Stadtrivale AC Milan lebt einen anderen Geist vor

Inter Mailand und die Europa League? Nein danke!

Antonio Candreva (vorne)

Niedergeschlagen: Antonio Candreva (vorne) & Co. nach der Pleite in Crotone. Getty Images

"Mit der Einstellung wie in der ersten Hälfte gewinnt man kein Spiel", hatte Inter-Sportdirektor Piero Ausilio am Sonntag nach dem peinlichen 1:2 bei Abstiegskandidat Crotone lautstark gewettert. "Das Team war oberflächlich, arrogant, inakzeptabel." In der Tat war die Leistung katastrophal: Die Mailänder hatten bereits nach 22 Minuten mit 0:2 zurückgelegen - und von großer Aufholjagd war anschließend ebenfalls wenig bis nichts zu sehen gewesen.

Zack, rutschte Inter mit der zweiten Niederlage in Serie und der ersten Pleite in der Region Kalabrien seit 17 Jahren auf Rang sieben ab - und Stadtrivale Milan (souveränes 4:0 gegen Palermo) sprang auf Platz sechs. Sollte Spitzenreiter Juventus das Pokalfinale gegen Lazio gewinnen, würde dieser auf jeden Fall zur Europa-League-Teilnahme reichen.

Trainersteckbrief Pioli

Pioli Stefano

Trainersteckbrief Montella

Montella Vincenzo

Inter Mailand - Vereinsdaten

Gründungsdatum

09.03.1908

Vereinsfarben

Blau-Schwarz

AC Mailand - Vereinsdaten

Gründungsdatum

16.12.1899

Vereinsfarben

Rot-Schwarz

Serie A - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Juventus Turin
77
2
AS Rom
71
3
SSC Neapel
67

Europa League? Nein danke!

Doch dort will Inter offenbar gar nicht hin! Denn auf die kleine Europa League würden die Mailänder gerne verzichten, um sich optimal auf die neue Spielzeit vorbereiten zu können. Während der geplanten Sommertournee für 3,5 Millionen Euro Startgeld mit Spielen gegen die Bayern und Chelsea sowie dem Derby gegen Milan soll ein rauschendes Marketing-Event am Hauptsitz der Suning-Besitzer in Nanjing stattfinden, mit dem der Verein die Werbetrommel für den asiatischen Markt kräftig rühren soll. Da passen andere Pflichttermine wie die EL so gar nicht ins Konzept - zumal man als Fünfter oder Sechster in die Qualifikation (27. Juli/3. August) müsste. Die geplante Asien-Tour fiele dann aus - sehr zum Unmut von Suning-Präsident Zhang Jindong.

Auf das fehlende Geld aus dem Europa-League-Topf ist der Mailänder Klub, der seit dem Triple-Jahr 2010 auf einen Meistertitel wartet, auch gar nicht angewiesen. Die chinesische Führung plant einen zukunftsorientierten Kader für die nächsten Jahre: Für Neuzugänge sind bereits 100 Millionen Euro plus künftige Einnahmen aus Verkäufen der anwesenden Stars geplant. Marcelo Brozovic und Ivan Perisic, der bereits mit Manchester United in Verbindung gebracht wird, brächten definitiv große Summen ein. Daneben könnten die Lombarden durch Transfers von Stevan Jovetic (aktuell an Sevilla ausgeliehen), Ever Banega, Andrea Ranocchia oder Yuto Nagatomo das Financial Fairplay erfüllen und das Personal grundlegend umstrukturieren.

Milan-Coach Montella: "Ich spiele lieber die Europa-League-Qualifikation"

Vincenzo Montella

Auf in die Europa League: Milan-Coach Vincenzo Montella. Getty Images

Sicherlich ein fragwürdiges Konzept, sollte im eigentlichen Sinne des Fußballs doch der sportliche Erfolg im Vordergrund stehen. Dieser Richtung scheint offenbar Stadt- und Erzrivale Milan zu verfolgen.

Zwar weiß bei den Rossoneri vor der geplanten Übernahme der chinesischen Investoren (Sino-Europe Sports Investment Management Changxing) am kommenden Donnerstag niemand so richtig deren Vorhaben. "Ich kenne deren Planungen nicht und weiß noch weniger, ob sie mich in der nächsten Saison überhaupt halten wollen," sagt Vincenzo Montella dazu. Dennoch schätzt der Milan-Coach die sportliche Lage anders als die Konkurrenz von Inter ein: "Ich spiele lieber im Juli die Europa-League-Qualifikation als einen Freundschaftskick in Australien gegen Bayern."

mag/obi