HSV-Innenverteidiger denkt über Abschied nach

Wegen Kapitänsentzug: Enttäuschter Djourou kritisiert Gisdol

Sakai und Djourou

Ein Ablenkungsmanöver des Trainers? Im November verlor Johan Djourou die HSV-Kapitänsbinde an Gotoku Sakai. imago

Es ist ein bewegendes Interview, das Djourou der "Aargauer Zeitung" gab. Der 30-Jährige spricht bemerkenswert offen über Themen wie Donald Trump, seine Adoption, seine kuriosen Familienverhältnisse und das (nicht immer einfache) Leben als Fußballprofi.

Emotional wird Djourou auch beim Thema Hamburger SV und insbesondere beim Thema Kapitänsamt. Im November 2016 verlor er die Binde, Trainer Markus Gisdol gab sie an Gotoku Sakai weiter. "Wenn ein Trainer denkt, ein Wechsel sei aus bestimmten Gründen nötig, dann habe ich Verständnis dafür. Kein Verständnis habe ich, wenn es um Dinge geht, die jemand - also in diesem Fall ich - gemacht haben soll."

Konkret geht es um das Spiel gegen Borussia Dortmund (2:5). Erstmals agierte der HSV mit einer Dreierkette, bestehend aus Cleber, Emir Spahic und eben Djourou (alle kicker-Note 6). "Zum ersten Mal überhaupt. Nach zwei Tagen Training", so der Schweizer Nationalspieler. "Wir sahen nicht gut aus, danach fragten die Medien: Was war das für eine Entscheidung des Trainers? Ich sagte: 'Wir haben die Dreierkette nur zwei Tage trainiert, also fehlen die Automatismen. Aber wir sind groß genug und alle Profis, dass wir das umsetzen können sollten.' Es wurde mir als Kritik am Trainer ausgelegt."

Dies sei letztlich der Grund für seine Absetzung gewesen, auch wenn Gisdol öffentlich erklärte, er wolle "eine neue Kultur in die Mannschaft bringen" . "So sagte er das gegenüber den Medien. Es war in einer Zeit, in der die Debatten begannen, ob der Trainer weg muss. Es machte den Eindruck, dass der Trainer das Problem an einen anderen Ort zu verschieben versuchte. Damit die Leute über ein Thema zu reden hatten - also den Captain-Wechsel."

Ich habe schwierige Wochen hinter mir, ganz klar.

Johan Djourou

Für Djourou war der Entzug der Kapitänsbinde offenbar ein wesentlicher Grund, warum er den Verein im Winter verlassen wollte. Zudem hatte sich der HSV entschieden, mit Kyriakos Papadopoulos und Mergim Mavraj zwei Innenverteidiger zu verpflichten. "Deshalb wollte ich im Januar weg", so Djourou. "Ich hatte Angebote. Sie sagten dann aber: 'Nein, wir brauchen dich. Du bist so wichtig!' Und dann spiele ich trotzdem nicht." Beziehungsweise nur viermal: Ein Kurzeinsatz beim 1:0 gegen Leverkusen, eine Einwechslung nach Papadopoulos' Verletzung gegen Freiburg (2:2) und ein Startelfeinsatz beim FC Bayern (0:8) stehen in der Liga zu Buche. Zudem durfte er im Pokal-Achtelfinale gegen Köln (2:0) ran. Angebote hatte er laut eigener Aussage aus England (am konkretesten von Crystal Palace) und aus der Türkei.

"Mal schauen": Djourous Zukunft ungewiss

Wie geht es nun weiter mit Djourou? Sein Vertrag läuft im Sommer aus. "Mal schauen", sagt der Verteidiger, "Sie wissen, wie ich das meine. Ich bin und bleibe Profi. Aber mir bleiben noch drei Monate Vertrag. Und ich habe weiterhin Angebote." Abgeschlossen hat er mit seiner Zeit in der Hansestadt aber noch nicht. "Für den HSV zu spielen, ist etwas Besonderes. Der Druck ist viel höher als anderswo. Es ist meine vierte Saison hier. Ich hatte acht Trainer und drei Sportchefs. Das sagt doch einiges aus, oder?" Er habe mit dem HSV "riesige Emotionen erlebt. Denken Sie nur an die Relegationsspiele gegen Karlsruhe. Die Rettung in letzter Sekunde. Das sind Emotionen pur."

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