Kommentar von kicker-Redakteur Carsten Schröter

Nächster Tiefschlag! Der FCK kommt nicht zur Ruhe

1. FC Kaiserslautern

Auch um die Weihnachtszeit herum kehrt beim 1. FC Kaiserslautern keine Ruhe ein. imago

Ein ruhiger Jahresausklang? Nicht mit dem FCK. Der pfälzische Traditionsklub ist seit jeher für Überraschungen gut - positive wie negative. Störfeuer, sei es aus dem notorisch aufgeregten Umfeld oder dem Verein selbst, sind keine Seltenheit. Zuletzt aber ist es merklich ruhiger geworden auf dem Betzenberg. Das hängt natürlich mit der schwindenden sportlichen Bedeutung des viermaligen deutschen Meisters zusammen. Es liegt aber auch daran, dass die neuen Verantwortlichen nach der großen personellen Zäsur im vergangenen Sommer der existenzbedrohenden Lage des Klubs im Treibsand der 2. Liga mit deutlich mehr Ruhe, Sachlichkeit und Transparenz begegnen.

Der neue Vorstand machte klar und deutlich: Ohne Fremdkapital, sprich ohne einen Investor oder strategischen Partner, wird der FCK im Profifußball dauerhaft nicht überleben können. Gerade deshalb setzte man beim Neustart auf Kontinuität im sportlichen Bereich - auch wenn es nicht läuft wie gewünscht. So wurde Tayfun Korkut nach dem miserablen Saisonstart mit nur sechs Punkten aus neun Spielen genauso wenig von den Entscheidern in Frage gestellt wie letzte Woche, nach einer insgesamt enttäuschenden Hinrunde mit 19 Zählern auf Platz 13.

Korkuts Arbeit - Lob und Kritik

Für die für den Klub überlebenswichtige Einbindung eigener Talente wie Keeper Julian Pollersbeck oder Innenverteidiger Robin Koch verdient Korkut ebenso Lob und Anerkennung wie für die Stabilisierung der Abwehr, die in den letzten acht Partien vor der Winterpause nur drei Gegentreffer kassierte. Siebenmal blieb man zwischenzeitlich sogar ungeschlagen.

Genauso legitim ist allerdings auch scharfe Kritik an dem grotesk harmlosen Offensivspiel. Kein Team erzielte weniger als die elf Treffer des FCK. Null Torchancen im letzten Heimspiel gegen den Vorletzten Aue sind ein Offenbarungseid, der auch viele treue Anhänger aus der immer leerer werdenden, überdimensionierten WM-Arena treibt. All das wurde vom Aufsichtsrat gegenüber Vorstand und Sportdirektor Uwe Stöver in der internen Hinrundenanalyse deutlich angesprochen. So weit, so normal.

Der Paukenschlag

Dass am nächsten Tag der Cheftrainer – beim Analysemeeting tags zuvor nicht anwesend – aus heiterem Himmel seine Kündigung auf den Tisch knallt , ist jedoch alles andere als normal. Sind es sportliche Motive, private Gründe, fehlende Perspektiven, eine Mischung aus allem? Das bleibt unklar und nährt Spekulationen – so lange sich Korkut selbst dazu nicht äußert. Vielleicht wird er es auch nie tun. Seinen Chefs, die trotz aller Widrigkeiten mit ihm weiter gegen den Sturm segeln wollten, und dem gesamten Klub hat er mit seinem Entschluss jedoch einen unerwarteten Tiefschlag verpasst. Auch die Profis, die ihn mehrheitlich für seine Arbeit schätzten und zu denen er ein intaktes Verhältnis hatte, stößt er mit seinem plötzlichen Rückzug vor den Kopf.

Carsten Schröter

Carsten Schröter kicker

Der Absturz?

In Lautern steht zwischen den Jahren dadurch fast alles wieder auf Null. Stöver muss auf die Schnelle einen Trainer aus dem Hut zaubern, mit dem es bestenfalls eine Perspektive auf eine längerfristige Zusammenarbeit gibt. Eine Mammutaufgabe. Die Bedingungen, dass der einst so ruhmreiche Fritz-Walter-Klub überhaupt mal wieder zur Ruhe kommt, werden zusehends schlechter.

Der FCK muss höllisch aufpassen, dass nicht bald tatsächlich der Absturz aus dem Profifußball folgt.