Der Ex-Wolfsburger über seine Zeit im Reich der Mitte

Misimovic über China: Akupunktur, Hummer vor dem Spiel

Anthony Caceres gegen Zvjezdan Misimovic

Auch in China die Nummer 10: Zvjezdan Misimovic, hier im Trikot von Guizhou Renhe im Jahr 2013. Getty Images

Es ist offenbar eine andere Welt, in die man als Fußballer in China eintaucht. Aber was genau ist denn so anders? "Alles", sagt Misimovic klipp und klar: "Die Mentalität, die Organisation, vor allem auch das Essen." Der inzwischen 34-Jährige, der 2009 mit dem VfL Wolfsburg die deutsche Meisterschaft feiern durfte, landete über Galatasaray Istanbul und Dynamo Moskau in der Super League - und staunte mitunter nicht schlecht über die Gewohnheiten der Chinesen.

Zum Beispiel über die Ernährung: "Man kann das überhaupt nicht vergleichen mit chinesischen Restaurants hier. Es war auch nicht unbedingt Spitzensport-Ernährung, zum Beispiel gab es statt Kohlenhydraten auch mal Hummer vor dem Spiel." Doch nicht immer standen Delikatessen auf der Speisekarte. Genauso wie sein Mitspieler in Peking, Sejad Salihovic, habe er sich zu Beginn überwiegend von Nudeln und Reis ernährt, denn: "Wenn man bei manchen Sachen vom Aussehen her nicht erkennt, was das eigentlich sein könnte, dann bleibt man erst mal lieber beim Gewohnten."

Unsere Ärzte bei Renhe waren vor allem auf traditionelle chinesische Medizin fixiert, etwa Akupunktur. Aber das hilft im Fußball eben auch nicht gegen alles.

Zvjezdan Misimovic

Ungewohnt war auch die medizinische Versorgung. "Unsere Ärzte bei Renhe zum Beispiel waren vor allem auf traditionelle chinesische Medizin fixiert, etwa Akupunktur. Aber das hilft im Fußball eben auch nicht gegen alles. Ich habe das angemerkt, aber bis sich da etwas ändert, das dauert." Apropos dauern: Chinas Fläche misst über 9,5 Millionen Quadratkilometer, dementsprechend endlos erscheinen die Wege zu den Auswärtsfahrten: "Standard waren drei Stunden Flug", erinnert sich Misimovic. "Durch so manche Verspätungen aber war man gern sieben, acht Stunden unterwegs. Man musste zwei Tage vor den Spielen anreisen, hing also viel im Hotel rum."

Schlechte Platzverhältnisse und gutes Geld

Auch die Platzverhältnisse seien schwierig gewesen. Waren die Plätze im Süden in der Regenzeit oft "unglaublich tief", waren sie im Norden im Frühjahr meist "noch alles andere als grün". Auch in Sachen Stimmung herrschen gewaltige Unterschiede: "Wir haben teils nur vor 5000 Leuten gespielt. Aber bei den großen Klubs in der Super League ist die Hütte voll, und es herrscht wirklich sehr gute Stimmung."

China - ein Abenteuer, das "Zwetschge" trotz der vielen Umstellungen und eines Abstiegs mit Peking im Jahr 2015 nicht bereut hat. "Nach der Eingewöhnungsphase", so Misimovic, "war es absolut okay." Und natürlich stimmte auch das Finanzielle: "So ehrlich muss man sein. Bei den Zahlen ist es natürlich schwierig als Spieler, Nein zu sagen. In Europa hätte ich das Geld nicht bekommen."

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gru/las

Zvjezdan Misimovic

Zu Gast in Wolfsburg: Mitte Februar schaute Misimovic beim Spiel der Wölfe gegen Hoffenheim vorbei. imago