Der WM-Fahrer von 2014 in der Reservistenrolle

Wolf kennt auch bei Großkreutz keine Freunde

Kevin Großkreutz

"Er ist ein ganz wichtiger Spieler für uns": Coach Hannes Wolf hält Kevin Großkreutz bei Laune. picture alliance

Als Hannes Wolf sein Amt beim VfB Stuttgart antrat, hatte sich Großkreutz die Zukunft mit dem neuen VfB-Coach sicher ein bisschen anders vorgestellt. Man kennt sich, man schätzt sich. Doch die gemeinsame Vergangenheit bei Borussia Dortmund, für die der 28-Jährige sechs Jahre lang als Profi und der 35-Jährige sieben Jahre lang als U-Trainer aktiv war, versprach auf den ersten, oberflächlichen Blick mehr, als sie hielt. Der frühere Nationalspieler kommt keineswegs in den Genuss irgendwelcher Privilegien.

Wolf kennt weder Verwandte noch Freunde, wenn es um seine Personalauswahl geht. Die Nichtnominierung des Publikumslieblings gegen den 1. FCN sei "natürlich hart für ihn. Das ist völlig logisch und komplett nachvollziehbar. Dass ihn das nicht erfreut, ist klar", erklärt der Chefcoach der Schwaben, der mit Großkreutz "ganz offen umgehen und ihn wieder ins Boot holen" will. "Er ist ein ganz wichtiger Spieler für uns. Wir werden ihn auf jeden Fall brauchen."

Spielersteckbrief Großkreutz

Großkreutz Kevin

Spielersteckbrief Pavard

Pavard Benjamin

VfB Stuttgart - Die letzten Spiele
St. Gallen (H)
4
:
1
Wiesbaden (H)
1
:
2
2. Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
VfB Stuttgart
32
2
Eintracht Braunschweig
30
3
Hannover 96
28

Wir machen das nicht aus Selbstzweck, sondern immer aus Überzeugung.

VfB-Coach Hannes Wolf zum Thema Rotation

So wie er aber auch jeden anderen in seinem Kader braucht. Gegen Nürnberg habe man "Benjamin (Pavard, d. Red.) gebracht, weil er vom Spielertyp besser gepasst hat". Dies könne beim nächsten Spiel schon wieder ganz anders aussehen, wenn die Schwaben am Sonntag bei Erzgebirge Aue antreten müssen. Bis auf die Achse Mitch Langerak, Timo Baumgartl, Christian Gentner und Simon Terodde darf sich keiner seines Platzes wirklich sicher sein. "Es gibt keine abgeschriebenen Spieler, die Wege sind kurz", meint Wolf. "Das schafft eine gut Energie in der Gruppe." Mit dem Frust müsse jeder umgehen lernen.

Vier-Augen-Gespräch mit Großkreutz

Auch ein ehrgeiziger und selbstbewusster Typ wie Großkreutz, den der Coach schon vor der Partie am Montag über dessen Nichtberücksichtigung informierte. "Ich habe es Kevin vorher unter vier Augen gesagt und auch vor der Mannschaft begründet, warum wir wie aufstellen."

Grundsätzlich gebe es "Momente, in denen ich es erkläre - aber nicht stündlich". Das kurz- und mittelfristige Wohl und Wehe einer Mannschaft solle und dürfe sowieso nicht von der jeweiligen Aufstellung abhängen. "Wir machen das nicht aus Selbstzweck, sondern immer aus der Überzeugung, dass es für das Spiel richtig ist", erklärt Wolf. "Und wir machen es auch nicht, um jemanden zu ärgern oder zu verletzen, sondern in der Überzeugung, dass es in diesem Moment für dieses Spiel die richtige Entscheidung ist.“ Keine Frage: Am Sonntag in Aue dürfte den Nächsten die Versetzung auf die Bank treffen.

George Moissidis