Bundesliga

Feingeist Bojan und Brecher Cordoba: "Gute Kombination"

Heimdebüt an der Seite von Cordoba

Feingeist Bojan und Brecher Cordoba: "Gute Kombination"

Das Startelf-Debüt verlief "ganz gut bis mittelgut": Der Mainzer Bojan.

Das Startelf-Debüt verlief "ganz gut bis mittelgut": Der Mainzer Bojan. imago

Mit seinem zweiten Ballkontakt tat Bojan am Freitagabend das, was die Fans so an ihm lieben. 185 Sekunden waren gespielt, als er schlitzohrig per Hacke auf Jairo ablegte und zwei Gegner ins Leere laufen ließ. Allerdings zeigte sich auch sein Landsmann überrascht und brauchte einen Moment, um den Ball zu kontrollieren. Vielleicht ist das ein Sinnbild: Bojan und Mainz 05 - das sieht nett aus, muss aber noch zusammenwachsen.

Trainer Martin Schmidt brachte die Leihgabe von Stoke City von Beginn an, "weil Augsburg diesen gepflegten Spielaufbau nicht hat, gerade auswärts. Bojan kann sehr, sehr vieles, aber was er in Barcelona nicht gelernt hat, ist der Mainz-05-Fußball". Ergo: Anlaufen, gegen den Ball arbeiten. "Das", verrät der Schweizer kein Geheimnis, "ist sicher nicht seine größte Stärke. Das muss er aber mitbringen, wenn er hier spielen will."

Bojan kann sehr, sehr vieles, aber was er in Barcelona nicht gelernt hat, ist der Mainz-05-Fußball.

Trainer Martin Schmidt

9,38 absolvierte Kilometer bis zu seiner (taktisch zuvor eingeplanten) Auswechslung gegen Yoshinori Muto in der 70. Minute lassen den Schluss zu: Diesen Arbeitsauftrag hat der feine Techniker angenommen. "Gegen den Ball hat er es solide bis gut gemacht", lobt Schmidt. Freilich wirkte Bojan nach einer Stunde platt. Für seinen Trainer ist das nicht schlimm: "Ihm fehlt noch ein wenig die Praxis, dafür braucht er Spiele." Zudem sei es nicht so einfach für ihn: "Bundesweit sagen alle: So, jetzt mach mal, wir wollen sehen, was du kannst. Auf der anderen Seite hat er keinen Rhythmus." Man habe gesehen: "Der Kerl kann kicken." Das Fazit des 49-Jährigen zum Heimdebüt seiner neuen Nummer zehn: "Ganz gut bis mittelgut." Allerdings will Schmidt noch Videos studieren, um sich ein Zwischenzeugnis zurechtzulegen.

Der Makel mit den Ecken

In den ersten 45 Minuten war Bojan jedenfalls präsenter als nach dem Seitenwechsel. Der 1,70-Meter-Mann ist beweglich, läuft clever zwischen den Linien und verfügt über die Fähigkeit, den Gegenspieler mit der ersten Aktion zu täuschen, um selbst Raum zu bekommen. Jener zweite Schritt, also das Absetzen mit Ball, das Dribbling, der Abschluss - da schien Bojan noch etwas Spritzigkeit abzugehen. Die Ecken hatten allesamt den Makel, dass sie nie über den am vorderen Fünfereck platzierten FCA-Verteidiger hinauskamen.

Feingeist Bojan passt zum brachialen Cordoba

Rouven Schröder findet: "Erster Kontakt sehr, sehr gut. Bälle verteilt, Räume gefunden." Zudem erkannte der Sportdirektor eine Wechselwirkung auf den Partner in der Offensivzentrale: "Vorne mit Bojan zu spielen, das hat auch Jhon angespornt." In der Tat machte Cordoba ein starkes Spiel. Er gab den letzten Pass beim Muster-Konter zum 1:0 durch Levin Öztunali (31.). Er holte den Foulelfmeter gegen Marvin Hitz heraus, den Jairo vielleicht eine Spur zu lässig zum 2:0 in die Mitte schob (62.). "Wir sind eine gute Kombination", sagt auch Bojan selbst zum Duett mit dem brachialen Kolumbianer.

Neu für den 26-Jährigen sind gewiss die vielen, langen Pässe auf den Zielspieler - weshalb er häufiger auf zweite Bälle lauern muss. "Jhon ist darin (Abschirmen von Bällen, d. Red.) sehr gut", lobt der zweifache Champions-League-Sieger. "Wir können das so spielen, wir können auch guten Fußball spielen." Letzteres wird ihm lieber sein, noch aber wagen seine Kollegen den riskanten Ball in den Fuß durch mehrere Linien auf ihn nicht.

Dennoch: "Ich habe das genossen. Wir waren kompakt und haben gut gearbeitet. Gerade in der ersten Hälfte hatten wir auch mit dem Ball gute Aktionen." So wie er in der 40. Minute: Ein Dribbling in den Strafraum, ein Haken, ein Fußwischer von Martin Hinteregger, ein leichter Kontakt. "Für mich war es ein Foul", findet Bojan. Schiedsrichter Manuel Gräfe war es korrekterweise zu wenig. Kein Grund zu jammern. "Das ist okay." Genau wie das Heimdebüt des vielleicht größten Namens, der je für Mainz 05 auf dem Rasen stand.

Benni Hofmann

Bilder zur Partie 1. FSV Mainz 05 - FC Augsburg