Bundesliga

Der "Pizarro-Komplex": Baumann setzt den Konter

Bremen: Manager bremst den Torjäger bei seinen Plänen zu einem kurzfristigen Comeback

Der "Pizarro-Komplex": Baumann setzt den Konter

Wann gibt er sein Comeback? Werder Bremens Stürmer Claudio Pizarro.

Wann gibt er sein Comeback? Werder Bremens Stürmer Claudio Pizarro. pictue alliance

"Geduld" - so lautete das Zauberwort, das die Pressekonferenz bei Werder Bremen vor dem Auftritt auf Schalke bestimmte. Geduld, nahm Frank Baumann dieses Wort mehrfach in den Mund, gehöre einfach dazu. Der Geschäftsführer, erst relativ spät nach einer knappen halben Stunde in das Frage- und Antwortspiel miteinbezogen, deutete an, wie der Fall Claudio Pizarro zu behandeln sei. Der Star hatte sich einen Tag zuvor, nach ersten zarten Versuchen im Mannschaftstraining nach gut dreimonatiger Pause, wortgewaltig zurückgemeldet und einen möglichen Einsatz beim Spiel am Sonntag ins Spiel gebracht.

Baumanns Zweifel klingen durch

Baumann, der frühere Mitspieler, setzte nun den Konter, mehr noch als der eher im Allgemeinen verbleibende und sich bei dieser brisanten Personalie zurückhaltende Trainer. Der Manager zu den kurzfristigen Comeback-Plänen des Oldtimers: "Claudio ist nun so langsam wieder gesund geworden, doch Gesundheit allein reicht nicht, es gehört auch Fitness dazu." Die Zweifel klangen durch, ob der alternde Torjäger, den erst eine Wadenverletzung, danach eine Entzündung der Nerven aus dem Rückenbereich, die ausstrahlte in Leiste und Oberschenkel, außer Gefecht gesetzt hatten, schon für die nächste Partie eingeplant werden kann.

Spielersteckbrief Pizarro
Pizarro

Pizarro Claudio

Spielersteckbrief Kruse
Kruse

Kruse Max

Spielersteckbrief Bargfrede
Bargfrede

Bargfrede Philipp

Spielersteckbrief Caldirola
Caldirola

Caldirola Luca

Trainersteckbrief Nouri
Nouri

Nouri Alexander

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"Gemeinsam müssen wir eine vernünftige Entscheidung für alle treffen"

Auch Alexander Nouri hatte Bedenken angemeldet, doch eher dezent und recht leise. Er wolle zwar nicht komplett auf die Euphoriebremse treten, sagte der Coach, "doch wir müssen das vernünftige Maß finden". Sodann erläuterte der 37-Jährige, der wie immer auf die noch folgenden Trainingseinheiten verwies, wie er eine Entscheidung im Fall des 38-jährigen Altmeisters zu treffen gedenke. Nouri will einem so erfahrenen Spieler wie dem Peruaner ein gewisses Mitspracherecht einräumen, indem er sagt: "Gemeinsam müssen wir eine vernünftige Entscheidung für alle treffen."

Aus dem Munde von Baumann klang dies ein wenig anders. Der Werder-Boss erwähnte nicht ausdrücklich die Rolle des Profis, sondern meinte: "Der Trainer, sein Team und die Mediziner werden schon den richtigen Zeitpunkt wählen, wann ein Einsatz sinnvoll ist."

Kruse "partiell" im Mannschaftstraining

Baumann sprach im nächsten Satz von einer Zeitspanne "von zwei bis vier Wochen", was eine Überraschung mit Pizarro für das kommende Wochenende utopisch erscheinen lässt. Bremen diskutiert in dieser Woche nach dem Rückschlag gegen Freiburg also über den "Pizarro-Komplex". Und über die anderen Rückkehrer, die mittelfristig den Kader verstärken wollen. Neben Pizarro ist nach seinem auskurierten Bänderriss im Knie auch Max Kruse "partiell", wie Trainer Nouri relativiert, ins allgemeine Übungsprogramm eingestiegen. Philipp Bargfrede (Meniskus-OP) verkündete in den sozialen Netzwerken die frohe Kunde, dass er in der nächsten Woche einsteigen könne. Und auch Luca Caldirola (nach Fußbruch) kommentierte die Neuansetzungen für das kommende Jahr optimistisch: 21. Januar, das Spiel gegen Dortmund, habe er sich, so der Italiener, dick angestrichen.

"Weit in die Zukunft gedacht", meinte Nouri zu diesen Perspektiven. Er relativierte die Erwartungshaltung an die Langzeitverletzten, betonte zugleich aber: "Die Spieler haben schon eine Qualität, die uns weiterhelfen kann und wird." Und auch Baumann betrachtet die mit diesen Personalien verknüpften guten Aussichten eher realistisch: "Wenn diese Spieler wiederkommen, läuft es nicht von allein."

"Wir sind von unserem Weg überzeugt und lassen uns davon nicht abbringen"

Zuletzt lief es gar nicht bei den Norddeutschen, die einen Dämpfer verkraften mussten nach dem Zwischenhoch, das auf die Amtsübernahme durch Nouri folgte. Zwei Niederlagen am Stück und nun der Auftritt bei Schalke. S04 gehörte in eine andere Tabellenregion, so Nouri über den Gegner, der in den letzten Spielen die Kurve gekriegt habe. Auf seine Elf sieht er eine große Herausforderung zukommen. Von einer Krise bei Werder will der Coach nichts wissen: "Wir sind von unserem Weg überzeugt und lassen uns davon nicht abbringen."

Hans-Günter Klemm