Bundesliga

Mats Hummels: "Wir haben reagiert, nicht agiert"

Nationalverteidiger im Interview

Hummels: "Wir haben reagiert, nicht agiert"

Sichtlich angesäuert: Mats Hummels nach dem Schlusspfiff in Sinsheim.

Sichtlich angesäuert: Mats Hummels nach dem Schlusspfiff in Sinsheim. imago

kicker: Herr Hummels, wie bewerten Sie das Spiel und Ergebnis in Hoffenheim?

Hummels: In der ersten Halbzeit waren wir ganz schwach unterwegs. Da haben wir die sowieso schon starken Hoffenheimer noch stärker gemacht - mit unseren Ballverlusten vor allem in den ersten zehn Minuten und mit unserer Passivität gegen den Ball. Da lag Hoffenheim hochverdient in Führung, da konnte es auch 2:0 stehen. In der zweiten Halbzeit war es ein komplett anderes Bild, da haben wir richtig Druck gemacht und hatten einen Haufen Chancen. Da haben wir es einfach verpasst, das 1:1 zu machen. Wir hatten genug Möglichkeiten und haben sie teilweise selbst vergeben, teilweise wurden sie gehalten oder von Verteidigern geklärt. Im Großen und Ganzen hätten wir am Ende auf jeden Fall den Ausgleich verdient gehabt.

Spielersteckbrief Hummels

Hummels Mats

Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Bayern München
65
2
RB Leipzig
55
3
TSG Hoffenheim
51

kicker: Was bedeutet dieses Ergebnis für die heiße Saisonphase, gerade für die großen Spiele gegen Borussia Dortmund und Real Madrid?

Hummels: Vielleicht war es noch einmal ein gutes Zeichen für uns, dass wir mit einer so leicht passiven Haltung nicht halb so gut sind, wie wenn wir richtig aktiv sind - weil sich das Verhalten ohne Ball immer auf das Verhalten mit Ball überträgt. Wenn man ohne Ball zu passiv ist, wird man auch mit Ball ein bisschen nachlässig und fahrig. Das war in der ersten Halbzeit der Fall. In der zweiten Halbzeit hat man gesehen, wie viel es ausmacht, wenn wir richtig Leben reinbringen: Dann können wir eine der aktuell stärksten deutschen Mannschaften in ihrem Stadion komplett nicht nur in die eigene Hälfte, sondern ins letzte Abwehrdrittel drücken.

Jede Mannschaft ist immer schlagbar!

Mats Hummels

kicker: Wieso war der FC Bayern vor der Pause hinten so offen?

Hummels: Wegen der Ballverluste. Die ersten drei Großchancen waren jeweils nach Ballverlusten. Da standen wir komplett offen, weil wir das Spielfeld groß gemacht und den Ball viel zu einfach hergegeben haben. Aus dem laufenden Spiel heraus war es besser, aber auch da hatten wir nicht ganz den Zugriff, weil wir eben passiv und zögerlich waren. Wir haben reagiert, nicht agiert, auch nicht ohne Ball.

kicker: Wie kann das dieser Mannschaft passieren? Ging beim 6:0-Sieg gegen Augsburg am vorigen Samstag alles zu leicht?

Hummels: Das passiert einfach. Wir waren nicht auf allen elf Positionen direkt da, deshalb brauchten wir einen kleinen Weckschuss.

kicker: Also sind auch die Bayern menschlich?

Hummels: Ich habe nie etwas anderes behauptet.

kicker: Sagt dieses Ergebnis den Bayern-Spielern und der starken Konkurrenz, die in den kommenden Wochen kommt, dass auch die Bayern schlagbar sind?

Hummels: Jede Mannschaft ist immer schlagbar. Deshalb glaube ich nicht, dass irgendeine Mannschaft von denen, die jetzt kommen, von vornherein aufgegeben hätte, wenn wir gegen Hoffenheim 1:1 gespielt oder sogar noch gewonnen hätten.

kicker: Ist die Meisterschaft für Sie trotz der Niederlage für den FC Bayern durch?

Hummels: Ich glaube nicht, dass es durch ist. Sobald es sich nicht mehr ändern kann, dann ist es durch. Bis dahin ist im Fußball alles möglich.

Interview Karlheinz Wild

Bilder zur Partie TSG Hoffenheim - Bayern München