Bundesliga

Darmstadt-Coach Meier: "Futtern keine Sacher-Torte"

Gegentore kurz nach der Pause geben Rätsel auf

Darmstadt-Coach Meier: "Futtern keine Sacher-Torte"

Norbert Meier

"Aufwachen, Jungs": Norbert Meier mahnt zur Konzentration nach Wiederanpfiff. imago

Nur in einem der sechs Spiele, beim 1:0-Sieg über Eintracht Frankfurt, kassierten die Lilien kurz nach dem Wechsel keinen Gegentreffer. In Hälfte eins schluckten die Südhessen erst zwei Gegentore, in Hälfte zwei schon zehn. Das Malheur in der Phase nach dem Wiederanpfiff gibt Trainer Norbert Meier ein Rätsel auf.

"Wenn ich wüsste, woran es liegt, würden wir es abstellen", sagte er vor dem morgigen Spiel der Darmstädter in Mainz. Man futtere in der Pause gewiss keine Sacher-Torte, meinte er in Anspielung auf die ebenso nicht ganz ernst gemeinte Frage, ob inzwischen wieder womöglich allzu schwer im Magen liegender Kuchen auf dem Halbzeit-Speiseplan der Spieler stehe. Wurde beim SV 98 unter ehemaligen Trainern noch Kuchen zur schnellen Energiegewinnung gereicht, so verbannte Meiers Vorgänger Dirk Schuster mit seinem Team derlei aus der Kabine und führte Energieriegel und -gels ein.

Spielersteckbrief Schipplock
Schipplock

Schipplock Sven

Spielersteckbrief Bezjak
Bezjak

Bezjak Roman

Trainersteckbrief Meier
Meier

Meier Norbert

Gerade nach dem Wechsel müssen wir da sein.

Norbert Meier mahnt zur Konzentration nach der Pause.

Wieder ernster forderte Meier allerdings: "Gerade nach dem Wechsel müssen wir da sein." Durch das schnelle Gegentor habe man sich etwa beim 1:1 gegen Hoffenheim das Leben extrem erschwert. "Da haben wir eine Halbzeit lang fast nichts zugelassen." Zur Pause stand es 0:0, dann dauerte es bis zum vermeidbaren 0:1 nur 34 Sekunden. Fortan rannten die Darmstädter einem Rückstand hinterher, mussten vermehrt die Initiative ergreifen - was dem Erstliga-Underdog weniger liegt als den Gegner die Regie übernehmen zu lassen und über schnelles Umschalten Raum für Konter zu nutzen. "Vielleicht sollte ich nicht mehr darauf hinweisen", meinte Meier. Andererseits: "Wenn ich es nicht tue und wir kassieren dann wieder einen schnellen Gegentreffer, heißt es vielleicht, ich hätte es doch tun müssen."

Lob für Schipplock

Keinen Hehl machte er vor dem Derby am Sonntag daraus, dass für ihn die Besetzung der Stürmerposition schon feststehe. Einen Namen nannte er nicht, nach den zwei Toren von Antonio-Mirko Colak gegen Bremen dürfte Meier am Deutsch-Kroaten allerdings auch im Mainz-Spiel zunächst kaum vorbeikommen. Für Sven Schipplock, der beim 7:0-Testspiel-Sieg beim Bayernligisten Viktoria Aschaffenburg mit vier Toren auffiel, hatte Meier trotzdem positive Worte übrig: "Schippo ist im Training immer sehr aktiv, macht und tut." Bei Colak, der sich zunächst hinter Schipplock anstellen musste, "habe ich immer gesagt, dass seine Zeit kommen wird".

Bezjak und die Systemfrage

Als großer Hoffnungsträger für die Spitze und mit der Empfehlung vieler Tore im Oberhaus Bulgariens und Kroatiens sowie in der Europa League hatte des SV 98 indes Roman Bezjak verpflichtet und sich bei ihm mit einer Ablöse von rund zwei Millionen Euro finanziell weiter aus dem Fenster gelehnt als je zuvor in der 118-jährigen Vereinsgeschichte.

Zunächst kam Bezjak zentral in der offensiven Dreierkette im Darmstädter 4-2-3-1-System zum Einsatz, zuletzt auf der Außenbahn. Das neue Betätigungsfeld des Slowenen, der mit seiner Nationalelf unter anderem am Dienstagabend beim 0:0 gegen England wieder ganz vorn stürmen durfte? Meier: "Bezjak spielt im Moment auf einer Position, die nicht seine angestammte ist." Für Colak aufstellen dürfte ihn der Coach in vorderster Front fürs Erste dennoch nicht - und auch kaum auf ein System mit zwei echten Spitzen (wie in Halbzeit zwei des Aschaffenburg-Testspiels mit Colak und Schipplock/Dominik Stroh-Engel ganz vorn) umstellen.

Jens Dörr