Werders Interimscoach hat schlechte Karten

Nouris undankbare Mission

Werders Interimscoach Alexander Nouri

Baldige Ablösung: Werders Interimscoach Alexander Nouri. imago

Lob gibt es für Alexander Nouri trotz des 1:2 gegen Mainz von allen Seiten. Ob vom gegnerischen Kollegen Martin Schmidt, dem eigenen Chef Frank Baumann oder den Werder-Profis. "Der Trainer hat versucht uns mitzureißen, was ihm gut gelungen ist", sagt etwa Zlatko Junuzovic, "es war unser bestes Spiel in dieser Saison." Auch Florian Grillitsch stellt fest: "Wir haben ein anderes Gesicht gezeigt." Und Baumann betont: "Uns ist wichtig, dass wir eine Mannschaft sehen, die Leidenschaft zeigt und ihr Potenzial entfaltet. Das war am Mittwochabend zu einem hohen Prozentsatz der Fall." Dennoch deutet vieles daraufhin, dass Interimscoach Nouri unabhängig vom Ergebnis am Samstag gegen Wolfsburg spätestens nach der Länderspielpause Anfang Oktober zur U 23 zurückkehrt, mit der er erfolgreich in die Saison gestartet ist.

"Intensive" Suche nach neuem Chefcoach

In den kommenden Tagen den Markt "intensiv" nach einem neuen Cheftrainer als Nachfolger des beurlaubten Viktor Skripnik zu sondieren, hat Baumann auch Nouri so mitgeteilt. Die Lage im Abstiegskampf ist schließlich schon jetzt viel zu heikel als dass man sich auf der Schlüsselposition des Trainers noch ein Experiment erlauben könnte. Dennoch sagt der Manager: "Wir stehen nicht unter absolutem Zeitdruck, das hat die Leistung am Mittwoch gezeigt." Nouri gelang es tatsächlich auf Anhieb, Begeisterung zu wecken. Doch die gravierenden Mängel, die sich im Team offensichtlich verfestigt haben, lassen sich nicht so einfach beheben. Das wiederkehrende Phänomen, dass Clemens Fritz und Kollegen aus einer (verdienten) Führung kein Selbstbewusstsein ziehen sondern in Verlustängste verfallen, ist gleichermaßen psychisch wie physisch bedingt.

Trainersteckbrief Nouri

Nouri Alexander

Werder Bremen - Vereinsdaten

Gründungsdatum

04.02.1899

Vereinsfarben

Grün-Weiß

Ob die Spieler müde waren? Da muss ich erstmal selbst mit ihnen sprechen.

Alexander Nouri über den Fitnesszustand seines Teams

Dem hohen Anfangstempo mussten die Grün-Weißen bereits Ende der ersten Halbzeit (!) spürbar Tribut zollen, im zweiten Abschnitt liefen sie fast nur noch hinterher. Nouri wollte sich auf die Diskussion über den Fitnesszustand indes nicht einlassen. Auf konkrete Nachfrage nach etwaiger Müdigkeit seiner Profis antwortete er betont unverfänglich: "Ich habe eine Mannschaft gesehen, die bis zum Schluss alles gegeben hat. Ob die Spieler müde waren? Da muss ich erstmal selbst mit ihnen sprechen, welches Gefühl sie hatten."

Baumann zu van Gaal: "Verrücktes Gerücht"

Werders Defizite scheinen aktuell schlicht zu groß, als dass Nouris Intermezzo für einen unerfahrenen Mann wie ihn eine echte Chance bedeuten könnte. Logische Kandidaten bleiben vielmehr vergleichsweise gestandene und aktuell verfügbare Fußballlehrer wie André Breitenreiter oder Markus Gisdol. Der in diversen Internetportalen gehandelte Louis van Gaal ist dagegen aus verschiedensten Gründen keine realistische Option. Baumann vielsagend: "Wir kommentieren keine Namen - auch wenn es sich um verrückte Gerüchte handelt." Für Nouri gilt es unterdessen, seine Schützlinge noch einmal optimal auf Wolfsburg am Samstagabend vorzubereiten: "Ich werde vorleben, dass wir aus dem Mainz-Spiel das Positive mitnehmen", lautet seine Devise.

Über die Zeit nach dem kommenden Wochenende mache er sich ohnehin keine Gedanken: "Ich lebe den Moment." Verdienste hat er sich bereits am Mittwochabend erworben, indem er mit der überraschenden und gelungenen Startelf-Nominierung von Stürmer Ousman Manneh und Izet Hajrovic ernsthafte personelle Alternativen auch für seinen Nachfolger schuf. Sollte es ihm darüber hinaus auch noch gelingen, die Mannschaft nicht mit null Punkten zu übergeben, hätte der 37-Jährige seine undankbare Mission zweifellos mit Bravour erfüllt.

Thiemo Müller