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Guardiola nach Duell mit Klopp: Erinnerungen an Dante

Seltsames Lob und einer der glücklichsten Tage

Guardiola: Erinnerungen an Dante

Pep Guardiola

Zum Niederknien: Pep Guardiola feierte seine Mannschaft. imago

Wer am Sonntagabend das Glück hatte im Etihad Stadium dabei gewesen zu sein, durfte nach kurzweiligen 90 Minuten von einem tollen Fußballspiel berichten. Englisches Wetter, hohes Tempo, Zweikämpfe und Spannung bis zur letzten Sekunde – nur ein paar Tore fehlten am Ende des letztlich leistungsgerechten 1:1, das gut und gerne auch 3:3 hätte ausgehen können.

Dabei wogte die Partie hin und her. ManCity startete bärenstark, während das Team von Jürgen Klopp anfangs noch nicht präsent genug war und kaum ins Pressing kam. Doch die Reds bissen sich rein, waren bis zur Pause auf Augenhöhe. Nach dem Wechsel lag Liverpool durch einen Elfmeter von Milner sogar in Front (51.) und hatte im Anschluss eigentlich alles im Griff. Klopp gab später zu, dass er insgeheim dachte "Los jetzt! Macht den Deckel drauf!"

Doch die Citizens feierten ein Comeback, erzielten nicht nur den Ausgleich (De Bruyne auf Aguero), sondern hatten, genau wie die Gäste, die Chance, die Partie zu entscheiden. Nach dem Abpfiff sah man einen aufgewühlten Guardiola. Kein Wunder, blickte er doch auf eine ganz schwierige Woche zurück. Denn das frühe Aus in der Champions League traf den Klub ins Mark, denn gerade den internationalen Glanz wollte man sich mit der Verpflichtung von Guardiola in den Klub holen – es wurde wieder nichts.

Guardiola: "Ich bin so stolz"

Nur vier Tage nach dem Scheitern in Monaco (1:3) stellte er sich also vor die Presse und sprach nach der Punkteteilung gegen Liverpool von einem seiner "glücklichsten Tage als Trainer. Ich bin so stolz." Die etwas ungläubige Nachfrage eines Reporters beantwortet er mit den Umständen, die in Manchester in den letzten Tage geherrscht hätten. Das müsse man bedenken. Außerdem hätte man ja gegen ein Team mit "außergewöhnlichen Spielern" gespielt, das die ganze Woche Zeit gehabt hätte, sich auf die Partie vorzubereiten. "Deswegen bin ich so glücklich", unterstrich er nochmals und blickte schon voraus. "Mehr als zuvor möchte ich dem Verein dabei helfen, in den nächsten Jahren die nächste Stufe zu erreichen – falls der Verein das mit mir will."

Stones ist eine "Persönlichkeit mit Eiern"

John Stones und Pep Guardiola

In Monaco sah es noch nicht nach Sonderlob aus: Pep Guardiola "spricht" mit John Stones. imago

Relativ unverhofft kam in der Pressekonferenz auch noch John Stones zu besonderen Ehren, denn Guardiola hielt ein Plädoyer für seinen Abwehrspieler, der im Sommer für viel Geld vom FC Everton gekommen war, aber doch nur selten zu überzeugen wusste. Und auch in Monaco war die Defensive mit drei Gegentreffern einmal mehr viel zu anfällig und Guardiola sichtlich sauer auf seinen Spieler. Nachtragend ist der Katalane offenbar nicht.

"John Stones hat mehr Persönlichkeit als jeder andere hier im Raum", erklärte Guardiola der versammelten Presse und schob gestikulierend hinterher: "Er hat mehr Eier als jeder hier. Ich bin froh, ihn zu haben." Trotz seiner Fehler liebe er ihn. "Er steht unter Druck. Die Leute kritisieren ihn und sagen, dass er nicht wieder spielen wird. Bei diesem Trainer ist es nicht einfach, als Innenverteidiger zu spielen, aber ich bewundere meine Innenverteidiger."

Das klang dann schon etwas verwunderlich euphorisch, Klopp erklärte lachend: "Er ist Spanier. Die sind ein bisschen emotionaler als Deutsche." Doch der Ex-Dortmund-Coach hätte sich genauso gut an eine Szene erinnern können, die gerade mal zwei Jahre her ist. Da trafen der BVB und der FC Bayern aufeinander – die beiden Trainer damals wie heute hießen Klopp und Guardiola.

Guardiola: "Ich hätte gern 1000 Dantes in meinem Team"

Dante

Musste nach Guardiolas Sonderlob den Verein verlassen: Dante.

Bayern gewann mit 1:0 und Guardiola pickte sich Dante heraus. Der Brasilianer musste sich nach dem WM-Debakel in der darauffolgenden Saison auch reichlich Kritik anhören. "Ich möchte Dante diesen Sieg widmen. Er ist ein unglaublich wichtiger Spieler für uns", tönte Guardiola. "Er hat wenig gespielt in der letzten Zeit, aber er ist unheimlich wichtig. Er ist ein toller Spieler. Ich hätte gern 1000 Dantes in meinem Team."

Doch er hatte nur diesen einen Dante und den ließ er im folgenden Sommer zum VfL Wolfsburg wechseln. Stones sollte die Lobeshymne also nicht allzu ernst nehmen. Denn als sicher gilt, dass Guardiola Manchester City im Sommer umbauen wird.

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kicker.tv Hintergrund

Guardiolas Plädoyer für Stones: "Persönlichkeit mit Eiern"

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