wartet auf Dahoud aber noch eine sportliche Aufgabe. Er gehört zum Kader der deutschen U-21 bei der EM in Polen (16. bis 30. Juni). "Das Niveau wird sehr hoch sein", vermutet Dahoud. "Aber wir haben eine gute Mannschaft und können viel erreichen. Ich versuche aber, mir gar nicht so viele Gedanken zu machen, sondern einfach zu spielen - dann wird man sehen, wofür es am Ende reicht."

Nicht so viele Gedanken machen, einfach spielen - damit hat Dahoud es schon sehr weit gebracht. Andre Schubert förderte ihn bei den Profis, zuletzt Dieter Hecking, und unter Lucien Favre gehörte Dahoud erstmals in der Bundesliga zur Gladbacher Startelf. Gut möglich, dass er seinen alten Trainer und Förderer demnächst in Dortmund wiedertrifft.

Oliver Bitter

Bilder zur Partie Bor. Mönchengladbach - SV Darmstadt 98