Bundesliga

Blum: "Ich habe mir nichts sagen lassen"

Interview mit Frankfurts Flügelspieler

Blum: "Ich habe mir nichts sagen lassen"

Danny Blum

Ist nach Verletzung zurück und will zeigen was er kann: Frankfurts Danny Blum. imago

Wie sehr kribbelt es, wenn Sie an Samstag und einen möglichen Einsatz gegen Ingolstadt denken, Herr Blum?

Danny Blum: Ich war gegen Leverkusen schon auf der Bank dabei und habe in Hannover kurz reingeschnuppert – da bekommt man natürlich Bock auf einen Einsatz im eigenen Stadion. Schauen wir mal, wie der Trainer sich entscheidet.

Wie geht es Ihrem linken Knie?

Blum: Gut, es ist so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich merke nur, dass die Muskulatur ab und zu etwas fester wird, aber wir haben gute Therapeuten, die das relativ schnell wieder weich machen können.

Wegen der beiden Verletzungen schnupperten Sie erst 135 Minuten Bundesligaluft – war es ein Dreivierteljahr zum Vergessen?

Blum: Nein, im Gegenteil. Ich habe sehr viel gelernt, da ich hier mit hochprofessionellen Leuten zusammenarbeite. Es macht mir Spaß, jeden Tag hierher zu kommen, weil ich weiß, dass ich wieder etwas Neues lerne. Die Zeit war also keineswegs verschenkt, zumal ich am Anfang auch ein paar Spiele gemacht habe.

Nur einen Monat nach dem Innenbandanriss im linken Knie riss das Band bei Ihrem Kurz-Comeback gegen Köln. Kam der Einsatz zu früh?

Blum: Ja, der Einsatz kam ganz klar zu früh. Aber das war meine eigene Schuld, ich hätte mir mehr Zeit lassen müssen. Ich fühlte mich im Training ganz gut und der Ehrgeiz hatte mich gepackt, außerdem wollte ich der Mannschaft helfen. Deshalb nahm ich das Risiko auf mich.

Horchen Sie seither mehr in Ihren Körper hinein?

Blum: Das mache ich eigentlich schon länger, da ich schon einige, auch größere Verletzungen hatte (Knorpelschaden im rechten Knie, Anm. d. Red). Seitdem höre ich auf meinen Körper. Aber manchmal packt mich der Ehrgeiz, dann will ich unbedingt dabei sein. Doch ich habe daraus gelernt und mir jetzt deutlich mehr Zeit gelassen. Ich hoffe, dass das Knie gut verheilt ist. Laut den Bildern und meinem Gefühl ist es sehr gut.

Was haben Sie sich bis zum Saisonende vorgenommen?

Blum: So viele Spiele wie möglich zu machen und zu versuchen, auf der Zielgeraden entscheidende Partien mit meinen Qualitäten für uns zu entscheiden.

Manchmal packt mich der Ehrgeiz, dann will ich unbedingt dabei sein.

Danny Blum

Kann sich Frankfurt im oberen Tabellendrittel halten?

Blum: Das wird natürlich verdammt schwer, die Mannschaften direkt hinter uns sind nicht ohne, auch sie stehen da oben, weil sie es verdient haben und eine super Saison spielen. Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen und versuchen, unsere Leistung jedes Wochenende 90 Minuten abzurufen.

Wie groß ist die Umstellung von der 2. Liga auf die 1. Liga?

Blum: Das ist ein deutlicher Sprung. Das Tempo, die Intensität und die Qualität sind höher. Die Mitspieler haben schon auf hohem Niveau gespielt, sind im Kopf schneller und weiter als die Jungs in der 2. Liga. Und Niko Kovac ist der beste Trainer, den ich bis jetzt hatte.

Was zeichnet ihn aus?

Blum: Er lebt Professionalität vor und weiß genau, was auf dem Platz los ist, wie es funktionieren kann. So trainieren wir auch, absolut professionell. Das macht Spaß, ich lerne sehr viel.

Kovac erweckt den Eindruck, dass er auf jedes Detail achtet.

Blum: Er ist ein Perfektionist. Er macht alles richtig, und der Erfolg gibt ihm recht.

Können Sie ausführen, wo Sie sich unter Kovac verbessert haben?

Blum: Das sind viele Dinge im taktischen Bereich: wie wir bei Ballverlust zu pressen haben oder uns fallen lassen müssen, welche Laufwege wir gehen sollen, wie wir Eins-gegen-eins-Situationen bestreiten – ich habe mir schon viele Sachen eingeprägt. Der Trainer gibt uns viel vor und zeigt, wie es funktionieren kann, das ist einfach sensationell. Ich weiß, dass ich hier am richtigen Platz bin.

Linker Flügel oder rechter Flügel – wo können Sie als Linksfüßer ihre Stärken besser einbringen?

Blum: Das ist eigentlich egal. Die wichtigste Voraussetzung ist meine Grundschnelligkeit, um am Mann vorbeizukommen. Auf der rechten Seite habe ich es etwas einfacher, wenn ich nach innen ziehe und mit meinem starken Fuß den Abschluss suchen kann. Aber auch die linke Außenbahn ist kein Problem. Wichtig ist, dass ich effektiv bin, weiterhelfen und mit dem Verein etwas Schönes erreichen kann.

Wie sehen Sie mittelfristig Ihre Chancen auf einen Stammplatz?

