Schalke: Sportvorstand nur "von einer Viertelstunde erschrocken"

Heidels fragwürdige Analyse nach schlechter Leistung

"Ich bin erschrocken von einer Viertelstunde": Schalkes Sportvorstand Christian Heidel.

"Ich bin erschrocken von einer Viertelstunde": Schalkes Sportvorstand Christian Heidel. imago

Ob er erschrocken von der Leistung der Schalker ist? Christian Heidels Antwort fiel überraschend aus. "Ich bin erschrocken von einer Viertelstunde", sagte Schalkes Sportvorstand, der sich auf die Phase der Partie Mitte der zweiten Hälfte bezog, in der sich die Schalker mit drei Gegentreffern zerlegen ließen. "Wenn wir die drei Fehler nicht machen, könnte das hier auch 1:1 ausgehen."

Es ist eine Kurz-Analyse, die Fragen aufwirft. Reden die Schalker ihre Probleme schön? Oder erkennen sie sie nicht einmal? Ein Sprichwort besagt: Man kann auch sehenden Auges ins Verderben rennen . . . Gegen Gladbach trat die Mannschaft nicht nur 15 Minuten lang erschreckend auf, sondern sie leistete sich bei schonungsloser Betrachtung auch in der übrigen Spielzeit fatale Fehler.

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Schon nach 28 Sekunden hatte Schalke Glück, dass Raffaels Schuss das Tor verfehlte. Nach dem 0:1 (28.) regte sich Benedikt Höwedes auf dem Platz zu Recht über Alessandro Schöpfs Abwehrverhalten auf. Auf kicker-Nachfrage erklärte Höwedes später beschwichtigend: "Fabian Johnson kreuzt von hinten rein, ich achte aber auf meinen Gegenspieler, im nächsten Moment ist Johnson drei Meter vor mir, weil er aus vollem Lauf kommt." Schöpf beteuerte zwar, Höwedes gewarnt zu haben, doch das war bei der Lautstärke wohl untergegangen. Generell findet Höwedes, "dass man im Strafraum immer mit dem Gegenspieler mitgehen muss".

Weinzierl stellt schon nach 20 Minuten um

Dem 0:1 vorausgegangen war ein Gladbacher Angriff über die linke Schalker Seite - wie so oft in dieser Partie. Matija Nastasic ließ Patrick Herrmann gewähren. Apropos Nastasic: Seinen Plan, Holger Badstuber wie schon gegen den FC Bayern links in der Abwehrkette zu positionieren und Nastasic ins Defensivzentrum zu stellen, revidierte Weinzierl mit Blick auf den schnellen Herrmann bereits nach nicht einmal 20 Minuten. Herrmann war dabei nicht der einzige Grund. Denn Nastasic hatte wegen eines Fouls an Johnson schon nach 18 Minuten Gelb gesehen und war entsprechend gelb-rot-gefährdet. Ganz schlechte Ausgangslage für einen zentralen Abwehrspieler.

Ralf Fährmann avancierte zum besten Schalker

Was sonst noch schief lief? Eine Menge. Nächstes Beispiel: Schalke lud Gladbach zu Kontern geradezu ein. Trainer Weinzierl hatte es seinen Spielern ausdrücklich untersagt, das Zentrum preiszugeben - sein Personal gab sich die größte Mühe, die Traineranweisungen zu missachten. So entstanden nicht nur weitere Gegentreffer in der von Heidel angesprochenen Viertelstunde, sondern zusätzliche Chancen der Gladbacher. Allein zwischen der 53. und 76. Minute kam Gladbach zu sieben dicken Gelegenheiten. Vor allem in dieser Phase avancierte Ralf Fährmann zum besten Schalker. Er bewahrte Schalke vor weiteren Gegentreffern, etwa mit tollen Paraden gegen Stindl (53.) und Raffael (74.).

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"Nach fünf Minuten hatten wir Gladbach im Griff", sagte Heidel und bezog sich damit auf das Spiel vor der Pause. "Wir hatten Phasen mit fast 70 Prozent Ballbesitz, haben es dabei nur spielerisch nicht geknackt." Genau das war aber der Casus Knacksus. Schalke demonstrierte in der ersten Halbzeit Ballgeschiebe in Perfektion, nicht ohne Grund hatten die Spieler in der Dreierkette (Höwedes, Badstuber, Nastasic) die meisten Ballaktionen. Benjamin Stambouli schaltete sich mit ein, hin und wieder auch Nabil Bentaleb. Heidel lobte: "Wir haben nicht die Bälle nach vorn gedonnert, wie zum Beispiel gegen Frankfurt." Mittelfeldspieler Leon Goretzka meinte: "Es ist mir definitiv lieber, wenn wir die Ballkontrolle haben und auf Lösungen warten. Das sollte unser Plan sein." Dazu gehört aber auch ein Plan in offensiver Hinsicht.

Nach vorn fehlte jedoch jegliche Bindung. Während sich die Gladbacher insgesamt zwölf gute Chancen erarbeiteten, kamen die Schalker gerade einmal auf drei. Zwei waren drin: Bentalebs 1:1 per Strafstoß und Goretzkas 2:4 per Kopf. Die dritte Gelegenheit verfehlte das Tor (Kopfball von Guido Burgstaller, 47. Minute).

Di Santo hinterlässt viele Fragezeichen

Und dann war da in der Nachspielzeit noch diese Schwalbe von Franco di Santo, den Weinzierl überraschend nach mehr als viermonatiger Verletzungspause mit ins Aufgebot genommen hatte. Der Stürmer (nach 71 Minuten eingewechselt) hatte sich den Ball schon an Torwart Yann Sommer vorbeigelegt und hätte nur noch zum 3:4 einzuschieben brauchen, ließ sich dann aber fallen. Dafür gab es Gelb, der Argentinier hinterließ mit seiner Aktion viele Fragezeichen.

Das alles sind jetzt nur die auffälligsten Dinge, die beim FC Schalke in Gladbach schiefgelaufen sind. Nicht in 15 Minuten, sondern in 90.

Toni Lieto

Bilder zur Partie Bor. Mönchengladbach - FC Schalke 04