Europameisterschaft 2004, Viertelfinale
Portugal
Portugal
6
:
5
im Elfmeterschießen
2:2 (1:1 0:1)
England
England
20:48 - 3. Spielminute

Tor 0:1
Owen
Rechtsschuss
England

21:11 - 27. Spielminute

Spielerwechsel (England)
Vassell
für Rooney
England

21:21 - 37. Spielminute

Gelbe Karte
Gerrard
England

21:29 - 44. Spielminute

Gelbe Karte
G. Neville
England

21:57 - 56. Spielminute

Gelbe Karte
Costinha
Portugal

21:58 - 57. Spielminute

Spielerwechsel (England)
Neville
für Scholes
England

22:04 - 63. Spielminute

Spielerwechsel (Portugal)
Simao
für Costinha
Portugal

22:16 - 75. Spielminute

Spielerwechsel (Portugal)
Helder Postiga
für Figo
Portugal

22:20 - 79. Spielminute

Spielerwechsel (Portugal)
Rui Costa
für Miguel
Portugal

22:23 - 81. Spielminute

Spielerwechsel (England)
Hargreaves
für Gerrard
England

22:25 - 83. Spielminute

Tor 1:1
Helder Postiga
Kopfball
Vorbereitung Simao
Portugal

22:26 - 85. Spielminute

Gelbe Karte
Deco
Portugal

22:42 - 92. Spielminute

Gelbe Karte
Neville
England

23:02 - 110. Spielminute

Tor 2:1
Rui Costa
Rechtsschuss
Portugal

23:06 - 115. Spielminute

Tor 2:2
Lampard
Rechtsschuss
Vorbereitung Terry
England

23:09 - 119. Spielminute

Gelbe Karte
Ricardo Carvalho
Portugal

POR

ENG

Viertelfinale, Portugal - England 6:5 i.E. (2:2, 1:1, 0:1)

Ricardo krönt Elfmeter-Krimi!

Nach dem 1:0-Erfolg im Bruderkampf gegen Spanien stellte Portugals Trainer Luis Felipe Scolari zwangsläufig auf einer Position um: Sturmspitze Pauleta fehlte Gelb-gesperrt und wurde durch den "goldenen" Torschützen des Spanien-Spiels, Nuno Gomes, ersetzt. Englands Trainer Sven-Göran Eriksson brachte im Vergleich zum 4:2 über Kroatien die selbe Anfangsformation.


Das Viertelfinale im Überblick Stimmen zum Spiel


Früher Schock durch Owen

Das Spiel im stimmungsvollen Stadion "Da Luz" begann mit einem Paukenschlag: Langer Ball des englischen Torhüters James, Costinha glaubt nur Teamkameraden hinter sich und legt ungewollt per Kopf auf für Owen, der aus der Drehung spektakulär zum 0:1 vollendet (3.). Die Gastgeber waren also früh gefordert, während der englische Anhang stimmgewaltig und siegessicher erste Jubelarien anstimmte. Cristiano Ronaldo vergab nach Figos Hereingabe die erste Halbchance für die Scolari-Schützlinge (6.). Der neutrale Beobachter freute sich indes über ein Spiel ohne taktisches Geplänkel, in dem Maniche mit einem satten Volleyschuss seine Landsleute wieder hoffen ließ (9.), und Nuno Gomes nach neuerlicher Figo-Vorarbeit nur um Zentimeter verpasste (10.). Den ersten Auftritt von Wunderstürmer Rooney, ein Schuss aus spitzem Winkel nach abgefälschtem Beckham-Freistoß, entschärfte der herausstürzende Keeper Ricardo (13.).

Portugal musste das Spiel machen, wurde in der Folgezeit hauptsächlich nach Ecken und durch Fernschüsse gefährlich, die "Hundertprozentigen" blieben vorerst jedoch aus. Die "Three Lions" beschränkten sich keineswegs auf die Defensive. Vor allem Owen strahlte regelmäßig Gefahr aus, ein Campbell-Kopfball strich nur knapp über den Kasten (21.). Nach Rooneys verletzungsbedingtem Ausscheiden (27.) versuchte Vassell sein Glück an der Seite Owens, der seine bis dahin beste Vorstellung in diesem Turnier gab. Einsatzfreude hin, Leidenschaft her - in der Schlussviertelstunde des ersten Abschnitts fehlte dem portugiesischen Angriffsspiel die Präzision und zündende Ideen. Nicht unverdient daher die Pausenführung der Eriksson-Elf.