Blum: Konkurrenz belebt das Geschäft, so ist das im Sport. Wichtig ist, dass wir als Mannschaft funktionieren. Aber ich sehe mich nicht als fünften oder sechsten Mann. Es ist ganz klar mein Ziel, Stammspieler zu werden. Ich weiß, was meine Qualitäten sind, die habe ich schon oft genug unter Beweis gestellt. Ich bin hier, um mich durchzusetzen. Dafür werde ich alles tun.

Ihr Vertrag lief nur ein Jahr, wobei er Option für zwei weitere Spielzeiten beinhaltete. Anfang Februar verlängerten Sie plötzlich um drei Jahre bis zum 30. Juni 2020. Wie kam es dazu?

Blum: Mit Bruno Hübner hatte ich schon im Sommer besprochen, dass wir uns im Winter zusammensetzen und über die Zukunft reden. Das haben wir getan. Da ich mich hier sehr wohlfühle und bleiben wollte, haben wir verlängert. Dass ich um drei Jahre verlängern konnte, ist umso schöner. Hier ist mein neues Zuhause. Ich habe mich sehr gefreut über die Vertragsverlängerung.

Danny Blum

Er will bei der Eintracht Stammspieler werden: Danny Blum. imago

Sie galten lange als schlampiges Genie, das sein Potenzial zu wenig ausschöpft. Erst als Sie 2013 von Karlsruhe nach Sandhausen zurückkehrten, blühten Sie auf. Gab es denn früher niemanden, der Ihnen ins Gewissen geredet hat?

Blum: Doch, aber als junger Kerl interessiert das einen nicht. Das geht links rein und rechts wieder raus. Ich habe mir nichts sagen lassen. Aber besser spät als nie, ich bin froh, dass ich es doch noch geschafft habe.

Gab es einen Schlüsselmoment?

Blum: Nein, aber ich habe mir nach der Rückkehr nach Sandhausen gesagt: Warum soll ich mein Talent und das, was ich am liebsten mache, einfach herschenken? Warum soll ich nicht dahinkommen, wo ich gerne sein würde? Dann habe ich angefangen, mehr zu machen, mehr in meinen Körper und mich selbst zu investieren, mehr zu trainieren, einfach Zeit für Sachen zu opfern, die ich früher nicht gemacht habe.

Als Sie im Juli 2014 einen Knorpelschaden erlitten, drohte die Sportinvalidität. Gab es einen Plan B zum Fußball?

Blum: Nein. Mit 16 Jahren musste ich mich entscheiden, entweder eine Ausbildung anzufangen oder den Sport zu verfolgen und meinen Traum zu verwirklichen. Ich habe alles auf die Karte Fußball gesetzt. Ich wollte unbedingt Fußballprofi werden, weil das schon als Kind mein großer Traum war.

In der Saison 2008/09 hieß Ihr Trainer bei den Schalker A-Junioren Norbert Elgert, der zu den besten Ausbildern des Landes zählt. Was hat er ihnen mitgegeben?

Blum: Er ist nicht umsonst als einer der besten Nachwuchstrainer Deutschlands bekannt. Wenn man sieht, wer alles auf Schalke Profi geworden ist oder jetzt in anderen großen Teams spielt, dann ist das ein großes Verdienst von ihm. Er hat ein Auge für das Talent. Ich habe unter ihm sehr viel gelernt. Es ist wie bei Kovac – der Erfolg gibt ihm recht.

Ich fühle mich pudelwohl, das ist ein absoluter Top-Verein, es macht Spaß, hier zu sein.

Danny Blum

Wer hat Ihnen bei Schalke die Tür zu den Profis zugeschlagen?

Blum: Niemand. Ich war noch jung und wollte einfach wieder zurück in die Heimat (Blum stammt aus Frankenthal in der Pfalz, Anm. d. Red.), weil ich mich so weit weg von Zuhause nicht wohlgefühlt habe. Ich habe meinen Berater angerufen und gesagt, dass ich zurück möchte, bei meiner Familie bleiben will. Karlsruhe, Sandhausen, Heidelberg, das ist alles ums Eck. Auf Schalke war ich dagegen über 300 Kilometer von Zuhause weg.

Welche Ziele verfolgen Sie über die Saison hinaus?

Blum: Ich möchte einfach gesund bleiben, fit sein und beweisen, dass ich kein Fehleinkauf bin, indem ich zeige, was ich wirklich drauf habe. Außerdem will ich mich hier weiterentwickeln, noch viel dazulernen und Stammspieler werden.

Sie kamen erst mit 25 Jahren in die 1. Liga, sind jetzt 26. Ist das zu spät, um eines Tages den Schritt zu einem noch größeren Klub machen zu können?

Blum: Fußball ist ein Tagesgeschäft, heute bist du top, morgen Flop. Das geht ruckzuck. Im Fußball ist es nie zu spät. Ich habe letztes Jahr in Nürnberg noch mit Guido Burgstaller zusammengespielt, der ist fast zwei Jahre älter als ich. Auch bei Schalke sieht man jetzt, der Junge kann was. Aber natürlich ist es mein Ziel, erst einmal in Frankfurt zu bleiben. Ich fühle mich pudelwohl, das ist ein absoluter Top-Verein, es macht Spaß, hier zu sein.

Interview: Julian Franzke