Bundesliga

Warum Wolfsburg Dardai im Moment nicht reizt

Herthas Trainer bleibt in Berlin

Warum Wolfsburg Dardai im Moment nicht reizt

Pal Dardai

Fühlt sich wohl in Berlin: Hertha-Coach Pal Dardai. picture alliance

Die Beteiligten halten sich mit öffentlichen Kommentaren zurück. Wie sich die einige Tage zurückliegende Geschichte abgespielt hat, wird allerdings in Wolfsburg und auf den Fluren von Herthas Geschäftsstelle nahezu deckungsgleich erzählt. Demnach klopfte ein Mittelsmann - ein bei Hertha bekannter Spielerberater - bei Dardai die grundsätzliche Bereitschaft für einen Wechsel zum VfL ab. Das Gespräch war dem Vernehmen nach zügig beendet.

Dardai ließ klar durchblicken, dass ein Wechsel nach Wolfsburg für ihn im Moment nicht vorstellbar sei. Dass nach kicker-Informationen weder Dardai selbst noch VfL-Manager Klaus Allofs bei Hertha-Manager Michael Preetz in dieser Angelegenheit vorstellig wurden, zeigt, dass das Thema nie über den Status der Kontaktaufnahme hinausging. Der Mittelsmann blitzte bei Dardai ab. Auch Wolfsburgs Werben um Lucien Favre (OGC Nizza) und André Villas-Boas (derzeit ohne Verein) war ohne Erfolg geblieben. Die heißeste Trainer-Spur führt aktuell zu Bruno Labbadia, die Tage von Interimstrainer Valerien Ismael sind nach dem Freiburg-Spiel am Wochenende gezählt.

Ich habe in Berlin einen Vertrag und hier eine Aufgabe.

Pal Dardai

Als der kicker Dardai am Mittwoch mit dem Vorgang konfrontierte, sagte der Coach: "Ich habe in Berlin einen Vertrag und hier eine Aufgabe." Und er hat, das betont er immer und immer wieder, eine sehr große Job-Zufriedenheit. Die sportliche Entwicklung unter Dardai, der im Februar 2015 auf Jos Luhukay folgte, ist bemerkenswert. Als Retter erfüllte er im Mai 2015 mit dem Klassenerhalt seine Mission.

Bester Saisonstart in Herthas Historie

2015/16 machte das mit Vladimir Darida, Vedad Ibisevic, Mitchell Weiser und Niklas Stark klug verstärkte Team einen enormen Entwicklungssprung, der sich in deutlich ansehnlicherem Fußball, Platz sieben in der Liga und dem Pokal-Halbfinale widerspiegelte. In der aktuellen Spielzeit gelang nach einem keineswegs reibungsfreien Sommer der beste Saisonstart in Herthas Historie. Dardai, der mit seinem Staff optimal zusammenarbeitet, sieht Mannschaft und Verein noch längst nicht am Ende der Entwicklung.

Die seit längerer Zeit im Hintergrund laufende Suche nach einem zweiten Investor soll den finanziellen Spielraum im sportlichen Bereich auf Sicht erheblich vergrößern, Imagewechsel und Stadionpläne zeigen: Es bewegt sich etwas. Als Faustpfand für eine gute sportliche Zukunft sieht Dardai unter anderem den hochbegabten 99er-Jahrgang an, den er selbst einst in der U 15 trainierte. Bis heute sind diese Talente, von denen zuletzt mit Julius Kade (gegen Köln) und Florian Baak (gegen Hoffenheim) die ersten beiden bei Bundesliga-Spielen im Berliner Kader auftauchten, seine Jungs geblieben - aus dem einen oder anderen würde er gern einen Bundesliga-Spieler formen.

Dazu kommt: Vermutlich kein anderer Bundesliga-Trainer ist so verwurzelt in seinem Klub und hat beim eigenen Anhang ein solches Standing. Dardai, der Ende 1996 als Spieler nach Berlin kam, ist mit 286 Bundesliga-Einsätzen Herthas Rekordspieler. Seine drei Söhne Palko, Bence und Marton spielen allesamt für den Klub, die Familie wohnt in direkter Stadionnähe. Als Profi zeichnete den loyalen Ungarn große Vereinstreue aus, 1999 widerstand er einem Angebot des FC Bayern und verlängerte in Berlin. Dass er als Trainer ähnlich verfahren und allen Verlockungen widerstehen wird, ist für die, die täglich mit ihm zusammenarbeiten, indes keineswegs ausgemacht. Enge Begleiter nennen als eine der hervorstechendsten Eigenschaften des 40-Jährigen seinen "brutalen Ehrgeiz".

Dardai ist noch lange nicht fertig

Die zu Beginn der Trainerkarriere von ihm selbst gern vorgebrachte These, er werde nur die ungarische Nationalmannschaft und Hertha BSC betreuen und später in den Nachwuchsbereich der Berliner zurückkehren, könnte irgendwann hinfällig werden. Jetzt aber war der falsche Zeitpunkt. Dardai, der als Bundesliga-Coach bei Hertha einen Einjahresvertrag besitzt, aber gemäß seines Vertrages jederzeit unbefristet in die Akademie zurückkehren kann, ist mit Hertha noch lange nicht fertig.

Pal ist Herthaner durch und durch.

Preetz über Dardai

Und dass der Kader des VfL Wolfsburg sportlich und auch atmosphärisch eine Großbaustelle ist, hat auch er registriert. "Pal ist Herthaner durch und durch. Und er hat als Trainer die richtige Ansprache und die richtige Härte", sagt Preetz, der vor Jahren - in seiner "Lehrzeit" unter dem Manager Dieter Hoeneß - selbst mal mit dem VfL Wolfsburg über einen Wechsel verhandelte. Preetz blieb seinerzeit in Berlin, wie Dardai jetzt auch.

Thomas Hiete/Steffen Rohr

kicker.tv - Der Talk - Folge 22

Preetz: "Alle sieben Tage abgerechnet"

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