Köln: Rückkehrer stellt ein Schlüsselelement dar

Wann setzt Stöger auf den Bittencourt-Effekt?

Leonardo Bittencourt

Provoziert mit seinem unorthodoxen Spiel Fehler beim Gegner: Leonardo Bittencourt. Getty Images

Von einer besonderen Signalwirkung, die der Ausgang des Derbys haben könnte, möchte Jörg Schmadtke eigentlich nichts wissen. "Dieses Derby hat immer die gleiche Signalwirkung, weil es für beide Fan-Lager sehr bedeutsam ist - völlig unabhängig vom Tabellenstand", erklärt Kölns Manager, der aber die besondere Chance seines FC im Duell mit der Borussia nicht verneint: "Dadurch, dass wir vier Punkte Vorsprung auf Gladbach haben, kriegt das Derby nochmal einen besonderen Reiz und vielleicht bringt es etwas mehr Druck für die Gladbacher: Bei einer Niederlage für Gladbach wird es für die Borussia schwer, uns nochmal zu kriegen." Dann hätte der FC sechs Spieltage vor Schluss sieben Zähler Vorsprung und eine hervorragende Ausgangsposition für den Kampf um die Europa-League-Plätze.

Dass diesem die Qualität abgesprochen wird, stört Schmadtke: "Da wird von einem Schneckenrennen gesprochen. Doch gegenüber dem Vorjahr hat der Fünfte gerade mal zwei Punkte weniger. Da frage ich mich, wo der große Unterschied ist." Der liegt allein darin, dass die aktuell auf den Plätzen 5 bis 8 rangierenden Teams aus Köln, Berlin, Freiburg und Frankfurt in der Rückrundentabelle die Plätze 9, 15, 8 und 17 belegen und sich so nicht gerade auf der Überholspur befinden.

Bittencourt von Beginn an - oder doch als Joker?

Ein Sieg gegen Gladbach wäre allerdings der dritte Kölner Dreier aus den dann zuletzt gespielten vier Bundesligapartien und somit ein Zwischenspurt im Wettlauf um die Plätze für Europa. Ob dies gelingt, hängt auch an einer Personalentscheidung: Wieviel Spielzeit kann Peter Stöger dem gerade von Oberschenkelproblemen genesenen Leonardo Bittencourt gewähren?

Dessen Bedeutung fürs FC-Spiel ist unumstritten und zeigte sich auch beim 1:0-Erfolg gegen Frankfurt, als der Offensivspieler nach der Halbzeit eingewechselt wurde. Schmadtke beschreibt Bittencourts besonderes Moment so: "Leo ist ein Spieler, der den Gegner sehr unorthodox anläuft und weiß, dass er dadurch den Defensivspielern auf die Nerven geht und Fehler provoziert." Am Dienstag war dies ein entscheidender Effekt. Schmadtkte: "Er hat uns gegen Frankfurt geholfen, weil er das Spiel verändert und belebt hat. Wir waren mutiger und haben davon profitiert."

Vor dem Derby stellt sich nun Stöger die Frage: Was ist die bessere Lösung? Sofort auf den Bittencourt-Effekt zu setzen und den 23-Jährigen von Beginn an bringen, solange ihn die Füße tragen? Oder lieber wie gegen Frankfurt durch den Joker Bittencourt dem Spiel den entscheidenden Impuls geben? "Das ist ein Abwägungsprozess", weiß Schmadtke, "da brauchst du Gefühl für die Situation". Dass Stöger dieses besitzt, hat er schon zur Genüge nachgewiesen.

Es wird für den Trainer dennoch knifflig. Bittencourts Einsatz gegen Frankfurt war mit einem gewissen Risiko verbunden. Schließlich meldete sich der schnelle Dribbler erste am Spieltag einsatzbereit. Und auch am Samstag besteht die Gefahr, dass Bittencourt einen (längeren) Einsatz nicht gut verkraftet und sich erneut verletzt.

Osako frühestens in Augsburg wieder dabei

Nochmal schwieriger wird es für Stöger, da ihm ein anderer Akteur weiterhin fehlt, der ebenfalls als Verbindungsspieler zwischen dem Mittelfeld und Sturmspitze Anthony Modeste fungieren kann - wenn auch auf ganz andere Art und Weise: Yuya Osako, fußballerischer Feingeist mit überragender Ballbehauptung und hoher Spielintelligenz, trainiert zwar wieder mit dem Ball, fällt im Derby wegen einer Kapselverletzung im Knie aber definitiv aus. Frühestens beim Spiel in Augsburg ist der Japaner wieder einsatzfähig. "Da könnte er eine Option werden. Dafür darf es aber keine Störungen mehr geben", sagt Schmadtke, der darauf hinweist, dass der Heilungsverlauf bei solchen Verletzungen "schwer zu prognostizieren" ist.

Osako kann noch nicht helfen. Bittencourt wohl noch nicht über 90 Minuten. So lautet eine womöglich entscheidende Frage im Derby: Wann setzt Stöger auf den Bittencourt-Effekt?

Stephan von Nocks