2. Bundesliga

Ex-Löwe Kagelmacher: "Ich brauchte Veränderung"

Verteidiger hat 1860 weiter im Blick

Ex-Löwe Kagelmacher: "Ich brauchte Veränderung"

Gary Kagelmacher

Fühlt sich in Israel wohl: Gary Kagelmacher, hier noch im Dress des TSV 1860. Getty Images

kicker: Herr Kagelmacher. Sie haben bei Ihrem neuen Verein Maccabi Haifa bisher alle Spiele durchgespielt und ein wichtiges Tor im Spitzenspiel gegen Maccabi Tel Aviv erzielt - es scheint gut zu laufen, oder?

Gary Kagelmacher: Das stimmt. Wir haben vor drei Monaten in René Meulensteen einen neuen Trainer aus den Niederlanden bekommen, das ganze Funktionsteam kommt jetzt aus Europa. Nachdem es vorher zu Saisonstart nicht so gut lief und wir unter anderem in der Qualifikation zur Europa League gegen das estnische Team Nomme Kalju ausgeschieden sind, ist es jetzt deutlich professioneller und wir haben mehr Selbstbewusstsein.

Spielersteckbrief Kagelmacher

Kagelmacher Gary

kicker: Ihr Tor gegen Tel Aviv war wichtig. Und Sie sind ja nicht unbedingt als Goalgetter bekannt...

Kagelmacher: Das war ein großes Spiel, fantastisch für mich. Ein tolles Tor, ich habe mich sehr gefreut, auch weil der Verein vorher lange nicht mehr bei Tel Aviv gewonnen hat. Für 1860 München habe ich vor einiger Zeit aber schon mal ein ähnliches Tor in Sandhausen geschossen.

kicker: Nach Uruguay, Spanien, Belgien, Frankreich und Deutschland ist Israel das sechste Land, in dem sie spielen. Was ist anders?

Kagelmacher: Am Anfang war es hart, es war sehr heiß, obwohl wir meistens abends spielen. Beim Training war das auch ein Problem, bei 35 bis 40 Grad lange und intensiv zu trainieren war etwas kompliziert. Aber es ist ein tolles Land, Haifa ist eine schöne Stadt, wir sind schnell am Strand. Außerdem ist der Klub sehr professionell, das hat mich überrascht. Sie kümmern sich toll um uns ausländische Spieler. Das Stadion ist auch neu und es kommen viele Fans.

kicker: Was hat Sie nach Israel hingezogen?

Kagelmacher: Ich hatte Ende der vergangenen Saison bei 1860 ein Gespräch mit dem damaligen Manager Oliver Kreuzer, er wollte, dass ich verlängere. Aber wir haben zwei Jahre lang nur gegen den Abstieg gespielt und ich war weit von zu Hause weg. Da war es schwer, schöne Momente zu haben, weil wir immer nur unten gestanden haben. Ich brauchte Veränderung, auch wenn die israelische Liga nicht so bekannt ist.

kicker: Wie ist das fußballerische Niveau?

Es ist ein großer Klub, ich weiß nicht, warum sie wieder unten sind.

Gary Kagelmacher über 1860 München

Kagelmacher: Es gibt große Unterschied zwischen den Top-Teams und dem Rest. Haifa, Tel Aviv und Beer Sheva kämpfen um den Titel, haben viele gute Legionäre und Nationalspieler. Der Rest ist deutlich darunter, was das Niveau angeht. Und es ist ein total anderer Fußball. Jedes Team darf nur sechs ausländische Spieler beschäftigen, deswegen spielen viele Israelis. Die haben eine gute Technik, aber sie müssen sich physisch und taktisch verbessern.

kicker: Wie genau beobachten Sie die Löwen noch?

Kagelmacher: Ich folge allen Vereinen, für die ich vorher gespielt habe. Natürlich sehe ich auf die Resultate, jetzt haben sie in Sandhausen schon wieder verloren... Es ist ein großer Klub, ich weiß nicht, warum sie wieder unten sind. Das tut mir leid für die Stadt und die Fans. Sie tätigen große Investments, sie versuchen viel und haben gut eingekauft - aber es funktioniert nicht.

kicker: Wie schätzen Sie die aktuelle Situation ein? Wird es wieder ein langer Abstiegskampf?

Kagelmacher: Bielefeld und St. Pauli kämpfen auch und haben Probleme. Aber letztes Jahr war es so ähnlich, dann haben wir zu Ende der Saison ein paar Spiele gewonnen und es war besser. Aber diese Serie brauchst du dann irgendwann.

zum Thema

kicker: Gerade auf der Außenverteidigerposition hat 1860 große Probleme...

Kagelmacher: Oliver Kreuzer wollte auch, dass ich bleibe, aber er hat mich verstanden. Und 1860 hat noch eine Ablösesumme bekommen, alle Seiten haben gewonnen.

kicker: Planen Sie irgendwann eine Rückkehr nach Deutschland?

Kagelmacher: Im Moment weiß ich das nicht. Ich habe hier drei Jahre Vertrag und bin hochmotiviert, das Projekt durchzuziehen, und hoffe, hier lange zu spielen. In der Zukunft ist Deutschland vielleicht wieder ein Thema, aber das ist noch hin.

kicker: Gibt es etwas, das sie an München vermissen?

Ich mag die Stadt und habe da gerne gewohnt. Die Fans waren toll und haben uns immer angefeuert - bis zu 60.000 Zuschauer in der 2. Liga - das war toll. Viel vermisse ich aber nicht, es waren auch schwierige zwei Jahre mit viel Druck und dauerndem Überlebenskampf.

Interview: Patrick Kleinmann