2. Bundesliga

FCK-Machtkampf - Gries: "Wir haben uns klar positioniert"

Aufsichtsrat plante Stöver-Entmachtung

FCK-Machtkampf - Vorstandsboss Gries: "Wir haben uns klar positioniert"

Thomas Gries und Uwe Stöver (re.)

Widerstand gegen die Pläne des FCK-Aufsichtsrates: Vorstandsboss Thomas Gries und Sportdirektor Uwe Stöver (re.). imago

Die Rheinpfalz und der SWR berichteten zuerst über die Planspiele des Aufsichtsrates. Demnach wurde Stöver am Donnerstag vom Aufsichtsratsvorsitzenden Nikolai Riesenkampff darüber informiert, dass künftig Ex-Profi Abel als Sportvorstand installiert werden solle. Ein aus mehreren Gründen nur schwer nachvollziehbares Gedankenspiel.

Zuallererst befindet sich der FCK bekanntlich in einer wirtschaftlich äußerst angespannten Situation, die durch die Finanzierung eines dritten hauptamtlichen Vorstandes neben dem bestehenden Duo Thomas Gries (Vorsitzender und Marketing-Experte) und Michael Klatt (Finanzen) weiter verschärft würde. Auch wenn dem Vernehmen nach Abel zunächst ehrenamtlich hätte tätig werden sollen, hätte sich bei einem Full-Time-Job über kurz oder lang die Frage nach angemessener Bezahlung gestellt.

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Beim großen personellen Umbruch im vergangenen Sommer stand die Berufung eines dreiköpfigen Vorstandes inklusive Sportvorstand zwar zu Debatte, letztlich entschied sich der Aufsichtsrat damals aber für das Modell mit einem Zweier-Vorstand plus Sportdirektor Stöver. Dieser ist zwar formal seinen Vorgesetzten Gries und Klatt unterstellt, fungiert aber als Chef im sportlichen Bereich mit dem vollen Vertrauen des Vorstandes.

Stöver: Über 15 Jahre Erfahrung

Dass der mit über 15 Jahren Erfahrung als Trainer und Manager im Profibereich ausgestattete Stöver, der besonders in sechs Jahren beim FSV Frankfurt seine Befähigung für diesen Job in der 2. Liga unter Beweis stellte und angesichts der begrenzten finanziellen Mittel auch in dieser Saison beim FCK in puncto Kaderzusammenstellung solide Arbeit ablieferte, nun einen Berufsanfänger als Boss vorgesetzt bekommen soll, ist der zweite Punkt, der verwundert. Abel hat neben seinen 93 Bundesligaeinsätzen als Spieler lediglich einige Wochen Erfahrung als Sportchef vorzuweisen, als er im vergangenen Jahr kommissarisch und ehrenamtlich die Zeit zwischen dem Aus von Ex-Vorstandschef Stefan Kuntz im April und der Berufung von Stöver im Mai überbrückte.

Vor diesem Hintergrund formierte sich gegen den Plan des Aufsichtsrates entschiedener Widerstand bei beiden Vorständen, dem gesamten Trainerteam und Stöver selbst, den diese offensichtliche Misstrauensbekundung seitens des Kontrollgremiums stark enttäuschte. Gegenüber dem kicker äußert sich nun erstmal der Vorstand, in Person des Vorsitzenden Gries, zu diesen Vorgängen: "Wir haben uns in den vergangenen Tagen in einem Brief an den Aufsichtsrat in Bezug auf diese Gedankengänge klar positioniert. Darin haben wir unsere Bedenken über die Auswirkungen einer Installierung eines zusätzlichen Sportvorstandes zum Ausdruck gebracht. Der Vorstand sieht dadurch die Gefahr, die hervorragenden Kompetenzen unseres Sportdirektors Uwe Stöver zu verlieren."

Am Freitagabend, nach dem Sieg gegen Sandhausen , hatte auch schon Trainer Norbert Meier öffentlich, in einem Interview mit dem SWR, Stöver den Rücken gestärkt: "Die Zusammenarbeit mit Uwe Stöver ist auch schon nach kurzer Zeit geprägt von sehr viel Vertrauen. Er ist ein sehr honoriger Mann, der seinen Job absolut versteht und ich bin froh, dass er da ist."

Abel steht vorerst nicht als Sportvorstand zur Verfügung

Die breite Ablehnung von Vorstand und sportlicher Leitung hat dem Vernehmen nach Abel dazu bewegt, vorerst nicht als Sportvorstand zur Verfügung zu stehen. Rein formal könnten Vorstand, Stöver und Trainerteam nämlich nicht gegen den Plan des Aufsichtsrates vorgehen. Abel müsste als Aufsichtsrat zurücktreten und könnte dann durch einen Mehrheitsbeschluss des fünfköpfigen Kontrollgremiums, das für eine solchen Fall vom ersten Nachrücker für Abel komplettiert würde, als Sportvorstand berufen werden. Gries, Klatt, die auch vom Aufsichtsrat abberufen werden können, und Stöver müssten einen solchen Beschluss akzeptieren, könnten einer solchen Konstellation lediglich mit dem eigenen Rücktritt aus dem Weg gehen. Nach kicker-Informationen hat mindestens einer der Genannten einen solchen Schritt wegen des Verhaltens des Aufsichtsrates bereits in Erwägung gezogen. Das würde den Verein vollends in Chaos stürzen.

Vorerst sieht es aber nicht nach dem großen Knall aus. Vor diesem Hintergrund wiegelte Aufsichtsratschef Riesenkampff am Freitagabend gegenüber dem SWR ab: "Es gibt keinen Beschluss im Aufsichtsrat, den Vorstand in irgendeiner Form zu erweitern. Im Aufsichtsrat schauen wir aber immer, wo wir sportlich und wirtschaftlich stehen, wir evaluieren die Leistung und diskutieren, ob wir im Verein bestmöglich aufgestellt sind. Aber diese Diskussionen sind intern und bleiben vertraulich."

Unnötige hausgemachte Turbulenzen

Davon abgesehen werfen die aufgedeckten und weit fortgeschrittenen Pläne freilich Fragen auf. Genügt es Teilen des ehrenamtlichen Kontrollgremiums womöglich nicht, nur Aufsicht zu führen? Streben diese Personen stattdessen unmittelbare und mittelbare Macht im operativen Geschäft an? Ein Schluss, der nicht allzu weit hergeholt erscheint. In jedem Fall verursacht dieser Vorstoß ohne Not hausgemachte neue Turbulenzen rund um den pfälzischen Traditionsverein, der nichts dringender benötigt als Ruhe in der täglichen Arbeit und dessen operativ Verantwortliche Zeit verdient haben, mit ihrer Arbeit zu überzeugen und auf Sicht die gewünschten Ergebnisse zu liefern. Das Verhältnis zwischen Entscheidern und Kontrolleuren scheint nun mindestens angeknackst.

Carsten Schröter