Bundesliga

Abraham: "Ein Unterschied wie Tag und Nacht"

Frankfurts Innenverteidiger erklärt den Aufschwung

Abraham: "Ein Unterschied wie Tag und Nacht"

David Abraham, Eintracht Frankfurt

Ihm geht es darum, gute, ehrliche Arbeit zu leisten: David Abraham (l.). imago

Abraham sprach über...

...die Gründe seiner kürzlich erfolgten Vertragsverlängerung bis 2019 und seine Erwartungen:
"Finanzielle oder mannschaftstechnische Überlegungen haben in erster Linie keine Rolle gespielt. Gefragt war meine Familie. Wir haben alles Revue passieren lassen, wie wir in der Stadt und im Verein aufgenommen wurden. Wir haben viele Freunde gewonnen und immer die Unterstützung des Vereins gespürt. Das waren triftige Gründe dafür, dass es hier weitergehen soll. Würde es rein um das Finanzielle gehen, könnte man gleich sagen, dass man nach China, Dubai oder in die Emirate geht. Darum geht es aber nicht, sondern darum, dass man wirklich glücklich wird, auch als Familie, und dass man eine gewisse Lebensqualität hat. Wir fühlen uns pudelwohl in Frankfurt. Sportlich arbeiten wir daran, dass sich die Zielvorgaben (40 Punkte, Klassenerhalt, Anm. d. Red.) mit der Zeit vielleicht verändern. Wir wollen sagen können, dass wir immer bei 100 Prozent sind und es wirklich mit jedem Gegner aufnehmen können, egal ob der FC Bayern kommt oder Darmstadt 98. Meine Vision ist nicht die zweite Tabellenhälfte."

Spielersteckbrief Abraham
Abraham

Abraham David

Trainersteckbrief Kovac
Kovac

Kovac Niko

...die defensive Stabilität mit erst acht Gegentoren:
"Wenn wir vorne den Ball verlieren, ist der Stürmer der erste Verteidiger. Ob Alex Meier, Branimir Hrgota oder Haris Seferovic, jeder weiß sofort, dass es darum geht, den Ball zu erkämpfen. Das zieht sich bis hinten durch. Der Trainer lebt uns die Intensität vor, mit der gegen den Ball gearbeitet wird. Genauso wichtig ist es, dass wir es verstehen, die Räume geschickt eng zu machen. Alle elf Spieler auf dem Platz haben das Rezept, wie man gut verteidigt. Im Tor ist Lukas Hradecky zudem eine Bank und zusätzliche Garantie."

Wenn Grundtugenden wie Mentalität, Einstellung und Zweikampfverhalten fehlen, gewinnt man keinen Blumentopf.

...die Leistungssteigerung und Konstanz nach dem schwachen Auftritt in Freiburg (0:1) am 6. Spieltag:
"Es ist schwer, die ganze Saison Stabilität an den Tag zu legen. Trotzdem haben wir es durch eine geschlossene Mannschaftsleistung ganz gut aufgefangen, wenn zwei, drei Spieler nicht ihr Leistungsoptimum erreicht haben. In Freiburg waren zu viele nicht in Normalform, das haben wir angesprochen. Um in der Bundesliga zu gewinnen, muss man mit der nötigen Aggressivität ans Werk gehen, oft pressen, auf Balleroberungen aus sein. Wenn Grundtugenden wie Mentalität, Einstellung und Zweikampfverhalten fehlen, gewinnt man keinen Blumentopf. So war es in Freiburg, das hat der Trainer angesprochen, und wir haben es korrigiert. Er hat von uns ja keine Dinge erwartet, die völlig außer Reichweite gelegen hätten, sondern ganz einfach umzusetzende Sachen. Das versuchen wir zu befolgen, auch mit der nötigen Konstanz."

...die Frage, ob er jetzt gerade seine stärkste Phase seiner Karriere erlebt:
"Wie heißt es so schön: Das Beste liegt immer vor einem. Aber es ist schon so, dass ich jetzt von einem gewissen Erfahrungsschatz profitieren kann, den ich mit 20 Jahren natürlich nicht hatte. Auch wenn jugendliche Unbekümmertheit immer gut ist, ersetzt nichts die Erfahrung, gerade auf meiner Position in der Innenverteidigung. Das hilft einem einfach, weil man ein besseres Spielverständnis entwickelt, das Spiel anders liest."

