Hertha BSC verliert neuntes Auswärtsspiel in Serie

Langkamp: "Mittlerweile bisschen unheimlich"

Sebastian Langkamp

Konsterniert: Herthas Sebastian Langkamp nach dem 0:2 bei Werder Bremen. picture alliance

Herthas Gastspiel im Weserstadion war gerade einmal eine Viertelstunde alt, da war die Partie im Grunde schon gelaufen. "Wir haben die ersten 15 Minuten komplett verschlafen", suchte Salomon Kalou nach Gründen für die Niederlage. Fürwahr: Beim 0:1 durch Fin Bartels (9.) lud die Mannschaft von Trainer Pal Dardai Bremen zum Kontern geradezu ein, beim 0:2 profitierte Max Kruse von einem bösen Patzer Rune Jarsteins (15.). Vorwürfe wollten seine Mitspieler dem Torwart aber nicht machen: "Letzte Woche hat er uns den Arsch gerettet, heute hat er einen Fehler gemacht - das ist Fußball", erklärte Vedad Ibisevic lapidar.

Herthas bisher besten Torjäger in dieser Spielzeit (12 Treffer) ärgerte mehr die Entstehung des Führungstreffers, als Werder nach einem abgefangenen Freistoß von Vladimir Darida einen mustergültigen Konter von der eigenen Strafraumgrenze vortrug: "Wir haben ganz genau gewusst, dass sie konterstark sind, und wollten das unbedingt vermeiden. Leider ist es uns nicht gelungen. Wenn du 0:2 hinten bist", erklärte Ibisevic, "ist es dann schwer zurückzukommen".

Jarstein selbstkritisch: "Darf so nicht passieren"

Aus dem Auftritt nach der Pause wollen die Berliner aber Mut schöpfen. Hertha präsentierte sich im zweiten Durchgang deutlich agiler und präsenter und kam durch Kalou (52., 72., 80.), Darida (63.) und Ibisevic (83.) zu nennenswerten Torchancen. "Wir müssen die zweite Halbzeit mitnehmen und die erste vergessen", brachte es Jarstein auf den Punkt. "Die zwei Tore waren absolut unnötig", befand der in der Vorwoche beim 1:0 gegen den VfL Wolfsburg noch so überragende Norweger. "Das zweite Tor darf so nicht passieren", zeigte er sich selbstkritisch, nachdem er Bartels in der 15. Minute völlig unbedrängt den Ball in den Fuß spielte und der nur noch auf Kruse querlegen musste.

Offensichtlich wurde in Bremen auch, dass Hertha den Qualitätsverlust durch die Verletztenmisere nicht adäquat auffangen kann: Zusätzlich zu Niklas Stark (Überlastungsreaktion im rechten Fuß), Mitchell Weiser, Fabian Lustenberger, Sinan Kurt (alle Aufbautraining), Valentin Stocker (Oberschenkelprobleme) und Julian Schieber (Reha nach Knorpel-OP) fielen vor dem Gastspiel an der Weser auch noch John Anthony Brooks mit einem Muskelfaserriss im Hüftbereich und Marvin Plattenhardt mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel aus.

"Wir wollen das Beste aus der Situation machen, überhaupt keine Frage", zeigte sich Ibisevic kämpferisch. "Auch keine Frage", so der Hertha-Kapitän, sei es, "dass die jungen Spieler Qualität haben. Aber die Erfahrung fehlt. Es ist klar, dass sie nicht die gleiche Leistung bringen können wie die, die uns fehlen. Das ist aber kein Grund gewesen", stellte der 32-Jährige klar, "warum wir verloren haben".

Wir gehen gerade auf dem Zahnfleisch. Unser Verletzungspech wird gnadenlos bestraft.

Sebastian Langkamp

Ähnlich sah es Langkamp: "Es soll keine Ausrede sein, aber wir gehen gerade auf dem Zahnfleisch. Unser Verletzungspech wird gnadenlos bestraft." Auch die Auswärtsmisere macht dem Verteidiger zu schaffen: "Insgesamt ist es einfach zu wenig - und mittlerweile auch ein bisschen unheimlich." Herthas letzter Erfolg in der Fremde liegt nun schon fast fünf Monate zurück: Am 3. Dezember des Vorjahres gewann der Hauptstadtklub mit 3:2 beim VfL Wolfsburg. "Ich bin froh, nächste Woche wieder ein Heimspiel zu haben", richtete der 29-Jährige deshalb schon den Blick auf die Aufgabe gegen RB Leipzig am kommenden Samstag (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de). Im heimischen Olympiastadion läuft es für die immer noch auf Rang 5 platzierten Berliner schließlich deutlich besser als auswärts: 37 ihrer bisher 46 Zähler holte Hertha zu Hause.

fi