kicker-Umfrage freut den Eintracht-Keeper

Trotz Äppler: Hradecky will in Frankfurt verlängern

Lukas Hradecky am Donnerstag im Frankfurter Trainingslager

"Hoffentlich steigen wir nicht ab": Lukas Hradecky am Donnerstag im Frankfurter Trainingslager. imago

Aus Frankfurts Trainingslager in Abu Dhabi berichtet Julian Franzke

Torwarttrainer Moppes Petz kann Lukas Hradecky die Bälle noch so oft und kernig um die Ohren schießen, seine gute Laune verliert die finnische Frohnatur bei aller Anstrengung nie. So dauerte es beim Gespräch am Donnerstagmittag auch nicht lange, bis über Frankfurter Spezialitäten wie Apfelwein oder Handkäs mit Musik geflachst wurde. Sobald Hradecky zwischen den Pfosten steht, ist es jedoch vorbei mit dem Spaß. Auch in Abu Dhabi hinterlässt er einen konzentrierten, starken Eindruck.

"Es wurde gesagt, dass diese Vorbereitung weniger intensiv werden würde als im Sommer, aber davon merke ich nichts...", sagt Hradecky mit einem Schmunzeln. "Es wird härter und härter, aber das gehört dazu. Ich hoffe, dass wir das beibehalten können, was wir in der Hinrunde gezeigt haben."

Für eine willkommene Abwechslung vom Trainingsalltag sorgte sein jüngerer Bruder Matej (21, SJK Seinäjoki), der mit der finnischen B-Nationalmannschaft in diesen Tagen ebenfalls ein Trainingslager in Abu Dhabi bezogen hat. Am Sonntagabend trainierte Matej gleichzeitig auf dem Nebenplatz des Universitätsstadions, in dem Frankfurt gegen Changchun Yatai (3:0) spielte. Den freien Dienstagnachmittag nutzte Hradecky schließlich dazu, seinen Bruder zu besuchen.

40 Punkte sind das Ziel, das muss ich offiziell sagen...

Lukas Hradecky

Angesichts der tollen Ausgangslage gerät auch der 27-Jährige ein bisschen ins Träumen. "40 Punkte sind das Ziel, das muss ich offiziell sagen", meint er und lacht. Die Erzählungen aus der vergangenen Europa-League-Saison 2013/14 mit 12.000 Fans in Bordeaux und anderen tollen Erlebnissen sind allerdings auch an ihm nicht vorbeigegangen - und haben für Appetit gesorgt. "Es wäre wunderschön, das wieder zu schaffen und zu erleben", sagt der Keeper.

"Ich bin Armin Veh dankbar"

Einen Schritt vor dem anderen will aber auch er nicht machen: "Hoffentlich steigen wir nicht ab, der Klassenerhalt ist das erste Ziel. Danach können wir auch auf die höheren Tabellenplätze gucken." Um oben zu bleiben müsse die Mannschaft vor allem wieder als geschlossene Einheit auftreten. "Ich bin sicher, dass es Niko mit seiner Disziplin und Intelligenz hinbekommt, dass wir wieder als Team auftreten und Punkte holen", meint der finnische Nationalkeeper.

Wenn Hradecky die vergangenen eineinhalb Jahre seit seinem Wechsel zur Eintracht Revue passieren lässt, staunt er selbst ein wenig. "Wie gut es gelaufen ist, hat mich selbst ein bisschen überrascht", erzählt er, "ich wusste zwar vorher schon, dass ich ein ganz guter Torwart bin, aber wo ich jetzt stehe... Ich habe auch Glück gehabt und bin Armin Veh dafür dankbar, dass er mich geholt und zur Nummer 1 gemacht hat. Meine Leistungen haben das hoffentlich bestätigt."

Wir sind im Dialog, aber alles ist ganz entspannt, da mein Vertrag noch eineinhalb Jahre läuft.

Lukas Hradecky

Hradecky zählt zu den wenigen Spielern im Kader, die sich ihrem Stammplatz völlig sicher sein können. Die starken Auftritte des kompletten Torhüters sind auch anderen Bundesligaspielern nicht verborgen geblieben. In der großen kicker-Spielerumfrage landete Hradecky bei der Frage nach dem bisher besten Torhüter der Saison mit 11,8 Prozent der Stimmen hinter Manuel Neuer (30,3) und Timo Horn (16,8) auf Rang drei. "Es ist sehr schön, wenn die Kollegen so abstimmen", freut sich der Schlussmann.

Bis zum 30. Juni 2018 steht Hradecky in Frankfurt unter Vertrag. Im Verlauf des Jahres soll die Zusammenarbeit verlängert werden. Die Eintracht will ihren Leistungsträger natürlich unbedingt halten, und Hradecky sendet positive Signale zurück: "Ich fühle mich wohl und hoffe, dass wir eine Einigung hinkriegen. Wir sind im Dialog, aber alles ist ganz entspannt, da mein Vertrag noch eineinhalb Jahre läuft."

"Apfelwein schmeckt mir nicht"

In Frankfurt fühlt er sich pudelwohl. Zu diesem Gefühl trägt gewiss auch die Hochachtung der Fans bei. Hradecky wird nicht nur im Stadion gefeiert, auch nach den Trainingseinheiten ist er bei den Autogrammjägern einer der beliebtesten Spieler. "Ich gebe 110 Prozent von mir als Mensch und als Spieler. Es ist einfach schön, dass die Fans mich mögen." Auf die Idee, ihr Idol auf ein Glas Apfelwein, das Frankfurter Nationalgetränk, einzuladen, sollten die Anhänger jedoch lieber nicht kommen. "Apfelwein schmeckt mir nicht", bekräftigt der bekennende Biertrinker. Da er Grüne Soße oder Handkäs mit Musik noch nicht probiert hat, sollte man ihn in Hinblick auf die Frankfurter Kulinarik allerdings nicht vorschnell als hoffnungslosen Fall abschreiben.

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