...die starken Auftritte des von Real Madrid ausgeliehenen Innenverteidigers Jesus Vallejo:

Abraham und Vallejo

David Abraham lobt Leihspieler Jesus Vallejo in den höchsten Tönen. imago

"Jesus verhält sich sehr professionell. Es ist schön zu sehen, wie weit er mit seinen 19 Jahren schon ist. Wenn es bei ihm so weitergeht, steht ihm sicherlich eine goldene Zukunft bevor, dann ist er irgendwann für Aufgaben bei Real Madrid und in der Champions League bestimmt."

...Marco Fabians positive Entwicklung nach dem ersten schweren Halbjahr:
"Marco kam in einer für uns alle schwierigen Phase. Es war für ihn ein großer Sprung von Mexiko hierher, sicherlich auch kulturell. Aber er hat den deutschen Rhythmus nach und nach aufgenommen und ist durch die lange harte Vorbereitung definitiv angekommen. Marco ist sehr professionell, menschlich top und ein ganz wichtiger Bestandteil des Teams. Wir freuen uns alle über seine Entwicklung, mit seinen Toren und Assists hilft er uns."

Der Trainer hat ein sehr gutes Gespür und weiß, wann er der Abwehr diese zusätzliche Stabilität verleihen muss.

...die zuletzt praktizierte Dreier- und Fünferkette:
"Es ist gut, dass wir diese taktische Flexibilität haben. Wir können mit einer Viererkette verteidigen, es funktioniert aber auch sehr gut, wenn Hasebe zusätzlich in der Mitte spielt. Das gibt uns noch mehr Sicherheit. Der Trainer hat ein sehr gutes Gespür und weiß, wann er der Abwehr diese zusätzliche Stabilität verleihen muss. Gerade aus der Zentrale heraus können wir mit großer Sicherheit aufbauen, vorne haben wir dann schnelle Leute, mit denen wir auf Konter setzen können."

...den vollzogenen Wandel seit der Niederlage beim kommenden Gegner Werder Bremen am 34. Spieltag der vergangenen Saison:
"Es hat sich vieles grundlegend geändert. Wir haben eine junge, hungrige Mannschaft auf dem Platz. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, wenn man die damalige Situation mit der jetzigen vergleicht. Wir werden natürlich nach Bremen reisen und versuchen, dort etwas mitzunehmen. Dazu müssen wir an unsere Leistungsgrenze kommen und genau das zeigen, was uns in den letzten Wochen ausgezeichnet hat: aus einer Stabilität heraus mutig nach vorne spielen und die Chancen nutzen. Aber Bremen ist ein harter Gegner, das wird ein schweres Spiel."

Wenn ich irgendwann durch eine erhöhte Aufmerksamkeit in die Nationalmannschaft berufen werden sollte, werde ich mich natürlich nicht dagegen wehren.

...die Hoffnung, sich durch eine gute Saison für die argentinische Nationalmannschaft zu empfehlen:
"Ein Fernziel ist das sicherlich, mein Fokus liegt aber darauf, dass es eine gute Saison bleibt. Daraus können sich Dinge ergeben. Mir geht es darum, gute, ehrliche Arbeit zu leisten, so gut wie möglich zu spielen und zu überzeugen. Wenn ich irgendwann durch eine erhöhte Aufmerksamkeit in die Nationalmannschaft berufen werden sollte, werde ich mich natürlich nicht dagegen wehren. Aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist das kein Thema."

...die Bedeutung eines Verbleibs von Niko Kovac, dessen Vertrag 2017 ausläuft:
"Ich hoffe, dass er bleibt. Das wäre schön und wünschenswert, denn er hält den Laden hier richtig gut zusammen. Er hat uns wieder in die Spur geführt und leistet sensationelle Arbeit. Wir lernen so viel von ihm, er bringt uns so viel bei, das ist sehr, sehr wertvoll. Wir wissen natürlich, dass wir bereit sein müssen, viel zu geben, aber das machen wir gerne, weil wir das mit entsprechenden Ergebnissen zurückgezahlt bekommen."

Aufgezeichnet von: Julian Franzke