Als Figo geht, kommt die Wende

Der Weltmeister von 1966 sah sich zu Beginn des zweiten Spielabschnitts weit in die eigene Hälfte zurückgedrängt. Portugal agierte sofort druckvoll, hatte die Mission "EM-Sieg" verständlicherweise längst nicht abgehakt. Allein an Durchschlagskraft mangelte es den Iberern nach wie vor. Die Fernschüsse Figos landeten in aller Regel in Reihe 13, die zentrale Spitze Nuno Gomes kam nicht zur Geltung. Die Engländer verließen sich in dieser Phase der Partie einzig auf ihre Defensivkünste, bauten einen dichten Riegel am eigenen Strafraum auf. Scolari gab mit der Einwechslung Simaos für Costinha nach einer guten Stunde ein zusätzliches Signal in Sachen Offensive. Der Joker führte sich gleich mit einem 18-Meter-Schuss nach Sololauf ansehnlich ein (66.).

Während englische Konter nicht protokolliert werden konnten, opferte Scolari in der 75. Minute Luis Figo in dessen 108. Länderspiel zu Gunsten einer weiteren Spitze, Tottenhams Helder Postiga. Der Real-Star, der Sekunden zuvor James mit einem gefährlichen Aufsetzer noch auf die Probe stellte, zeigte sich sichtlich ungehalten über die Entscheidung des brasilianischen Weltmeistertrainers. Doch der schien alles richtig gemacht zu haben: Flanke Simao, Kopfball Helder Postiga - 1:1 (83.). Mit einem späten Treffer rettete sich der Gastgeber in die Verlängerung, während England bei einem Owen-Lattenkopfball (89.) Pech hatte. Das anschließende Kopfballtor durch Campbell zählte wegen eines Fouls von Terry an Ricardo nicht.

Rui Costas Traumtor, Lampards schnelle Antwort

Verlängerung: Phil Neville musste in der 97. Minute per Kopf auf der Torlinie klären, während Portugal zunächst weiter klar tonangebend war. Erst nach Beckhams Kopfball (101.) bekam England etwas Oberwasser, ohne torgefährlich zu werden. Im zweiten Abschnitt setzte sich der offene Schlagabtausch trotz schwindender Kräfte fort. Und fand in einem Geniestreich seinen nächsten Höhepunkt: Rui Costa - wie die Protagonisten beim 1:1, Simao und Helder Postiga, erst eingewechselt - fasst sich 18 Metern vor dem Tor ein Herz und gibt dem machtlosen James das Nachsehen. Zehn Minuten blieben Beckham & Co. noch, um der an Spannung und Dramatik nun kaum zu überbietenden Partie eine weitere Wende zu geben. Simao verfehlte mit einem weiteren Fernschuss das Ziel und damit die Vorentscheidung nur um Haaresbreite (113.). Im Gegenzug das 2:2: Frank Lampard kommt nach einer Beckham-Ecke und Terrys Kopfballvorlage im Torraum an den Ball und bugsiert die Kugel im Fallen über die Linie (115.). Beide Teams spielten bis zum Schluss auf Sieg, wollten das Elfmeterschießen vermeiden, scheiterten jedoch mit diesem Vorhaben.

Vom Punkt patzte gleich Beckham, der offensichtlich in den Boden trat und das Leder in den Nachthimmel jagte. Später vergab noch Rui Costa, so dass auch hier zusätzliche Elfmeter für die endgültige Entscheidung sorgen mussten. Ricardo hielt ohne (!) Handschuhe gegen Vassell und verwandelte schlussendlich selbst souverän zum 6:5!

Spieler des Spiels

Ricardo Tor

2
Spielnote

1
Tore und Karten

0:1 Owen (3', Rechtsschuss)

1:1 Helder Postiga (83', Kopfball, Simao)

2:1 Rui Costa (110', Rechtsschuss)

2:2 Lampard (115', Rechtsschuss, Terry)

Portugal

Ricardo 2 - Miguel 3 , Ricardo Carvalho 2,5 , Jorge Andrade 3, Nuno Valente 2,5 - Costinha 5 , Maniche 3,5, Figo 3,5 , Deco 4 , Cristiano Ronaldo 3 - Nuno Gomes 3

England

James 4 - G. Neville 3,5 , Terry 3, Campbell 2,5, A. Cole 3 - Lampard 2,5 , Gerrard 3 , Beckham 4, Scholes 4 - Owen 2 , Rooney

Schiedsrichter-Team

Urs Meier Schweiz

3
Spielinfo

Stadion

Estadio da Luz

Zuschauer

65.000 (ausverkauft)

In einem hochdramatischen und stets spannenden Viertelfinale behielt Gastgeber Portugal im Elfmeterschießen gegen England die Oberhand. Der Sieg der Scolari-Schützlinge fußte auf unbändigem Einsatzwillen, und einer Portion Glück. England brachte Owens frühe Führung nicht über die Runden, hielt jedoch bis zum Schluss tapfer dagegen. Keeper Ricardo wurde im Elfmeterschießen zum Held des Abends.